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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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dampfen. Der Vorsicht halber wurde ein Lothungsboot vorausgeschickt, wäh- 
rend die „Gazelle“ langsam folgte. 
Das Fahrwasser erwies sich aber als zu unrein, um es weiter ohne Ge- 
fahr für das Schiff benutzen zu können (s. Karte). Das vorausgesandte Lothungsboot 
wurde deshalb zurückberufen, die „Gazelle“ fuhr wieder aus dieser Tucker-Strasse 
heraus und vermaass noch am 6. Dezember auf dem Wege nach dem Weihnachts- 
hafen den kurz vorher entdeckten Helenenhafen in der Rhodes Bai (s. S. 359); 
nachdem „Gazelle“ den Aldrich-Kanal passirt hatte, langte sie Abends 10 Uhr 
im Weihnachtshafen an (s, S. 358 und schon früher diese Annalen ete. pag. 110). 
Hier war es auch, wo bei einer Land-Excursion die obenerwähnte Ötaria-Art 
gefangen wurde, welche jetzt eine Zierde unseres Berliner zoologischen Mu- 
seums ist. 
Am Abend des 7. Dezember verliess die „Gazelle“ den Weihnachtshafen 
unter Segel und kehrte am 8. Dezember nach Betsy Cove zurück, Die Offi- 
ziere der „Gazelle“ nahmen am 9. Dezember 1874 an der Beobachtung des 
Vorüberganges der Venus vor der Sonne Theil. Bekanntlich ist dieselbe von 
Seiten der Astronomen und Photographen der Expedition mit Erfolg ausgeführt 
worden. Dieser Umstand machte ein weiteres Verweilen der Mitglieder der 
Expedition zu Betsy Cove wegen der unumgänglich nothwendigen genaueren 
astronomischen Ortsbestinmungen erforderlich. Die „Gazelle“, welche die 
Astronomen nach Mauritius bringen sollte, war deshalb auch genöthigt, noch 
längere Zeit bis zur Beendigung der oben erwähnten astronomischen Arbeiten 
bei den Kerguelen zu bleiben, 
Gern hätte Freiherr v. Schleinitz diese Gelegenheit benutzt, um an 
den sehr Buchten- und Inselreichen Ostküsten genauere Aufnahmen zu machen, 
und dann weiter südwärts zu gehen. Da aber die Nachricht von der glück- 
lichen Ausführung der Venus-Beobachtung so schnell als möglich nach Berlin 
mitgetheilt werden sollte, und die amerikanische Corvette „Dronangahela“ erst zu 
spät, Anfang Januar, von den Kerguelen nach der mit Kuropa nicht in tele- 
graphischer Verbindung stehenden Capstadt abging, um diesc Nachricht so 
schnell, als verlangt war, nach Europa zu befördern, — so musste Herr von 
Schleinitz diesen Plan aufgeben und mit der „Gazelle“ selbst nach Norden 
einen Vorstoss machen, um einem der vielen Australienfahrer die- betreffende 
Nachricht zur weiteren Beförderung zu übergeben. 
Am 23. Dezember verliess die „Gazelle“ Betsy Cove und steuerte nord- 
wärts bis 39142° Süd-Br. bei fast ununterbrochen conträren, stürmischen 
Winden zwischen NE und NW, so dass die Fahrt viel Zeit kostete; da bis zu 
jener Breite kein Schiff angetroffen war, kehrte die „Gazelle“ am 2. Januar 
1875 wieder um und befand sich zu dieser Zeit nordöstlich von der in 39° 53‘ 
Süd-Br. und 171° 43‘ Ost-Lg. angegebenen Wellington-Shoal. Herr von Schlei- 
nitz hielt so dicht nach dieser Stelle hin, als es der conträre Wind erlaubte, 
und lothete am Abend 9 Seem. in ONO von der angegebenen Bank, welche 7 Seem. 
Ausdehnung haben soll (s. Rosser-Imray, Indian Ocean (1874), pag. 124), mit 1883 
Met. Leine keinen Grund. Hieraus ist zu schliessen, dass diese Bank nicht existirt. 
Am 3. Januar kam in 40° 50’ Süd-Br. und 72° 15‘ Ost-Lg. das Bremer 
Vollschiff „Gabain‘“, Capitain Meyer, in Sicht; dieses Schiff, nach Akyab im Meer- 
busen von Bengalen bestimmt, übernahm die erwähnte Depesche über das 
Gelingen der Venus-Beobachtung durch die deutsche Expedition auf den Ker- 
guelen zur weiteren Beförderung, und in- der That kam diese Depesche auch 
am 15. Februar aus Akyab in Berlin an (s. Hydrogr. Mitth. 1875 pag. 80). 
Auf der weiteren Fahrt der „Gazelle“ wollte Herr von Schleinitz bei 
dem Segeln nach südlicheren Breiten Kerguelen im Osten lassen, um Unter- 
suchungen über einen daselbst vermutheten, nach Süden setzenden warmen 
Strom anzustellen. Während aber bei der Ausreise aus Betsy Cove vorzugs- 
weise nordöstliche und nördliche Winde wehten, waren jetzt die nordwestlichen 
und westlichen Winde vorherrschend geworden, so dass es ihm nicht gelang, 
so weit westlich zu kommen, als er es wünschte; dazu kamen noch am 7. und 
8. Januar 1875 heftige Stürme aus der Richtung rw. WzS (mw. WNW). Herr von 
Schleinitz beschloss daher zur möglichsten Ausnutzung der Zeit nach der Lce- 
seite von Korguelen abzuhalten. Am 10. Januar bekam auch die „Gazelle“ in der 
That den Campbell-Berg in Sicht und dampfte in die Inselbai (s. S. 364), wo sie
	        
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