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1. Reise S. M. S. „Hertha“ von Rio de Janeiro bis Singapore, vom 5. Januar
bis 11. März 1875,
Aus dem erwähnten Berichte des Commandanten S. M. S. „Hertha“, Corv.-
Capitain Knorr, über die Reise von Rio de Janeiro bis Singapore theilen
wir nachstehende hydrographische Notizen dem Wortlaute nach mit.
„Der gewählte Weg (zwischen Rio de Janeiro und Singapore) schloss
sich möglichst der grössten Kreislinie an, wodurch die Länge des Weges im
südlichen Theile um einige hundert Seemeilen abgekürzt wurde. Dieser Ab-
kürzung ist es wohl hauptsächlich zuzuschreiben, dass die Reise von Rio de
Janeiro nach der Sunda - Strasse in 55 Tagen gemacht werden konnte, da der
Wind die Reise durchaus nicht begünstigte. Anfangs, an der brasilianischen
Küste, fanden wir in den ersten 8 Tagen bis 33° Süd-Br. und 38° West-Lg.
nur Stille und leichte südwestliche Brise; später im Süden trafen wir nicht die
gzehofften stetigen Westwinde, sondern es wechselten vom 18. Januar bis Mitte
Februar Sturm und Stille mit einander ab. Der Wind machte gewöhnlich inner-
halb 6 Tagen eine volle Drehung um den Compass, und zwar mit Uebersprin-
zung des Südost-Quadranten, und war der gewöhnliche Verlauf folgender: Der
Wind sprang auf aus ENE, mit Stärke 5 bis 6, und drehte sich an Stärke zu-
nehmend und mit fallendem Barometer, innerhalb 1% bis 2 Tagen bis Nord,
wehte aus dieser Richtung ungefähr 24 Stunden lang mit Stärke 10 und ging
dann mit weiter fallendem Barometer bis NW, wobei der niedrigste Barometer-
stand und Windstärke 7 vorherrschte. An demselben Tage drehte der Wind,
schnell abflauend, mit steigendem Barometer durch West nach SW, von wo ab
die Windstärke wieder zunahm, bis der Wind, bei grösserem Luftdruck, am
nächstfolgenden Tage aus südlicher Richtung mit Stärke 10 wehte. Diesem
gleichfalls 24 Stunden anhaltenden Sturme folgte mit stehendem oder bereits
fallendem Barometer 8 bis 12 Stunden Stille, worauf mit weiter fallendem Baro-
meter wieder aus ostnordöstlicher Richtung der Wind von Neuem die Drehung
begann.
Der Südost-Passat, den wir Mitte Februar bereits in 32° Süd-Br. und
834° Ost-Lg., aber leider sehr östlich antrafen, war sehr stark, und der Nordwest-
Monsun, welchen wir auf ungefähr 10° Süd-Br. trafen, wurde beim Eingang in
die Sunda-Strasse bereits so flau, dass das Schiff kaum dem Ruder gehorchte.
Am 20. Januar gegen 9 Uhr Abends kam die Insel Gowgh in Sicht. Lei.
der war es bereits ziemlich dunkel und die ersichtlich sehr hohe Insel bis auf
circa 30 Met. über der Wasserfläche ganz in Wolken gehüllt, so dass über Höhe
und Aussehen derselben nichts festgestellt werden konnte.
S. M. S. „Hertha“ lief in ungefähr 1.s bis 2 Seem. Abstand längs der
Südwest-Seite der Insel mit einem Kurs rw. SO*/4S, so dass diese Richtung als die-
jenige der südlichen Küste der Insel angenommen werden kann, und wurde die
Länge derselben nach den Peilungen auf ungefähr 6.5 Seem. bestimmt. Wäh-
rend in der Segelanweisung von Rosser und Imray (pag. 182) angegeben ist,
dass nur an der nordöstlichen Seite der Insel sich zwei Felsen befinden, schie-
nen uns an den beiden Enden der Insel hohe Klippen zu liegen. Nach den
an Bord S. M. S. „Hertha“ angestellten Beobachtungen liegt die westlichste Spitze
dieser Insel in 40° 16.2‘ Süd-Br. und 9° 50.s‘ West-Lg. und die Mitte der Insel
in circa 40° 17.7‘ Süd-Br. und 9° 45.4‘ West-Leg. *)
*) Nach Raper (1874) ist diese Insel 5 Seem. lang, 1337 Met. hoch, und die Nordspitze
liegt in 40° 19’ Süd-Br. und 9° 44‘ West-Lg. Dieselbe Position giebt Horsburgh, „India Di-
rectory“, Part. I von Taylor 1874, pag. 59, und „The African Pilot“, Part. II, London 1868,
pag. 176, an, Nach der Connaissans:e des Temps 1875 soll diese Insel nach Heywood, 1836,
in 40° 19’ 30” Süd-Br. und 9° 45‘ 30“ West-Lg. liegen.
In „The Sailing Directory“ von A. G. Findlay, 5, Ausg., 1867, pag. 223, ist über diese
Insel u, A. folgendes gesagt: Diese Insel scheint zuerst von den Portugiesen entdeckt und Diego
Alvarez benannt worden zu sein, aber im Jahre 1731 hat Capitain Ch. Gough, Schiff „Rich-
mond‘“, die Insel gesehen und seitdem erhielt sie den Namen Insel Gough, Capitain Heywood
besuchte diese Insel mit dem Schiffe „Nereus“ am 8. Januar 1811 und bestimmte die geographische
Länge derselben zu 9° 45‘ West, Das Mittel von Observationen von 9 anderen Schiffen ergiebt
aber für die Mitte der Insel 40° 19‘ 30“ Süd-Br. und 9° 41‘ 15“ West-Lg.; Capt. Broughton
bestimmte die Lage der Insel im Jahre 1795 zu 40° 19’ Süd-Br. und 9° 27 bis 9° 30‘ West-Lg.,
bemerkt aber bei seiner Angabe, dass der Horizont zur Zeit der Beobachtungen nicht klar ge-