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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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4, Hydrographische Beobachtungen und Wahrnehmungen während der Reise S. M. S. 
„Hertha* von Singapore über Borneo, die Sulu-Inseln und Philippinen bis Hongkong.) 
Von Corvetten-Capitain Knorr. 
Während der Fahrt von Singapore nach Labuan trafen wir nur Winde 
von Stärke 1 aus allen Compass - Richtungen und Stillen an, bei einem 
mittleren Luftdruck von 764 =". und 27°—28° CC, Wärme. - Auf der Strecke 
zwischen Singapore und den Natuna-Inseln wurde kein Strom beobachtet, wäh- 
rend östlich von diesen ein mit 0.s Knoten Geschwindigkeit nach Norden setzen- 
der gefunden wurde. Für diese Reise zu Ende März oder Anfang April lässt sich 
daher zur Vermeidung der Süd-Leuconia (Luconia)- Untiefe empfehlen, von der 
Mitte zwischen den Inseln Gross-Natuna und Soubi bis in Süd von der Leu- 
conia-Untiefe, rechtweisend Ost zu steuern, wobei sich die nach den englischen 
Admiralitätskarten genügend ausgelothete Borneoküste gut anlothen lässt. Von 
letzterem Punkte ist alsdann ein nordöstlicher Kurs längs der Küste zu wählen. 
Wie eben erwähnt; sind die Karten des englischen hydrographischen Amtes 
von der NW-Küste der Insel Borneo zuverlässig und besonders der Theil in 
der Nähe der Insel Labuan zeichnet sich durch Vollständigkeit und Genauigkeit 
aus. Nur lässt die scharfe Zeichnung der Topographie dieser Insel leicht die 
Täuschung zu, als ob deren Nordende gegen das Südende und dadurch die Insel 
überhaupt sich besonders gut aus der Ferne kennzeichnete. Dies ist aber durch- 
aus nicht der Fall; vielmehr erscheint die Insel, aus Westen gesehen, ziemlich gleich- 
mässig niedrig; der Höhenunterschied zwischen jenen am Nordende der Insel 
befindlichen und in der Karte zu höchstens 92 Met. angegebenen Hügeln ist 
gegen die auch auf der südlichen Hälfte vorhandenen nur wenig in die Augen 
fallend. Die Einfahrt von Süden wählend, muss man, wenn man quer ab von 
der Insel Kuraman ist, auf die alsdann im Süden in Sicht kommenden Pelong- 
Klippen zusteuern, bis die Barat-Bank hinreichend passirt ist. Die Einsegelung 
nach der Karte bietet dann weiter keine Schwierigkeiten, da die in jener an- 
gegebenen Seezeichen, obgleich nicht weit sichtbar, doch thatsächlich vor- 
handen sind. Bei dem Verlassen des Hafens durch das nördliche Fahrwasser 
erleichtern fleissiges Lothen und die Peilungen der rückwärts liegenden Inseln 
die Navigirung, An der Westseite dieses nördlichen Fahrwassers, 1.2 Seem. 
von der Mitte-Fahrwasserlinie entfernt, liegt jetzt etwas ausserhalb der die 
Ostseite . der Insel umgebenden 3 Fadenlinie (5.5 Met.), auf ungefähr 5° 18‘ 25“ 
Nord-Br. und 115° 16‘ Ost-Lg., ein Wrack, dessen Unterschiff zum Theil über 
Wasser ist. In seiner jetzigen Lage ist es der Schifffahrt nicht hinderlich. 
Das Aufkreuzen an der Nordwest-Küste der Insel Borneo von Labuan nach 
der Baldbac-Strasse wurde durch die angetroffenen leichten Winde von Nordost bis 
Ost sehr erschwert. Es ist hierfür anzurathen, sich möglichst so einzurichten, 
dass das Schiff gegen Sonnen - Untergang‘ in der Nähe der Küste ist, da die 
alsdann einsetzende Landbrise den Wind östlicher, bis ESE, bringt. Von der 
Insel Labuan bis in die Nähe der Mantanani-Inseln wurde kein Strom beob- 
achtet; jedoch südlich der letzteren, bis nordwärts zur Baldbac-Strasse trafen 
wir einen nach nordwestlicher Richtung mit einer .Seem. Geschwindigkeit 
pro Stunde, setzenden Strom, welcher sich, nachdem die genannte Strasse offen 
war, aus der Sulu-See heraussetzend, mehr nach Westen drehte. Die in der 
Comeeran-Strasse vor Anker gemachten Beobachtungen ergaben nur eine in der 
letztgenannten Richtung setzende Gezeitenströmung von 0.s—0.9 Knoten Ge- 
schwindigkeit,. während an Stelle der Gegenströmung nur Stillwasser eintrat, 
Da die englischen Admiralitätskarten der Baldbac-Strasse auf dem von uns ge- 
nommen Wege sich als durchaus zuverlässig zeigten, darnach zwischen den ein- 
zelnen Inseln — mit Ausnahme der tiefen Stellen in den am nördlichsten ge- 
legenen Fahrwassern der Nord- und der Nasubatta-Strasse — auch überall Anker- 
grund vorhanden ist, so scheint die Durchsegelung derselben keine besonderen 
Schwierigkeiten zu bieten, so lange die Windstärke genügend ist, der Ausfüh- 
rung der Manöver sicher zu sein. Um sich ferner des Vortheils zu versichern, 
die Untiefen durch die hellgrüne Entfärbung der Wassers rechtzeitig erkennen 
_*) S. „India Directory“ von James Horsburgh, Vol. 2, Ausg. Si london 1864. „Nachr, f. 
Seef.“ 1872, No, 216 und 529, „Hydrogr. Mitth,“ 1873, pag, 172, 223 — Qi
	        
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