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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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durchschnittlich 207 Seem. den Tag durchlief, wobei sie zwischen 41° und 
42° Nord-Br. im grössten Kreise segelnd den 40. Parallel in 170° West-Lg. 
schnitt. 
Der zwischen 38° und 42° Nord-Br. vorherrschend wehende westliche 
Wind wurde indessen mehrmals durch südliche und südöstliche Winde von kur- 
zer Dauer unterbrochen, wobei jedoch das Barometer keinen sicheren Anhalt 
gewährte. Dasselbe stieg cinige Male bei dem Einsetzen des südlichen Windes, 
aber auch, als am 21. April der Wind dauernd aus WNW wehte und an Stärke 
bis zu 8—10 zunahm. Im Allgemeinen kann man jedoch in diesen Gegenden 
bei fallendem Barometer auf Westwinde und bei steigendem Barometer auf süd- 
liche und südöstliche Winde rechnen, 
Vom 23. April an kam „Arcona“ in die Region der unbeständigen Winde 
oder dor Calmen oberhalb der Passate, fand aber dort gar keine Stillen, son- 
dern ziemlich heftige Südsüdost- und Südostwinde mit hoher Sec, Am 27. April 
setzte der Nordost-Passat zwischen 31° uud 32° Nord-Br. ein. 
Das Wetter war beinahe während der ganzen Reise von Yokohama nach 
Honolulu ein äusserst ungünstiges; im Kuro-siwo andauernd Nebel und Regen 
und ausserhalb desselben fast fortwährend Regenwetter, sowohl bei westlichen 
als auch bei südlichen Winden. Vom 8. bis 26. April waren nur 5 regenfreie 
Tage; erst am 26. April hörten die Regenböen auf und das dem Passat ent- 
sprechende bessere Wetter trat mit diesem Tage‘ ein. Nach den Wind- und 
Stromkarten soll in den Grenzen des Passates mitunter der Wind schwach aus 
Südost wehen; nach den Erfahrungen der „Arcona“ fand dies erst südlich von 
25° Nord-Br. statt. 
Am Nachmittage des 30. April ankerte S. M. S. „Arcona“ auf der Rhede 
von Honolulu. Sie blieb dort bis zum 12. Mai und trat dann die Weiterreise 
nach San Francisco an. Die von Freiherrn v. Reibnitz über Honolulu und 
die Hawaii-Inseln eingesendeten Notizen theilen wir in dem dritten Abschnitte 
dieses Artikels im Auszuge mit (s. S. 276). 
Schon in der Nacht vom 12. zum 13. Mai setzte der Passat ein und hielt 
bis zum 17. Mai an; an diesem Tage hörte er in 32.5° Nord-Br. und 161.7° 
Ost-Lg. auf: der Wind drehte nach Ost und Ostsüdost und wurde ganz flau; 
das Barometer stieg (uncorrigirt) bis 777 mm. Vom 18, Mai ab wurde der 
Wind veränderlich und wechselte bis zum 23. Mai von Süd bis Nordnordwest. 
Am 21. Mai 4 Uhr Nachmittags passirte „Arcona“ in 36° 45‘ Nord-Br. und 
155° West-Lg. viele Tausende rundliche Gebilde, die sich bei näherer Unter- 
suchung als eben so viele Individuen einer Cirripedenart erwiesen, welche 
unter dem Namen Entenmuscheln oder Seepocken bekannt sind. Sie finden sich 
sonst nur entweder als einzelne Exemplare oder in grosser Anzahl vor als 
Bewachsungen von Schiffen oder Balken, welche längere Zeit in der See ge- 
trieben haben. Hier aber waren sie mittelst ciner fleischigen Masse, an deren 
Mitto sie festsassen, zu einem einzigen Körper vereinigt. Jedes der zahllosen 
Individuen schied durch seinen Stiel einen Theil Luft in die Mittelmasse aus, 
welche einer aufgeblasenen Lunge glich und die ganze zusammenhängende 
Masse an der Oberfläche schwimmend erhielt. An diesem und den folgenden 
Tagen trieb oine grosse Anzahl des Papier-Nautilus (Argonauta Argo) bei dem 
Schiffe vorüber, von denen einige Exemplare gefischt wurden. 
Die Stromversetzung betrug zwischen 36° Nord-Br. 159° Ost-Lg. und 
39° Nord-Br., 150° West-Lg. in 24 Stunden: 
Mai 
» 
3 
20 N 62° O 6.5 Seem. 
21 5 66° O0 192 
2285 64°0225 
23 S 53° O 15.5 
” 
Am 31. Mai wehte ein heftiger Sturm unter der Küste bei San Fran- 
eisco, so dass „Arcona“ erst am 2. Juni auf der Rhede von San Franeisco 
ankern konnte, nachdem sie in 22 Tagen (vom 12. Mai bis 2. Juni) eine Route 
von 2800 Seem., also täglich fast 130 Seem. zurückgelegt hatte.
	        
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