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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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zahlreicher Kräfte und pecuniäre Opfer erfordern, um an vielen Punkten der 
Erde einen gewissen Grad von Genauigkeit und praktische Resultate zu er- 
langen, es nehmen daran auch die: seefahrenden Nationen der ganzen Erde 
Theil und es ist durch die internationale wissenschaftliche Arbeitstheilung, mit 
bestimmt verabredetem Plan, deren Nothwendigkeit bereits in dem früheren 
Artikel betont worden ist, auch weit rascher ein Erfolg zu erwarten. Es ist dies 
um so mehr der Fall, je mehr es gestattet und Veranlassung vorhanden ist, einzelne 
wichtige und besonders häufig gefahrbringende Meeresdistricte zunächst mög- 
lichst gründlich wissenschaftlich zu untersuchen und die dadurch gewonnenen 
Resultate nach ihren praktischen Consequenzen für das Seewesen soweit zu ver- 
folgen, als dies nur irgend möglich ist. Der District der Scillyinseln mit seinen 
Gefahren für die zwischen dem Canal und Nordamerika segelnden Fahrzeuge 
bietet zunächst eine solche Aufgabe, wobei man rasch an’s Werk gehen und 
nicht nachlassen sollte, bis man möglichst klare praktische Ergebnisse gewonnen, 
resp. ersehen hat, wie weit dieselben hier erzielt werden können. Die Con- 
centration gewisser Untersuchungen auf bestimmte Punkte verspricht hier zu- 
nächst weit werthvollere Resultate, als die der Fläche nach zu grosse Ausdeh- 
nung derselben. 
Eingehende und länger fortgesetzte Untersuchungen dieser Art haben 
überhaupt erst zu ergeben, in wie weit der Meeresboden für nach geographischer 
Breite und Länge genau bestimmte Stellen als constant in seiner Zusammen- 
setzung anzusehen ist und innerhalb welcher Grenzen dieselbe schwankt, event. 
welche Veränderungen hier periodisch oder in unbestimmten Zeiträumen vor 
sich gehen. - 
Die kartographische Darstellung des Meeresbodens geht im Wesentlichen 
davon aus, dass der Meeresgrund bestimmter Punkte in seiner Zusammensetzung 
wesentlich als constant angesehen werden muss. Geologische Thatsachen drän- 
gen aber naturgemäss darauf hin, zu fragen, wie weit diese Voraussetzung als 
richtig zu bezeichnen ist. Bereits in dem früheren Artikel sind bestimmte That- 
sachen des Gegentheils mitgetheilt und man . gelangt hier, wenn man diesen 
Fragen weiter nachgeht, mehr und mehr zu der Ueberzeugung, dass es zunächst 
nothwendig ist, zu prüfen, wie weit das angenommene Fundament der jetzigen 
Kartographie des Meeresgrundes als richtig, wie weit als falsch oder hypothe- 
tisch aufzufassen ist, welches Vertrauen also die Meeresgrundproben im Einzelnen 
verdienen, von deren Beachtung bei der Schifffahrt event. die Vermeidung von 
Unglücksfällen bedingt wird. Es ist bereits mit Bezug auf geologische Er- 
scheinungen hervorgehoben, wie voraussichtlich viele Distriete der oben erwähnten 
Annahme entsprechen, aber ebensowenig wird nach den geognostischen La- 
gerungsverhältnissen älterer Meeresbildungen bezweifelt werden können, dass 
an manchen: Stellen die vorausgesetzte Constanz nicht vorhanden ist und eine 
gewisse Verschiedenheit im Vorkommen periodisch oder unregelmässig der Zeit 
nach zu erwarten ist. Um ein Beispiel aus der Geognosie hier heranzuziehen, 
so zeigt die Formation des sog. Buntsandsteins, dass die hierher gehörigen Ab- 
lagerungen häufig aus einem vielfachen Wechsel von thonigen und sandigen 
Schichten bestehen, und ähnlich ist es in anderen Formationen nicht selten der 
Fall. Entgegengesetzt findet man in sehr vielen Fällen, dass die Ablagerungen 
in langen Perioden und bis auf grosse Tiefe einen hohen Grad von Gleichartig- 
keit gehabt haben; es ist sogar bewunderungswürdig, wie geringe Verschieden- 
heiten in einzelnen Perioden über grosse Theile der Erde vorhanden gewesen 
sind. Da Untersuchungen über den Meeresgrund und dem gemäss ihre kartogra- 
phischen Eintragungen bis jetzt überhaupt meist fehlen oder ungenügend sind, so 
ist analytisch bis jetzt meist nicht zu erweisen, wie weit in der Gegenwart der 
Meeresboden als constant oder in der Zusammensetzung wechselnd anzusehen 
ist, und wenn auch die praktische Benutzung der Meereskarten ergiebt, dass die 
Veränderlichkeit in sehr vielen Fällen keine, erheblich merkbare ist, so weisen 
doch die mitgetheilten Thatsachen darauf hin, dass es wünschenswerth, ja noth- 
wendig ist, durch eine längere Zeit fortgesetzte Untersuchung festzustellen, wo hier 
in Wirklichkeit eine zuverlässige Grundlage für die Kartographie des Meeres- 
bodens vorhanden ist, wo ein Wechsel und eine gewisse Veränderlichkeit ange- 
deutet werden müsste. Wenn in einzelnen Fällen der Kurs der Schiffe mit 
Bezug auf die Ergebnisse der Lothungen und die Natur der Meeresgrund-
	        
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