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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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noch bisher unbekannt gewesene Notizen über meteorologische Beobachtungen 
zu Levuka i. J. 1865 und zu Bua auf Vanun-Levu im J. 1873 gesammelt und 
diese nebst einer Darstellung der Gesundheits-Verhältnisse der Fiji-Inseln und 
namentlich ihrer weissen Bevölkerung in einer uns im Manuseript vorliegenden 
Abhandlung zusammengestellt, welche der Kaiserl. Deutsche Consul, Herr Carl 
L. Sahl in Sydney, an die hiesige „Gesellschaft für Erdkunde“ eingesandt hat. 
Die in dieser Abhandlung enthaltenen Angaben von eigenen und fremden 
Beobachtungen und Wahrnehmungen sind um so schätzenswerther und ein allge- 
meineres Interesse erregend, weil bisher, wie auch schon in dem Aufsatze über 
die Fiji-Inseln in den „Hydr. Mitth.“ 1874 pag. 273 erwähnt ist, unseres Wissens 
noch keine, auch nur annähernd genaue und über ein Jahr hinaus reichende 
vollständige meteorologische Beobachtungsreihe über die Fiji-Inseln irgendwie 
veröffentlicht worden ist, weil ferner diese Inseln in Folge ihrer im vorigen 
Jahre stattgefundenen Besitzergreifung durch die Engländer und durch den 
öfteren Besuch derselben von Seiten der Schiffe verschiedener Nationen, nament- 
lich zur Zeit auch der Deutschen, in immer engere Beziehungen zu der euro- 
päischen Civilisation und zu dem allgemeinen Verkehr gelangt sind, und weil 
endlich die zu Anfang dieses Jahres auf den Fiji-Inseln in so erschrecklich 
verheerender Weise aufgetretene Masern-Epidemie die Eingeborenen so schwer 
heimgesucht hat. 
Wie die „T7imes“ aus Levuka vom 23. April d. J. meldete, hatte der 
Exkönig Kakobau mit seinen zwei jüngsten Söhnen und seinem Gefolge auf 
dem englischen Kriegsschiffe „Dido“ eine Reise nach Sydney gemacht und war 
mit demselben Schiffe zurückgekehrt. Während des Aufenthaltes in Sydney, 
wo gerade zur Zeit die Masern grassirten, wurden die Mitglieder der könig- 
lichen Familie ebenfalls in leichter Weise von den Masern befallen; doch waren 
sie bei der am 15. Januar erfolgten Rückkehr nach dem Dorfe Drieba auf der 
Insel Ovalau (dem Wohnorte Kakobau’s) bereits wieder hergestellt und der Re- 
gierung der Insel war keine officielle Anzeige von der Krankheit gemacht 
worden, Die.Freude über seine Rückkehr bei seiner Familie und dem Volke 
war unbeschreiblich gross; von allen Seiten flossen dem Königlichen Hause 
reiche Geschenke an Schweinen, Hühnern, Enten, Fischen, Früchten u. 8. W. 
und Alles war lustig und guter Dinge. Nach acht Tagen aber wurden die 
Leute überall von einer Hautkrankheit befallen, die sie vorher nie gekannt 
hatten. Die Häuptlinge waren merkwürdigerweise die ersten, die von dieser 
rasch zunehmenden Epidemie hinweggerafft wurden. Bald aber war die ganze 
Insel ein einziges Todtenhaus, trotzdem von Seiten der englischen Behörden 
alle möglichen Vorkehrungen getroffen wurden, um der Krankheit ein Ziel zu 
setzen, allein mit wenig Erfolg, denn die Eingeborenen waren der Meinung, 
dass die Engländer sie vertilgen wollten, um ihr Land völlig zu besetzen; 
ausserdem hatten die Eingeborenen eine schreckliche Furcht vor ärztlicher 
Behandlung. Unter den Gestorbenen befindet sich ein grosser Theil der Häupt- 
linge, welche die Abtretungsurkunde an England unterschrieben haben, so auch 
Savenara, der Bruder des Königs und der Aufgeweckteste der Inseln, und 
dabei ein Freund der Weissen. Auf der kleinen Insel Ovalau sind im Ganzen 
600 Personen gestorben, und zwar sind die Europäer daselbst auch nicht ganz 
verschont geblieben. Von dort dehnte sich die Krankheit bald mit furchtbarer 
Geschwindigkeit auch auf die andern Inseln aus; in den Bergen von Viti-Levu 
und Vanua-Levu wurden ganze Stämme vernichtet. Von den 140,000 Bewoh- 
nern der Inseln sind mindestens 20,000 der Krankheit erlegen. Neueren Nach- 
richten zufolge haben sich diesen Masern noch Typhus und zymotische Krankheiten 
zugesellt, die ebenfalls bis dahin auf den Fiji-Inseln unbekannt gewesen sind, 
wie auch Dr. Messer in seiner oben erwähnten Abhandlung ausdrücklich an- 
führt, zugleich ganz richtig aber auch bemerkt, dass die Bewohner dieser Inseln 
nur so lange von diesen Krankheiten befreit bleiben würden, bis durch irgend 
einen unglücklichen Zufall oder durch die geringe Achtsamkeit der Behörden 
eine dieser Krankheiten von aussen hereingeschleppt würde. 
Abgesehen von diesen neuerdings unerwartet hereingebrochenen Epidemien 
waren bis jetzt die Gesundheitsverhältnisse der Fiji-Inseln sehr günstiger Art 
und bei Weitem vortheilhafter, als in anderen tropischen Gegenden und Inseln, 
die sich unter nahezu gleichen Umständen befinden, als die Fiji-Inseln.
	        
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