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4) Der Hafen der Stadt Zebu*) auf der gleichnamigen Insel wird durch
die Inseln Zebu und Mactan gebildet; letztere ist niedrig, bewaldet und mit
einem ' breiten Korallenriff rings umgeben, welches sich von der Südspitze be-
sonders weit seewärts erstreckt und bei Ebbe zwischen seinem äusseren Rande,
der bei Niedrigwasser 0.5; — 1 Met. über der Oberfläche ist, und dem Strande
der Insel eine grosse und von den malayischen flachgehenden Fischerbooten viel-
fach befahrene Lagune bildet. Die am weitesten nach SW vorspringende Spitze
des Riffes ist durch eine weisse Tonne gekennzeichnet, ebenso die Spitze der
Lipata-Bank, zwischen. welchen Tonnen das südliche Fahrwasser zu dem Hafen
von Zebu führt. Die Einsegelung in den Hafen von Zebu ist weiter unten be-
schrieben (s. S. 322).
Ein kleines Fort, welches im Westen der Stadt auf einer in das Fahr-
wasser hineinreichenden Bank errichtet wurde, ist jetzt verfallen und seine Ruine
dient nur noch der Navigirung als gute Landmarke. Hier endete auch am
27. April 1521 der erste Weltumsegler Fernando Magelhaens (oder Magellan
bei den Deutschen ünd Majellanes bei den Spaniern) sein thatenreiches Leben.
An dem Westende der von NO nach der flachen Insel Mactan sich nordwärts er-
streckenden Landzunge bezeichnet ein weithin sichtbares grosses Denkmal von
weissem Stein die Stelle, wo Magelhaens bald nach seiner Landung daselbst im
Kampfe für den ihm befreundeten Fürsten von Zebu gegen dessen eingeborene
Feinde fel.
Die Stadt Zebu ist die älteste der Philippinen und liegt auf einer weiten,
gut bebauten und durch zahlreiche Anpflanzungen geschmückten Ebene, am Fusse
des sich durch die. ganze Länge der Insel (120 Seem.) hinziehenden Höhen-
rückens, und zwar ungefähr in der Mitte ihrer grossen Nord—Süd- Ausdehnung und
etwas südlich von der breitesten Stelle (15 Seem.) derselben. "Trotz der aller-
dings hier herrschenden grossen Hitze — „Hertha“ hatte während der Zeit ihres
Aufenthaltes zu Zebu vom 3. bis 7. Mai 1875 eine Temperatur von 31—32° €.
im Schatten auszuhalten — wird doch‘ der Aufenthalt in Zebu in Folge der
irockenen Umgebung als recht gesund gelobt. Die Stadt ist der Sitz eines
einen Theil der südlichen Philippinen umfassenden spanischen Gouvernements
und zugleich Marinestationsort.
Die hauptsächlich malayische und chinesische Bevölkerung der sehr aus-
yebreiteten Stadt zählt gegen 30,000 Seelen; die Mischrassen der Weissen und
Chinesen mit der malayischen Rasse, die sogenannten Mestizen, bilden einen
grossen und wichtigen Antheil der Bevölkerung, weil sich in ihren Händen der
eigentliche Wohlstand der Insel befindet, während die Kaufhäuser der Weissen
und Chinesen ihre Chefs im Auslande haben. Die Hütten der armen und meist
vom Fischfange lebenden Malayen bilden am Strande den westlichen Theil der
Stadt, während hinter denselben, weiter landeinwärts, wie in den übrigen Rich-
kungen, gute Strassen mit massiven Häusern und Gärten zahlreicher getroffen
werden. Die Stadt besitzt ferner eine sehr schöne, geräumige Kaserne, mehrere
grosse Plätze, zwei grosse schöne Kirchen und ein Lazareth. Der am Hafen
yelegene Stadttheil ist hauptsächlich dem Handel gewidmet, der demjenigen von
HNo-XIlo gleichgeachtet und hierin nur von Manila übertroffen wird.
Die Ausfuhr besteht hauptsächlich aus Zucker, Flachs, Tabak und dem
Gewebe der Ananasfaser; die Einfuhr erstreckt sich auf alle Art europäischer
Artikel, Kohlen und Reis. An diesem Ort wurden nur 4 Deutsche angetroffen,
darunter ein Apotheker; hierbei ist zu bemerken, dass fast alle Apotheker auf
den Philippinen Deutsche sein sollen.
— Am 7. Mai verliess „Hertha“ Zebu, trat über Manila, wo sie vom 13.
bis 17. Mai verweilte, die Weiterreise nach Hongkong an‘ und ging dort am
27. Mai vor Anker.
*) S. „India Directory“ von James Horsburgh, Vol, 2, Ausg. 8, London 1864, pag. 578.
Geogr. Lage nach Raper 1874:
10° 17.5‘ Nord-Br.
123° 57,0 Ost-Lg.