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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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Der Fluss hat die ersten 12 Seem. eine allgemeine Richtung nach SWzS, mit 
einer durchschnittlichen Breite von 91 Met., und windet sich bis hierher so 
sehr, dass die gerade Linie nach der Mündung nur 5 Seem. beträgt; von hier weiter 
stromaufwärts fliesst der Strom grösstentheils zwischen Mangrove-Gebüsch hin- 
durch, passirt aber auch einige wenige kahle Landstrecken, die in der Regen- 
zeit sich unter Wasser befinden, bis er ins offene Land hinaustritt, woselbst 
sich am rechten Ufer eine Grasebene 2 Seem. vom Ufer weit ausdehnt bis zu 
einer zwar nicht hohen, aber steilansteigenden Hochebene. 
Hier beginnt auch Ackerbau und findet man hauptsächlich Muhindi oder 
Mais, Muhogo oder Manioc, Mtama oder Hirse und Viazi oder süsse Kar- 
toffeln vielfach angebaut, gemischt mit Kokospalmen und anderen Pflanzen. 
Neunzehn Seemeilen stromaufwärts oder 7 Seem. in gerader Linie von der 
Mündung liegt die Kingwere-Fähre, über welche der Handelsweg von Baga- 
moyo nach Central-Afrika führt. Hier ist der Fluss bei hohem Wasserstande 
37 Met. breit. Ungofähr 2 Seem. oberhalb Kingwere hört der Ackerbau wieder 
auf, da der Fluss dann durch einen Wald strömt, aber das Land bleibt flach 
und die Ufer sind ungefähr 2.4 Met. hoch und steil ansteigend. Allmälig ver- 
engt sich der Fluss bis zu 23 Met. und ist auch voll von Baumstämmen und 
Sandbänken. Etwas höher hinauf mündet dann ein grosser, von Westen kom- 
mender Nebenfluss, der Kangeni, und 10 Seem. weiter befindet sich der Fluss 
an der vorerwähnten Hochebene, woselbst ein steiler, 12 Met. hoher Abhang 
das rechte Ufer bildet. Zwischen diesem Abhang und Kingwere befindet sich 
die höchste Stelle, bis zu der die Fluth reicht. 
Man befindet sich nun in dem Dunga-Distrikt, woselbst der Waze- 
ramo-Stamm lebt; 5 Seem. weiter biegt der Strom nach SWzW um, strömt eine 
kurze Entfernung längs der Hochebene und biegt dann in kurzer Wendung 
wieder um, bis er das kleine Dorf Dunga, welches auf einem Berge liegt, er- 
reicht. Dieses Dorf war der entfernteste Punkt, den dio Boote des „Shear- 
water“ erreichten; dasselbe liegt 35 Seem. stromaufwärts und 15 Seem. in ge- 
rader Linie von der Mündung entfernt. Der Fluss ist hier ungefähr 16 Met. 
breit und hat 1.8 Met. Wassertiefe, 
Am linken Ufer erstreckt sich eine breite Ebene bis zum Fusse eines 
niedrigen wellenförmigen Bergzuges und 8 Seem. vom Ufer entfernt, findet man 
GHiraffen, Zebras, Büffel und die Antilopenart Hartebeest, so wie andere grosse 
Thiere in Menge, besonders während der trockenen Jahreszeit, da dieselben 
dann hier zum Wassertrinken sich einfinden. ; 
Der Kingani -Fluss ist, gleich all den übrigen Flüssen an dieser Küste, 
ungesund, Fieber folgen einem Aufenthalt am Ufer und selbst ein Schlafen in 
den Booten scheint nicht davon zu befreien. 
Die Küste südlich der Mündung des Kingani-Flusses besteht aus Man- 
grove-Gebüsch und erstreckt sich 3 Seem. weit bis Ras Nunge einer mit Man- 
grove bedeckten Landspitze nach SO0'20. Von hier zieht sich dieselbe, die 
nächsten 5 Seem. eine flache Bucht bildend, bis nach Ras Mbegani nach 
50'428 hin. 
In dieser flachen sandigen Bucht liegt die Stadt Bagamoyo, welche 
aur wenige Fuss über dem Meeresspiegel auf einem steilen Ufer erbaut ist. 
Sie ist der bedeutendste Ort an der Küste von Afrika auf eine Entfernung von 
100 und mehr Meilen, aber besteht aus schlecht gebauten schmutzigen Hütten 
und Schuppen und wenigen weissen Steinhäusern, welche den reichen Banyanen 
und Arabern gehören. Die Einwohnerzahl ist auf 3000 angegeben, aber da 
diese Stadt der Sammelplatz aller Central-Afrikanischen Karawanen ist, so muss 
diese Anzahl je nach der Handelszeit verdoppelt, ja selbst verdreifacht wer- 
den. Die Lastträger hierselbst gehören fast alle den Wanyamwezi an, einem 
Stamme, welcher in der Arabischen Ansiedelung Unyanyembe, 350 Seem. von 
der Küste entfernt, lebt. Diese inländischen Neger sind leicht von den Wash- 
enzi und anderen Küstenstänmmen an den langen, wolligen gekräuselten Locken 
und den vielen elfenbeinernen Amulets, welche sie tragen, zu unterscheiden. 
Ein arabischer Gouverneur unterhält eine kleine Truppe Baloch-Soldaten, 
um stets Frieden zu halten und der Gerechtigkeit Nachdruck zu verleihen. 
Engländer, Banyanen und Hindis finden sich stets viel an einem solehen Handels-
	        
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