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— Auf der Südseite wird die Flussmündung durch einige chinesische Be-
festigungen älteren Datums beschützt, welche gebaut worden, nachdem 1859
ein englisches Kanonenboot hier einlief und Anping bombardirte.
Die Rhede von Takow gewährt weniger Schutz wie die von Tai-
wan-fu, wenigstens. gegen Winde, die nördlicher sind, wie NNE. Gegen die
östlichen Winde ist die Rhede allerdings durch den ungefähr 366 Met. hohen
Ape Hill (Affenberg), welcher eine vorzügliche Landmarke zum Ansegeln ab-
giebt, sowie durch Saracenhead, einem südlich davon liegenden Janggestreckten
felsigen Hügel, auf welchem gegenwärtig die Vorbereitungen zum Bau eines
Forts getroffen werden, sehr gut geschützt; gegen südliche und westliche Winde
ist sie ganz offen. Zwischen diesen beiden steil abfallenden Bergen ist.die un-
gefähr 30 Met. breite Einfahrt zu dem Hafen oder der Lagune von Takow.
Vor dieser Einfahrt liegt eine Barre, welche Schiffe mit ca. 3.66 Met. Tiefgang
bei ruhigem Wetter passiren können, auf der. aber selbst bei mässigem nörd-
lichem Wind eine so bedeutende Brandung ‘steht, dass das Passiren derselben
für Boote gefährlich wird. Nach dem Passiren der Einfahrt erweitert sich der
Hafen zu einem geräumigen Bassin, das in einer 10 Seem. langen Lagune aus-
läuft. Leider ist aber das Bassin durch Sandbänke und Untiefen so. verengt,
dass nur wenige Schiffe darin Platz finden und dann vorne und hinten verteien
müssen. .
Bemerkungen über den Hafen von Nagasaki und die daselbst
befindlichen Schiffbau- und Maschinenbau-Anlagen.
Der Commandant S. M. S. „Arcona“, Capt. z. See Frhr. v. Reibnitz,
hat nachstehende Notizen über die bereits vorhandenen oder projectirten Schiff-
bau- und Maschinenbau-Anlagen zu Nagasaki, sowie über den Hafen selbst der
Kaiserlichen Admiralität eingesendet, welche. zur wesentlichen Ergänzung der
in dem China Sea Directory Vol. IV (1873), pag. 281 ff, gemachten Angaben
dienen.
Der Hafen von Nagasaki,. an der Westküste der Insel Kiw- siw gelegen
und zwar Jahrhunderte hindurch der einzige, dem fremden Handel geöffnete
Seeplatz Japans, ist. von allen Seiten durch hohe Berge umschlossen, so dass
man vor allen Winden gut geschützt liegt und nur ein starker SSW- Wind eini-
gen Seegang erzeugt, Der Ankergrund ist vorzüglich; die von den Bergen oft
sehr heftig und stossweise herabkommenden Böen kann ein Schiff vor Anker
liegend mit 75,3 bis 94.2 Met. (40—50 preuss. Faden) Kette aushalten, wenn
nur der Ankerplatz das Stecken von so viel Kette erlaubt.
Da der Hafen in ost—westlicher Richtung nur eine geringe Ausdehnung
hat, so ist es Kriegsschiffen anzurathen, sich möglichst weit nördlich in die
Bucht hinein, östlich von der Maschinenanstalt Akurora hinzulegen, da dort
keine Kauffahrteischiffe ankern dürfen, und man daher freier vor einem Anker
liegen kann. Nach den unter Leitung des Capt. - Lieut. Holzhauer in dem
Hafen von Nagasaki ausgeführten Lothungen erstreckt sich die 5 Faden- (9.4
Met.) Linie noch weiter nördlich, als dies auf der britischen Specialkarte No.
2415 (Tit. XI, No. 140) angegeben ist. |
Nagasaki ist ein zur Schiffsausrüstung wohl geeigneter Platz, da man die
gebräuchlichen Proviant - Artikel fast sämmtlich auf Lager findet und fehlende
Sachen in sehr kurzer Zeit von Shanghai kommen lassen kann; dasselbe ist mit
dem Material der Fall. Die Preise sind verhältnissmässig billig, einige Artikel
sogar billiger, als in .Yokohama, andere nur um die Fracht theurer als dort
oder in Shanghai. . An Kohlen sind Tokosima- und Karratz-Kohlen stets vor-
räthig, gelegentlich auch Cardiff- und australische Kohlen.
Von den Anlagen für Maschinenbau und Schiffsreparaturen sind zunächst
die vier Regierungs - Etablissements zu erwähnen. Die erstere, die Kaiserlich
Japanische Maschinenfabrik und Werkstätte in Akurora, liegt auf einem kleinen