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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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Die Insel Zanzibar, ihre Natur, Klima und Küstenbeschreibung. 
(Schluss von Seite 264.) ; 
Mit einer Karte nebst Plan von der Stadt Zanzibar. 
Die Stadt Zanzibar, von den Eingeborenen Unguja genannt, ist haupt- 
sächlich auf niedrigem Lande erbaut, welches von der Insel nach West etwas 
hervorspringt und in einer abgerundeten sandigen Spitze Ras Shanganı endet. 
Sie ist schon von grösserer Entfernung (6—10 Soc) her leicht sichtbar, mag 
man von Norden, oder von Süden her kommen, da die Häuser der Stadt alle 
blendend weiss sind. Die grösseren Gebäude sind alle längs der Küste mit der 
Front nach Norden gebaut. Der Palast des Sultans (No. 6 des Cartons) liegt 
in der Mitte dieser Häuserfront und zeichnet sich durch seine Grösse und durch 
die rothe Flagge auf einer hohen Flaggenstange aus. Südwestlich von diesem 
Palaste erblickt man die niedrigen Thürme des alten Forts (No. 5 des Cartons) 
über einer kasemattirten Hafenbatterie mit 32-Pfündern. Zu beiden Seiten dieses 
Palastes und Forts liegen die Häuser der europäischen Kaufleute und Consuln. 
Auf der hervorragenden Spitze von Shangani ist das grosse Gebäude des 
englischen General-Consulates, früher das Haus der britischen Central-Afrikani- 
schen Missions-Anstalt (No. 1 des Cartons). 
Nach der neuen brit. Admiralitäts-Karte No. 665, von welcher der beifolgende 
Plan der Stadt Zanzibar eine Copie ist, liegt das Gebäude in 6° 9‘ 43“ Süd-Br., 
and 39° 14‘ 22“ Ost-Lg. Die Methode der Herleitung dieser Ortsbestimmung ist 
aber im Texte (Hydrogr. Notice 16) nicht angegeben; sie scheint indessen auf 
einer nicht genauen Reduction der überdies falschen Position des Forts von 
Zanzibar zu beruhen, weiche auf Grund der unter der Leitung vom Capitain 
W. F. W. Owen im Dezember 1823 gemachten englischen Vermessungen und 
Ortsbestimmungen auf der Insel Zanzibar zu 6° 9‘ 36“ Süd-Br. und 39° 14‘ 33“ 
Ost-Lg. (s. alte brit. Admir.-Karte No. 665) bestimmt und bisher in fast allen 
geographischen Ortsverzeichnissen und Spezialkarten als richtig angegeben ist 
(selbst in der neusten Auflage von Raper v. J. 1874), Nun gehört aber die 
Stadt Zanzibar zu denjenigen Küstenpunkten der Erde, deren Lage, nament- 
lich die Länge auf Veranlassung des Bureau des Longitudes in Paris von fran- 
zösischen Marine-Offizieren und Ingenieur-Hydrographen durch Beobachtungen 
von Sternbedeckungen und besonders von Durchgängen des Mondes durch den 
Meridian des betreffenden Ortes genau bestimmt worden ist (s. Hydrogr. Mitth. 
1873, pag. 26). 
Vom 6. Oktober bis 14. November 1867 hat der damalige Unter-Ingenieur- 
Hydrograph der kaiserl.-französischen Marine Germain auf seinem, 250 Met, 
nördlich von den Häusern der Stadt dicht bei dem Minaret U 8 des Car- 
tons) zu diesem Zwecke errichteten Observatorium 23 Reihen Meridianbeobach- 
tungen des Mondes angestellt und aus ihnen ist mit Genehmigung der Com- 
mission des „Bureau des Longitudes“ die Länge dieses Punktes von Zanzibar 
hergeleitet zu 2* 27m. 27,5 5°. oder 36° 51‘ 52.5“ östlich von Paris, und dies 
giebt Observationspunkt von Germain 39° 12‘ 1.s“ Ost-Lg. von Greenwich, 
Die Breite dieses Punktes hat Germain aus Meridian-Höhen mehrerer Sterne 
in der Nähe des Zeniths gefunden zu 6° 9‘ 30.1“ (s. Conn. des Temps 1871 addit., 
pag. 34—48). Auf diese Bestimmung reducirt, hat das „Bureau des Longi- 
tudes“ den Meridian des Forts von Zanzibar (No. 5 des Cartons, 17 Bogen-Sec, 
westlich und 14 Bogen-See. südlich vom Öbservationspunkt) als einen der 
Fundamentalmeridiane erklärt und seit 1873 auch als solchen in das Verzeichniss 
der geographischen Positionen aufgenommen. Die Engländer scheinen aber 
bisher diese Angabe nicht gekannt oder wenigstens nicht-beachtet zu haben, 
obgleich der Unterschied der Länge in Bogen 2‘ 46” und in Zeit 11 Sek. be- 
trägt, wonach die Angaben auf der Karte, die wir nach der englischen Original- 
Karte reproducirt geben, sämmtlich um 2‘ 46“ zu weit nach Osten liegen, als 
es in Wahrheit der Fall ist, da die französische Bestimmung das vollste Zu- 
frauen verdient. 
Nachstehende Angaben der richtigen französischen Positionen und der 
falschen, von den Engländern aber noch jetzt als richtig angenommenen, mögen
	        
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