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Veber den Hafen Minatitlan in Mexico.
Durch die Güte des Herrn Professor H. Karsten zu Rostock sind uns nach-
stehende Notizen über den Hafen Minatitlan *) zugegangen, welche der Führer
F. Wilde der Rostocker Bark „Jacob Rothenburg“ dem nautischen Verein zu
Rostock zugesendet hat. Der Capitain Wilde ist im März dieses Jahres in diesem
Hafen gewesen und hat gefunden, dass derselbe hauptsächlich von deutschen
und norwegischen Schiffen besucht wird, aber auch, dass die vorhandenen
Segelanweisungen**) und Karten nur leider sehr wenig und sogar manches Un-
richtige über diesen Hafen enthalten.
Ansegelung. Wenn ein nach Minatitlan bestimmtes Schiff bei der
Ansegelung des Hafens nicht ganz genau den Schiffsort kennen sollte, so ist
anzuempfehlen, östlich des Hafens die Küste in Sicht zu bringen, da nahe dem
Lande grösstentheils der Strom nach Westen zu setzt.. In solchem Falle: muss
man dann längs der Küste steuern, aber dabei sich nicht durch die in der St. Ana-
oder Tonala-Lagune liegenden Schiffe täuschen lassen, sondern nach dem circa
9 Met. hohen Leuchtthurm, dem einzigen sicheren Seezeichen des Goazacoalcos-
Flusses, steuern. Dieser Leuchtthurm steht an der Westküste der Hafenein-
fahrt auf einer kleinen Anhöhe, ungefähr !/2 Seem. westlich des Flusses Gox-
zacoalcos, und muss von den einsegelnden Schiffen in S!/ O0 gebracht werden,
in welcher Richtung man dann die Barre passirt, und den Ankerplatz aufsucht ;
bei dem Passiren der Barre hat man nur zu beachten, dass man von der Strö-
mung nicht versetzt wird. .
Lootsen. Dieselben kommen den Schiffen in offenen Booten entgegen,
aber sobald der Wind frisch ist, dürfen die Schiffe ausserhalb der Barre auf
keine Lootsen rechnen.
Die Barre des Flusses Goazacoalcos liegt auf 18° 12‘ Nord-Br.
und 94° 17‘ West-Länge; bei derselben müssen die einsegelnden Schiffe einkla-
riren und wird dabei sehr streng auf einen Gesundheitspass gesehen. Beim
Abgange erhält man hier gleichfalls wieder einen solchen, für den man vier
Dollars zu zahlen hat; solch ein Pass wird auch selbst ausgefertigt, wenn die
halbe Besatzung am Klimafieber darniederliegt und zurückgelassen werden muss,
Bei dem Verlassen des Hafens ist es häufig schwierig über die Barre zu kommen,
Zu der Zeit der „Norder“ vom September bis incl. April muss man bei einem
Tiefgang von 3.66 bis 3.sı Met. zuweilen wochenlang auf eine Gelegenheit war-
ten, da die „Norder“ in dieser Jahreszeit häufig und heftig wohen und dann tage-
lang noch eine bedeutende See und Dünung steht. In dieser Jahreszeit setzt
die Lahdbrise nur selten ein und ist dann auch noch meistens sehr schwach.
Einsoegelung. Von der Barre nach Minatitlan sind nur 16 englische
Meilen, und erhält man für diesen Weg einen des Fahrwassers kundigen Loot-
sen. Bei nordöstlichen Winden, die hier grösstentheils wehen, kann man alle
Biegungen des theilweise nur schmalen Fahrwassers aufsegeln, und ist letztes
im Allgemeinen frei von Untiefen und ohne Gefahren. Ebbe und Fluth ist von
geringer Bedeutung; alle 24 Stunden tritt nur einmal ein Wechsel ein, da-
bei ist naturgemäss die Ebbe stärker und anhaltender als die Fluth, so dass
man stromabwärts sich vielfach treiben lassen kann. Die landenden Schiffe
liegen im Hauptflusse oder in einem der Nebenflüsse ziemlich sicher. Die Schiffe
müssen entweder an Bäumen festmachen oder sich mit Anker verteien.
Klima. Das Klima ist kein besonders gesundes, denn Fieber herrschen
das ganze Jahr und diese werden den Fremden oft gefährlich. Ausserdem
sind die Fremden auch noch sehr den Moskitos und anderen Insekten ausgesetzt.
Proviant. Mit Proviant müssen. sich die hierher bestimmten Schiffe
reichlich versehen, da die Stauer und deren Leute mit verpflegt werden müssen.
Man kann wohl für den täglichen Bodarf Proviant erhalten, aber Seeproviant
; *) Minatitlan ist der Hauptort des Gebiets von Tehuantepec, im Osten des mexicanischen
Departements Veracruz. .
**) Siehe „The West-India Pilot“ Vol, I pag. 380. London 1872,