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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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proben bestimmt werden soll und das Leben von Hunderten von Menschen 
von einer darauf gegründeten Aenderung der Kursrichtung abhängt, so wird 
nicht bezweifelt werden können, dass diese Angelegenheit die grösste Beach- 
tung verdient. 
Es ist eine alte Annahme in der Geologie, dass Meeresbedeckung und 
Neubildung in einer Periode als gleichbedeutend anzusehen seien, wonach also 
in dieser Periode auf dem vom Meere bedeckten Boden überall nur Ablagerungen 
angehäuft sein sollen. Die genannte Annahme ist aber nicht richtig, oder nur 
zum Theil richtig, indem auf dem Meeresgrund cbenso gut Bezirke der Zerstörung, 
solche, wo alte geologische Formationen direct vom Wasser bedeckt werden, 
angenommen werden müssen, neben jenen anderen, auf welchen neue Materialien 
abgelagert werden. Die Zerstörung alter Formationen auf dem Meeresgrund und 
an den Küsten giebt grossentheils das Material her, welches umgelagert und zu 
Neubildungen an anderen Stellen verwendet wird, Die Veränderlichkeit des 
Meeresgrundes kann demnach sowohl dadurch begründet sein, dass wechselnd 
Ablagerungen von verschiedener Zusammensetzung nach einander orfolgen, wie 
dadurch, dass die Zerstörung alter geologischer Formationen von in dünnen 
Schichten abweichendem Bestand verschiedenartige Ablagerungen aus früheren 
Epochen nach und nach an die Oberfläche des Meeresgrundes bringt. Nament- 
lich bei gewissen Schichten älterer Ablagerungen‘ treten hier eigenthümliche 
Combinationen auf. Nicht selten ist auch das Verhältniss so, dass nur die feine- 
ren Theile älterer Sedimentbildungen vom Meere fortgeschwemmt werden und 
an Ort und Stelle nur die groben Steine und Gerölle derselben (z. B. Geschiebe 
und Gerölle des diluvialen Geschiebemergels in der Ostsee und Nordsee) liegen 
bleiben. Wenn diese letzteren gross genug sind, um den dynamischen Einwir- 
kungen des Wassers hinreichenden Widerstand entgegensetzen zu können, 80 
geht aus dieser Zerstörung und Verschwemnmung ein gleichbleibender Meeres- 
grund hervor, und es scheint, dass einzelne Untiefen der Nordsee mit Kies und 
Steinen in dieser Weise erklärt werden müssen. 
Aus dem Angegebenen ergiebt sich, dass sowohl der gleichbleibende wie 
der veränderliche Mecresgrund schr verschiedene Ursachen haben können, und 
dass auch dann, wenn an gewissen Punkten die gegenwärtigen dynamischen Ein- 
flüsse wechseln, doch eine Veränderlichkeit im Bestande des Meeresgrundes nicht 
ausgeschlossen ist. Entgegengesetzt ist es allerdings, wenn die dynamisch-phy- 
sikalischen Einflüsse gegenwärtiger Neubildungen als gleichbleibend oder gerin- 
gen Schwankungen unterworfen zu betrachten sind und der Meeresboden wird 
dann fortlaufend nur gleichartige Bildungen und denselben Bestand aufweisen 
können. Ist es gestattet, diese nach mechanischen und biologischen Factoren 
constanten Ablagerungsbezirke des Mecres als Isodynamische Bezirke zu be- 
zeichnen und ist man im Stande, die dafür im cinzelnen Falle charakteristischen 
Verhältnisse naturgesetzlich genau zu bestimmen, so erhält man in ihnen be- 
stimmte Abtheilungen des Mecresbodens, welche in der Gleichartigkeit des Bestan- 
des eine einigermassen sichere Grundlage für die bezügliche Kartographie abgeben. 
In seiner Allgemeinheit in’s Auge gefasst, würde der Meeresboden hier- 
nach in folgende Abtheilungen einzutheilen sein: 
1) Der Meeresgrund besteht aus alten geologischen Formationen, welche 
in der Zerstörung begriffen sind, oder deren Residua an Ort und Stelle liegen 
geblieben sind und der weiteren Zerstörung Widerstand zu leisten vermögen. 
Im letzteren Falle und wenn die Formation dieselben Ablagerungen in grösserer 
Mächtigkeit enthält, so bleibt auch der Meeresboden gleichartig. Besteht die 
Formation aus wechselnd schr verschiedenen Schichten, so ändert sich entspre- 
chend durch die Verschwemmung dieser ‚Schichten auch der Meeresgrund, Be- 
ruht die Veränderung der auf dem Meeresgrunde eventuell auftretenden Gesteine 
wesentlich auf chemischer Zersetzung, so ist das Product derselben je nach der 
Natur des Gesteins zu beurtheilen. 
2) Der Meeresgrund ist in der Neubildung begriffen und besteht aus 
gegenwärtigen Ablagerungen. Dieselben sind: 
a. in ihrer Zusammensetzung fortlaufend wesentlich gleich, oder 
b. zeigen im Laufe der Zeit eine gewisse Verschiedenheit des Bestandes. 
Der Grad derselben ist entscheidend, wie weit darauf bei der Kartographie 
des Meeresgrundes Rücksicht genommen werden muss,
	        
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