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Wir geben in beifolgender Karte eine Copie der, von Guido Corsa ge-
zeichneten und in der von ihm herausgegebenen trefflichen italienischen Zeit-
schrift „Cosmos“ Vol. II. 1874 Heft 2 und 3 veröffentlichten Karte der Gruppe
der Klein- Kei- Inseln. Ein Vergleich mit der brit. Admiralitätskarte No. 942 B
(Tit. X 152) zeigt auf einen Blick, welche durchgreifende Veränderungen die
italienischen Vermessungen in jener bisher als richtig angenommenen Karte ver-
anlasst haben. Die Basis dieser an Bord des „Vetitor Pisani“ ausgeführten
Vermessungen ist die genaue Ortsbestimmung des Dorfes Zaandam auf dem
Nordrande der Insel Kei Dulan oder Kei Keccil in 5° 32‘ Süd-Breite und 132°
45‘ 35” Ost-Länge (statt 132° 50“ nach der Bestimmung von Owen Stanley
i. J. 1841 (s. Austr. Directory Vol. III. pag. 244). .
Der oben erwähnten Zeitschrift „Cosmos“ 1874 Vol. II. No. 2 und 3 ent-
nehmen wir gleichfalls folgende nähere Angaben über diese Inseln, welche von
Lovera di Maria (aus dessen Werke „Dall’ Italia alla Nuova Guinea, all’
Australia alla Nuova Zelanda e a Montevideo; viaggio della corvette „Vettor
Pisani“ 1871—73. Roma 1878) und Cerruti herrühren. ‚
Die Gruppe der „Klein- Kei- Inseln“ (s. Karte) besteht aus drei grossen
Inseln, Kei Dulan (oder Kei Keccil nach Beccari) Leiman und Hogian und aus
vielen anderen kleineren Inseln, unter denen wir-hier die nur elnigermaassen
bedeutenderen hervorheben, nämlich Rumadan, Dulan laut und Obur. An Aus-
dehnung und commercieller Bedeutung ist die wichtigste Insel. dieser Gruppe
die Insel Kei Keccil, deren Oberfläche 123 []Kilometer beträgt und von der
Insel Hogian durch ein 55 Met. tiefes Fahrwasser getrennt ist; zwischen Kei
Keceil und Letman ist ein sehr enges und nur 4—5 Met. tiefes Fahrwasser,
welches von Süden her in den Hafen „Prinzessin Margaretha“ führt, welcher
in Herzform zwischen den Inseln Kei Keceil, Letman und Obur sich erstreckt
und 32 (JKilometer Fläche einnimmt. Diese von dem „Vettor Pisani“ ausge-
führte Umsegelung der Insel Kei Keccil von Taandam aus längs der Westküste
nach Süden, um die Südspitze herum an der Ostseite nach Norden und um die
Nordspitze herum nach T’aandam zurück, sowie die dabei gemachten astrono-
mischen Ortsbestimmungen und Peilungen haben die Umrisse dieser Insel ziem-
lich genau festgelegt, sowie sie auf beifolgender Karte verzeichnet sind.”) Da-
gegen sind die Inseln Hogian und Letman nur an ihrer der Insel Kei Keceil
zugewendeten Küstenstrecke gesichtet worden, f
Alle diese Inseln sind Korallenbildungen; im Norden der Gruppe wird
diese von Riffe bauenden Polypen umgeben. Ihre mittlere Höhe über dem
Meere ist ungefähr 20 Met.; nur ein einziger Hügel auf der Insel Letman, Kei
Lanit genannt, erhebt sich bis zu 60 Met. und giebt eine sehr gute Landmarke
ab. Die Beschaffenheit des Bodens ist für seine Cultur wenig geeignet, da er
nur eine Mischung von Korallensand mit verwitterten Pflanzenresten von der
Mächtigkeit von wenigen Centimetern ist, unter welchen sich der Korallenfels
wiederfindet. Ausser mit Kokosbäumen, deren Früchte den Bewohnern zur
hauptsächlichen Nahrung dienen, sind diese Inseln dicht mit Bäumen bedeckt,
aus deren Holz die Eingeborenen mit grosser Geschicklichkeit Boote bauen,
indem sie die 10 Met. langen und sehr dünnen Bretter ohne jegliche Beihülfe
eines Nagels oder eisernen Beschlages auf eine einfache Weise durch Bast und
Holz von Kletterpflanzen zusammenfügen. Der Handel mit diesen Booten,
welche in allen Dörfern der Insel Kei Keccil gebaut werden und durch die
Kaufleute von Tidore, Macassar und Goram verkauft werden, . ist in den Händen
einiger weniger Kaufleute von dem Stamm der Bugi’s, welche im Südosten von
Celebes ihre Heimath haben, und zu denen auch wahrscheinlich die Küsten-
bewohner jener Inseln gehören, welche im Süden von Celebes, von der Allas-
strasse bis gegen Timor sich ausdehnen (s. Müller, Ethnographie, 1873, pag. 289).
Als Vermittler des Handels und als Agenten dienen hier wie anderswo in jenen
Theilen der Erde, die Chinesen, welche hier bleibend stationirt sind, und den
Verkehr mit den der Papua-Race angehörigen, die Boote bauenden KEingebore-
nen vermitteln. Ausser mit diesem Bootsbau und der Zubereitung der dazu
*) Dieser Karte ist noch eine Uebersichtskarte desjenigen Theiles der Arafura- und Banda-
See beigefügt, welcher die Gruppe der Kei-Inseln und die in der vorigen Nummer der „Annalen
der Hydrographie ete,‘* pag, 227 und 228 erwähnten Inseln umfasst,