20
Sitz eines Militairgouverneurs im Range eines Brigadiers, eines Civilgouverneurs
und eines Bischofs.
An der Wasserseite der Stadt erstrecken sich Kais. Der eine, an dem
Theile des Hafens, der Ost— West läuft, ist von Stein und gestattet nur
kleineren Fahrzeugen das Anlegen bei Hochwasser, bei Niedrigwasser fallen die
Schiffe trocken. In der stattlichen Häuserreihe an diesem Kai befinden sich
die Büreaus des Hafenkapitains, der Sanitätsbehörde und des Zolls. Nachdem
die Bucht eine Richtung von NW nach SO angenommen hat, wird sie von einem
hölzernen Kai begrenzt, der durch Schienenstränge mit dem nahen Bahnhofe
verbunden ist. An ihm können grosse Schiffe laden und löschen. Die Magazine
und Waarenlager der Kaufleute liegen hier.
Proviant ist in Santander ungefähr zu demselben Preise wie in England
zu haben. Frischer Proviant ist bis auf Schweinefleisch, welches einen sehr
hohen Preis hat, käuflich. See-Proviant ist bis auf Salzfleisch und gelbe Erbsen
in allen Quantitäten und zu angemessenen Preisen zu haben. Ausser in Pasages,
wo die Regierung noch kleine Vorräthe besitzt, sind nur hier Kohlen zu haben
and zwar zum Preise von 230 Realen pro Tonne. Frisches Wasser giebt es im
Sommer nur wenig, es muss gekauft werden, auch ist es schlecht, so dass es
an die Mannschaft nur mit einem Zusatz von Thee verausgabt wurde.
Der Hafen ist von allen Seiten durch Berge gegen Winde geschützt.
Die grosse Bucht ist durch Sandbänke, welche bei Niedrigwasser trocken fallen,
beinahe ausgefüllt. Zwischen diesen Bänken befinden sich zahlreiche Wasser-
rinnen. Das Hauptfahrwasser zieht sich von Puerto Point in westlicher Rich-
tung hin, seine Breite beträgt 1!%—3 Kblg., seine Tiefe 7.s bis 11 Met. Zwei
Tonnen bezeichnen den Anfang der Bänke. Die kleinen Inseln Horrodada und
Latorre bezeichnen ungefähr die Entfernung, in welcher man sich vom Lande
halten muss, da innerhalb derselben Steine liegen, die zum Theil bei Niedrig-
wasser sichtbar werden. Bei der Stadt nimmt das Fahrwasser zuerst eine süd-
westliche, dann eine südliche Richtung an, wird schmaler, und die Wassertiefe
sinkt allmälig bis auf 5.5 Met.; mit dieser Tiefe erreicht es die Insel de Lazareto.
An der Stelle, an welcher die westliche Richtung in eine südwestliche übergeht,
springt die Bank del Bergantin ziemlich weit hervor; ihre Lage ist durch 3 Ton-
nen gekennzeichnet.
Der Ankergrund ist überall gut und besteht aus Sand. Des schmalen
Fahrwassers wegen muss mit beiden Ankern geankert werden, man giebt dem
einen, vor welchem das Schiff in einem Südsturme liegen würde, mehr Kette als
dem andern, da dieser Wind der gefürchtetste ist.
Gezeiten. Ebbe und Fluth laufen im Hafen sehr stark (an einigon
Stellen 4—5 Seem. in der Stunde). Die Fluthhöhe bei Springzeit beträgt 3.7 Met.
Diese starken Strömungen bringen oft Veränderungen in der Gestaltung der
Sandbänke hervor, daher sind die älteren Karten nicht mehr ganz zuverlässig.
Klima. Häufiger Regen und vorherrschende starke nördliche und west-
liche Winde bezeichnen das Klima von Santander. Es ist eine Eigenthümlich-
keit, dass die Winde im Hafen stets westlicher, resp. südlicher sind als in See.
NO-Wind ist gewöhnlich schwach und bringt klares Wetter. Südwind ist im
Winter sehr gefürchtet, weil er sich häufig bis zum Sturme steigert. Es ist dann
auch kein Verkehr mit dem Lande möglich, weil ein hoher Seegang auf die Kais
steht.
Ansegelung. Von See und von Osten längs der Küste kommend, ist
die Lage von Santander leicht durch die scharf ausgeprägten Formen des Berges
von Santo%a und die drei einander nahe liegenden Caps Quejo, Ajo und Quintres
zu erkennen; von Westen her ist jedoch nur die sandige Küste vom westlichen
Abhange des Linires Hügels an unterscheidbar. Diese Küstenformation ist sonst
an dieser Küste selten bemerkt. Das hohe Hinterland ist zur Positionsbe-
stimmung unbrauchbar, da cs sich überall gleicht und selten klar ist. Kommt
man dem Hafen näher, so treten die das übrige Vorland überragenden Umrisse
von Cap Mayor mit einem Leuchtthurm von 31.1 Met. Höhe, der weisse Sand-
strand Arenal del Puntal (der längste derartige Strand an dieser Küste) und die
Felseninsel Mowro mit einem 17 Met. hohen Leuchtthurm hervor. Auch der
durch seine Kegelform und dunkele Bewaldung ausgezeichnete Monte Cabado ist
eine Landmarke für Santander.