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von der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin zwei, von dem
Commando S. M. S. „Gazelle“ eingesandte Exemplare dieser Pelzrobbe oder
Otaria zu näherer Untersuchung übergeben worden sind, hat diese für die
Wissenschaft neue Thierart zur Erinnerung an S. M. S. „Gazelle“ Arctophoca
Gazella genannt. Das eine Exemplar ist ein kleineres, mit Kopf und Rumpf nebst
sämmtlichen Weichtheilen wohlerhaltenes junges Weibchen, das zweite grössere,
ein Männchen. Herr Professor Peters hat in der Gesammtsitzung der Königl.
Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 10. Juni 1875 eine ausführliche
Beschreibung dieser für die Wissenschaft neuen Art von Seebären gegeben und
dabei erwähnt, dass ausser diesen noch zwei andere Arten von Seehunden aus Ker-
guelenland durch S. M. S. „Gazelle“, auf der sich, wie bekannt, Herr Dr. Studer
als Naturforscher befindet, dem Königl. zoologischen Museum in Berlin ein-
gesendet sind, welchem sie bisher sämmtlich fehlten, nämlich zwei See-
Wlephanten (Cystophora leonina L. = Morungia elephantina Gray) und ein See-
Leopard (Ogmorhinus leptonyx Blainville = Stenorhynchus leptonyx). Der be-
rühmte englische Zoologe John Willis Clark hebt in Bezug auf diese neueste
Bereicherung des Königl. zoologischen Museums zu Berlin in einem diesem Gegen-
stande gewidmeten Artikel in der „Nature“ vom 2. September 1875 (Vol. 12
No. 305, pag. 366) besonders hervor, dass, obwohl die Existenz der See-
Elephanten schon seit länger als einem Jahrhundert von Poernety nachgewiesen
ist und diese selbst mit mehr oder minder genauem Detail von Anson, Cox,
Peron und anderen antarktischen Forschern beschrieben worden sind, bis jetzt
noch kein Exemplar derselben in einem europäischen Museum aufbewahrt ist,
und dass daher das Berliner zoologische Museum das erste und bis jetzt ein-
zige ist, welches solche aufzuweisen hat, und überdies noch zwei Exemplare
der ganz neuen Art Arctophoca gazella. Da alle diese für den Handel und
die Industrie so wichtigen Seehunde der antarktischen Meere bei der fort-
während sich steigernden, maasslos betriebenen Verfolgung ihrer Ausrottung
entgegen gehen, so ist eine derartige sachkundige Präparirung und Versendung
ron ganzen Thieren und Fellen derselben, wie sie von Seiten der Gelehrten S. M. S.
„Gazelle“ ausgeführt worden ist, von grossem Werthe für die Wissenschaft und
als ein nachahmungswerthes Beispiel hinzustellen.
Die Vermessungsarbeiten S. M. S. „Gazelle“ an der Nordostküste von
Kerguelen wurden ausser von dem Commandanten der „Gazelle“, speciell von
dem Navigations-Offizier derselben, Capitain-Lieutenant Jeschke, geleitet und
von diesem und den Unter-Lieutenants z. S. Breusing und Credner ausge-
führt. In der Regel geschahen die Vermessungen vom Schiffe selbst aus und
nur die Baien und Häfen wurden von Booten aus vermessen. Die Arbeiten
wurden allerdings’ in den meisten Fällen durch stürmisches Wetter gestört und
unterbrochen, wie aus dem hier unten folgenden resumirenden Berichte über
diese Vermessungen hervorgeht,
S. M. S. „Gazelle“ hatte bekanntlich (s. S. 107) am 26. October 1874 in
Betsy-Cove, einer kleinen Bucht der Accessible-Bat, geankert. Dicht dabei hatte
die deutsche Venus-Expedition ihre Station auf dem Observationsberge er-
richtet. Während der Ausführung der hierzu nöthigen Arbeiten durch die
Mannschaft der „Gazelle“ liess Freiherr v. Schleinitz an der noch nicht aus-
yelotheten Ostküste der Accessible-Bai und nach dem ca. 20 Seem. entfernten
Elisabeth-Hafen hin und in diesem selbst mit der Dampfpinasse Vermessungen
vornehmen.
Am 16. November verliess Frhr. v. Schleinitz mit der „Gazelle“ Betsy
Cove zur Explorirung der Insel und zur Ausführung von Chronometerreisen
und anderen Fahrten in Seo und hat sich von dieser Zeit an bis zum Abbruche
der Station am 1. Februar 1875 nur vorübergehend zu Betsy-Cove aufgehalten.
Er ging zunächst nach einem bassinartigen, in der an Bord der „Gazelle“ be-
fndlichen brit. Admiralitäts-Karte der Kerguelen-Insel No. 2398 vom Jahre 1874
(s. „Hydr. Mitth.“ 1874, pag. 208) angedeuteten, aber noch nicht benannten
Hafen, der durch einen ganz schmalen, zwischen hohen Felswänden durch-
führenden Kanal mit der „Foundery - Branch“ genannten tiefen Einbuchtung
zusammenhängt, um diesen zu vermessen. Der Eingang zu diesem, einen aus-
yezeichneten Hafen bildenden und in keiner Segelanweisung bisher erwähnten
Bassin liegt so versteckt, dass Herr v. Schleinitz schon an der Existenz des-