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Von anderen Nutzpflanzen Zanzibars sind noch u, A. zu erwähnen die
Bananen, der zu den Terpertinpflanzen gehörende Mangobaum, welcher die
köstlichste Frucht von Zanzibar liefert, die Orangen-, Melonenbäume u. a. m.
Ausser den oben erwähnten Haupthandelsartikeln Zanzibars, Näglein
und Kokos-Nüsse und -Oel werden noch aus der Stadt Zanzibar grosse Mengen
von Elfenbein aus Centralafrika exportirt, ebenso Kopal, das fossile Gummi, von
der gegenüberliegenden Küste.
Seitdem der Sclavenhandel auf Zanzibar. aufgehört hat, ist eine Haupt-
einnahmequelle des Sultans verstopft, Ein Achtel seiner gesammten auf circa
330,000 Maria-Theresiathaler (circa 1'/2 Mill. Reichsmark) sich belaufenden
Einkünfte ist durch die ihm vor zwei Jahren von den Engländern zwangsweise
abgenöthigte Abschaffung des Sclavenhandels in Wegfall gekommen, denn die
Anzahl der Sclaven, die jährlich zur Verzollung kamen, betrug ungefähr 20,000
und für jeden derselben mussten an den Sultan zwei Maria-Theresiathaler ent-
richtet werden.
Die Bevölkerung von Zanzibar besteht zum überwiegend grössten Theile
aus Negern, sowohl Sclaven als Freien, welche die arbeitende Klasse bilden;
ihre Zahl betrug 1874 roh geschätzt 200,000, von denen 50,000 in oder nahe
bei der Stadt Zanzibar wohnen; der Rest vertheilt sich auf die Pflanzungen und
Dörfer der Insel. Die Haupteigenthümer und Grundbesitzer der Pflanzungen
sind die Araber, deren Zahl 1874 auf 4000 geschätzt wurde, Die Handelsleute,
Krämer und . Ladenbesitzer in Zanzibar sind die aus dem britischen Ost-
indien, namentlich von Cutsch‘ am Ausflusse des Indus an der. Malabar-
Küste nach der Insel Zanzibar üborgesiedelten Indier, die muhamedanischen
Hindi’s, welche den Kaufmannsstand repräsentiren und die buddhistischen
Banyanen, d. h” Krämer. Diese Indier haben den Haupthandel an der ganzen
Küste von Ostafrika und auf Zanzibar an sich gerissen und besitzen das meiste
Geld. In der Stadt Zanzibar leben 1000 Banyanen und 3000 Hindi's: Die
wenigen in Zanzibar wohnenden Fremden europäischen oder amerikanischen
Ursprunges heissen Wasungu. Nur England und Frankreich haben auf Zanzibar
Consulate mit besoldeten Beamten; Hamburg und Amerika werden durch Kauf-
leute vertreten. Ueber die Stadt Zanzibar werden in der nächsten Nummer
der Annalen nach dem Berichte von Wharton Mittheilungen gemacht werden.
Das Klima von Zanzibar wurde früher nicht nur im Innern, sondern
auch an den Küsten und in der Stadt für sehr ungesund gehalten, und man
hielt es für einen Weissen im höchsten Grade gefährlich, auch nur eine Nacht
auf der Insel zuzubringen. - Dies ist zwar zum Theil auch jetzt noch der Fall,
denn es sind viele Beispiele vorhanden, dass Europäer bei Besuchen des Innern
der Insel von dem dortigen bösartigen, von unaufhörlichem Erbrechen beglei-
teten. Fieber befallen werden, welches in den meisten Fällen einen tödtlichen
Ausgang nimmt. . Degegen ist jetzt die Westküste und namentlich die Stadt
Zanzibar verhältnissmässig gesund zu nennen, aber auch nur verhältnissmässig,
denn. wegen der äusserst geringen Schwankungen der Temperatur und der
ausserordentlich grossen Feuchtigkeit, welche für das Klima von Zanzibar cha-
racteristisch sind, ist dasselbe äusserst schwächend und daher bei längerem
Aufenthalt nicht günstig, weshalb denn auch die dortigen Weissen sich weder
geistig noch leiblich schr anstrengen dürfen und häufig nach Verlauf einiger
Jahre die Insel wieder verlassen müssen. Die gegenwärtige verhältnissmässige
Zuträglichkeit des Klimas von Zanzibar dürfte nach Rigby von der vermehrten
Urbarmachung und Lichtung der dortigen Djungeln, von dem Ueberhandnehmen
des Gewürznelkenbaums über die Kultur von Reis und Zuckerrohr, sowie von
dem etwas reineren Wasser herrühren, - welches man seit Erbauung der Aqua-
duete erhalten kann; diese leiten das Wasser der Bäche in. die Gärten und
Landhäuser. der Araber, ;
Die ungesundeste Jahreszeit ist für die weisse Bevölkerung die Zeit vom
Februar bis Mai, also während der Hauptregenzeit; die Schwarzen scheinen im
Juli und August mehr von dem Klima zu leiden. Es giebt nämlich auf Zan-
zibar zwei Regenzeiten, entsprechend dem Durchgange der Sonne durch das
Zenit (am 9. October und 4. März), eine stärkere in den Monaten März, April und
Mai, während welcher Zeit nach Rigby im Jahre 1859 2640 mm., im Jahre
1850 aber in derselben Zeit nur 1570 mm. und eine schwächere in den Mo-