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bar, nöthigt jedoch die auf der Rhede ankernden Schiffe während des SW-Mon-
suns häufig die geschützten Ankerstellen zwischen den Inseln Tigtauan und
Vilalvilan, ostwärts von Zamboanga, aufzusuchen, Des schlechten Ankergrundes
wegen ankert man am Besten, gegen die Gezeiten nach WNW und OSO ver-
teit, so nahe wie möglich am Lande, quer ab von der Mole oder zwischen
dem Fort und dieser, auf deren Ende ein Hafenfeuer auf einem Holzgerüst
10—11 Met. über Wasser sich befindet. Die Winde waren der Jahreszeit ent-
sprechend, flau von NE bis NW, von Stillen und während der Nacht von Ge-
witterböen mit heftigem Regen unterbrochen. Proviant ist hinreichend und
gut zu haben, besonders wenn man, da hier, wie im Hafen von Isabela, zum
Schlachten von Hornvieh die Erlaubniss des Gouvernements eingeholt werden
muss, die Bestellung frühzeitig macht. Wasser ist in jeder Menge und ohne
besondere Schwierigkeit aus dem von den Bergen durch die Stadt geleiteten
Flüsschen zu haben; doch muss es, da es am Tage zum Waschen und Baden
benutzt wird, des Nachts zwischen 10 Uhr Abends, besser Mitternacht und
5 Uhr Morgens geholt werden. Da es besonders nach Regengüssen viele
pflanzliche und erdige Beimengungen enthält, ist ein Filtern des Wassers vor
dem. Gebrauch sowohl in gesundheitlicher Beziehung, wie auch in Rücksicht
auf die Reinhaltung der Wasserkasten zu empfehlen. Die Gezeitenströmung lief
während unseres Aufenthaltes parallel der Küste, und zwar die Fluth nach
WNW, die Ebbe nach O0SO, erstere mit 0.s bis O.s, letztere mit 0.s bis 1.6 Kno-
ten Geschwindigkeit. Die Dauer jeder Gezeit war, wie die weiteren bezüg-
DE Erscheinungen, unregelmässig; die durchschnittliche Fluthhöhe betrug
1.4 Met.
In den ebenso zahlreichen wie tiefen und vielfach engen Wasserstrasson
der Philippinen sind die Gezeiten-Erscheinungen, wie in Zamboanga, so wenig
beständig und als die Wirkung so mannigfaltiger und gleichzeitig veränderlicher
Ursachen aufzufassen, dass es jahrelanger, sehr sorgfältig angestellter und ge-
sammelter Beobachtungen ungeachtet nicht möglich gewesen ist, aus ihnen ein
allgemeines, dieselben bestimmendes Gesetz abzuleiten. Diese Beobachtungen
werden durch die sogenannte hydrographische Commission der Philippinen ge-
macht und bezüglich Zamboangas konnte nur festgestellt werden, dass sich die
Dauer der Gezeiten nach den Phasen des Mondes zu richten scheint. Zur Zeit
des Neu- und Vollmondes sind die Gezeiten bei Zamboanga zwölfstündlich; zur
Zeit der Quadraturen sechsstündlich und schwanken dem entsprechend die da-
zwischen liegenden. Als allgemeines Ergebniss dieser die Gewässer der Philip-
pinen betreffenden Beobachtungen wurde mir Seitens des früheren Chefs der
genannten Commission nur das als feststehend angegeben, dass zwischen den
Philippinen die nach Süden setzenden Gezeitenströmungen von längerer Dauer
als die nach Norden setzenden, die nach Westen setzenden von grösserer Stärke
als die in entgegengesetzter Richtung laufenden sind. Die unsererseits gemach-
ten, die Inseln der Philippinen betreffenden und im Nachstehenden angegebenen
Beobachtungen deuten darauf hin, dass übereinstimmend mit dem, was über die
Sulu-See gesagt wurde, die aus dem Stillen Ocean kommende Fluthwelle im
Allgemeinen in westlicher Richtung in die ihr sich öffnenden Hauptstrassen
(südlich von Mindanao durch die Basilanstrasse, nördlich davon durch die Su-
rigao- und noch weiter nördlich durch die St. Bernardinostrasse) zwischen die
Philippinen-Inseln eintritt. Die durch die.beiden erstgenannten Strassen eintre-
tenden Wellen werden sich anfangs vereinigend, demnächst auf die Palawan-
Gruppe treffend, sich wieder spalten und den Abfluss südlich und nördlich
suchen. Der südlich umbiegende Zweig der grossen Fluthwelle ist vermuthlich
auch der Grund zu dem, in dem freien nordwestlichen Theil der Sulu-See vor-
herrschend nach Süden gerichteten Strome, während der andere nach Norden
umbiegende Theil die Erklärung für die zwischen den Inseln bis zur Breite der
St. Bernardinostrasse, nach jener Richtung hin setzende Fluthströmung geben
mag. Die der Hauptrichtung der eintretenden Fluthwelle im Wege liegenden
Inseln und besonders die unmittelbar vor der Mündung letzterer Strasse liegende
grössere Insel Masbate ist geeignet, eine Störung in der allgemeinen Richtung und
wohl auch ein Gegeneinandertreffen der Gezeitenströmungen hervorzurufen.
Als eine solche Störung muss die an der Nordküste der Insel Panay nach
Süden setzend, gefundene Fluthströmung nothwendig aufgefasst werden, welche
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