Nordatlantik
werden diese Daten durch die seit 1988 zweimo
natlichen wirbelauflösenden XBT-Messungen
entlang der WOCE-XBT-Linie AX3 zwischen dem
Westausgang des Kanals und den Neufundland
bänken.
Langfristige Variabilität der Deckschicht
Der durch den Jahresgang der atmosphäri
schen Wechselwirkung beeinflußte obere Kilome
ter (Deckschicht) im nördlichen Nordatlantik ist
gekennzeichnet durch eine hohe raumzeitliche
Variabilität, bedingt durch die von Mäandern,
Strombändern und Wirbeln geprägten Transport
fluktuationen des Systems Golfstrom-Nordatlan
tischer Strom, als auch durch winterliche Konvek
tionsprozesse. Zur Erfassung der Variationen in
dieser sog. Warmwassersphäre diente das seit
Mai 1988 mit Unterstützung der Reederei Hapag-
Lloyd durchgeführte Frachtschiffsprogramm. Die
insbesondere für Langzeituntersuchungen typi
schen Vorteile von Frachtschiffsprogrammen, wie
z. B. relativ geringe Material- und Personalkosten,
konnten dadurch voll genutzt werden. Mit Hilfe
von Einweg-Temperatursonden (XBT) lieferte das
CMS Köln Express über 10 Jahre lang engab
ständige Temperaturmessungen aus dem ober
sten Ozeankilometer in einem bis zu 400 sm brei
ten Meßstreifen zwischen Kanal und den Neu
fundlandbänken.
Über 120 transatlantische Temperatur
schnitte erlauben die Abschätzung der saisonalen
bis interannualen Schwankungen des Wärmein
halts der Wassersäule der oberen 750 m im Re
gime des Nordatlantischen Stromes. Das ist der
zentrale Bereich des Nordatlantiks, der durch den
Transport warmen Wassers subtropischen Ur
sprungs und der Abgabe von Wärme an die At
mosphäre ganz wesentlich das Klima Mittel- und
Nordeuropas bestimmt. Danach ergibt sich für
diese klimatische Schlüsselregion aus der
10jährigen Meßreihe eine vorherrschende lang
fristige Variabilität im Periodenbereich von 4-5
Jahren. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt herrscht
eine Warmphase vor und damit eine Phase po
tentiell höherer Wärmeabgabe des Ozeans an die
Atmosphäre (Abb. 32). Messungen dieser Art
sind geeignet, frühzeitige Hinweise auf Klima
schwankungen in Europa zu liefern.
Die schnelle Ausbreitung des Labrador-See-
Wassers in mittleren Tiefen
Die entgegen bisheriger Annahmen beob
achtete hohe Veränderlichkeit auch im mittleren
Stockwerk des Nordatlantiks ist ein weiteres Er
gebnis des Meßprogramms. Dabei handelt es
sich um die überraschend schnelle Ausbreitung
neu gebildeten Labrador-See-Wassers (LSW)
über den gesamten nördlichen Nordatlantik, er
kennbar als Störung der hydrographischen Ver
hältnisse im Tiefenbereich zwischen 1000 m und
2500 m. Die extrem hohe Produktion und schnelle
Ausbreitung dieses LSW ist das herausragende
ozeanographische Großereignis im Nordatlantik
der letzten 10 Jahre.
Die im späten Winter bis über 2000 m tiefrei
chende Konvektion in der Labradorsee verur
sacht die Bildung des homogenen LSW, eine der
Hauptwassermassen des Nordatlantiks. Neue
Untersuchungen belegen die enge Kopplung der
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