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Betreffs des Passirens der Banka - Strasse in der Sunda-See glaube ich,
nach unsern Erfahrungen und übereinstimmend mit den Angaben der neuesten
Segelanweisungen des Hydrographischen Amtes zu London, mich für die Wahl
des breiteren Stanton - Kanals, gegenüber der früher allein üblichen Lucipara-
Strasse, aussprechen zu sollen. ‚Als Grund ist eben die bedeutend grössere
Breite des ersteren Fahrwassers anzuführen, die für die Navigirung mit einem
tiefgehenden Schiffe, sowie beim Kreuzen um so mehr in’s Gewicht fallen muss,
wenn, was ganz gut angängig, auf die zwar in Anjer zu Gebote stehende, aber
wegen des sich ‘bis Singapore und inel. der Rückkehr erstreckenden Engage-
ments, jedenfalls sehr kostspielige Lootsenhülfe verzichtet wird. Bezüglich der
Navigirung in der ungefähr 130 Seem. langen Banka-Strasse ist besonders dar-
auf aufmerksam zu machen, dass eine gute Deviationsbestimmung des Regel-
compasses, wegen der zahlreich zunehmenden Landpeilungen, von grosser Wich-
tigkeit ist, -— dass die bei der Insel Banka liegenden kleinen Inseln vorzugs-
weise günstig zur Ortsbestimmung zu bezeichnen sind, und endlich, dass auf das
Vorhandensein von keinem der in den Karten enthaltenen und darin nur zum
Theil als zweifelhaft bezeichneten Seezeichen (Baken und Tonnen) gerechnet
werden darf, Von diesen Seezeichen konnte wenigstens kein einziges gesehen
werden.“ .
Am 11. März 1875 ankerte, wie erwähnt, S. M. S. „Hertha“ auf der
Rhede von Singapore.
2. Ueber einige Häfen auf Borneo und den Philippinen.
1) Labuan *), wo „Hertha“ am 30. März eintraf und bis zum 3. April
sich aufhielt, ist eine kleine Insel an der NW-Küste von Borneo und eine eng-
lische Niederlassung, deren augenblicklicher Hauptzweck darin besteht, als Ge-
fängnissort für nicht europäische Verbrecher aus den Colonien zu Hongkong
und Singapore. zu dienen. An dem Nordende der Insel sind Kohlengruben vor-
handen, deren Ausbeute aber nach den vor drei Jahren (1872) von S. M. S.
„Nymphe“ dort eingezögenen Erkundigungen früher bedeutender gewesen sein
MUSS (8. „Hydr. Mitth.“ 1873, pag. 172), als gegenwärtig der Fall ist, Wie
Capt. Knorr bei der Kohlenauffüllung für die „Hertha“ selbst erfahren hat,
können fremde Schiffe auf eine Versorgung mit Kohlen jetzt hier nicht sicher
mehr rechnen. Es fehlen auch die nöthigen Einrichtungen zur Heranschaffung
und zum Einnehmen derselben in grösseren Quantitäten. Die an der Rentabilität
dieser Kohlenproduction entstandenen. Zweifel sind dem Wachsthum dieser Co-
Jonie nicht förderlich gewesen und scheinen den wirthschaftlichen Aufschwung
derselben zu lähmen; und ohne diesen hat die Colonie keine Bedeutung, weder
für den Verkehr, noch selbst für die englische Regierung.
Der Hafen Victoria, in welchem „Hertha“ am 30. März ankerte, bietet
einen guten und geschützten .Ankerplatz; Schiffe bis 5 Met. Tiefgang kön-
nen unmittelbar an der vorhandenen Landungsbrücke anlegen, während Schiffe
mit grösserem Tiefgange (bis 7 Met.) sich allerdings nahe derselben hinlegen,
in Folge der Verengung der tieferen Fahrwasserrinne aber nur schwierig drehen
können. Während des Aufenthaltes der „Hertha“ in diesem Hafen war der
Wind nur schwach und häufig von Stillen unterbrochen; eine regelmässige Land-
und Seebrise wurde nicht beobachtet. Die zwölfstündige Gezeitenströmung war
nur sehr schwach; nur einmal wurde die Fluth mit bemerkenswerther Stärke
nach NNW: setzend gefunden. Die genaue Länge und Breite des Ortes ist
auf einer nahe bei der Flaggenstange (Ramsay - Point) eingegrabenen Stein-
platte angegeben. Wasser und Proviant sind nur in sehr geringen Mengen vor-
N und Kohlen, wie oben erwähnt, nicht mehr in ausgiebiger Weise zu be-
schaffen.
wesen wäre, Andere Schiffe haben ziemlich dieselbe Länge, wie Heywood, gefunden, und Capitain
Robert Torin, Schiff „Coutts‘‘, bestinimte die geographische Länge nach Mondhöhen im Jahre
1800 zu 9° 46‘ West, % A. d. R.
- 522 S. „India Directory“ von James Horsburgh, Vol, 2, Ausg, 8, London 1864, pag. 522,
Geogr. Lage nach Raper 1874:
5° 16.5‘ Nord-Br.
1159 15.1‘ Ost-Leg.