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Full text: 52, 1933/34

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 52. Bd. Nr. 5. 
Wie die Oberflächentemperatur von der Morphologie des Meeresbodens physikalisch abhängt, 
wollen wir jetzt untersuchen. Von größter Bedeutung ist in dieser Beziehung der Wärmeaustausch 
zwischen Atmosphäre und Meer. Die wichtigste Wärmequelle für das Meer aber ist die Sonnen 
strahlung. Auf die jahreszeitliche Schwankung der Temperatur soll an dieser Stelle nicht näher 
eingegangen werden; uns interessiert vielmehr nur die Verteilung der eingestrahlten Energie. Dar 
über wollen wir uns in folgendem ein Bild zu machen versuchen. 
Denken wir uns zwei miteinander in Verbindung stehende Meeresgebiete: ein tiefes Becken — 
z. B. das Arkonabecken oder die Bornholmmulde —•, und ein flaches Gebiet — z. B. die Darsser- 
Schwelle oder die Oderbank —. Die Sonnenenergie möge gleichmäßig auf beide Meeresteile ein 
wirken. dann wird die Oberfläche beider gleich stark erwärmt. Denken wir uns die in horizontaler 
Richtung wirkenden Austauschvorgänge zunächst noch unterbunden, dann wird die eingestrahlte 
W ärme durch die im Wasser wirkenden vertikalen Konvektionsströme (die bei gelegentlichen Ab 
kühlungen einsetzen) auf die ganze Wassermasse verteilt. In clem flachen Gebiet konzentriert sich 
die Wärme aber mehr als in clem tiefen Becken und zeigt dies durch erhöhte Oberflächentempera 
tur an. Nun wollen wir die Wassermassen auch in horizontaler Richtung sich durchmischen lassen, 
wie dies durch Frühlings- oder Herbststürme, sowie durch Strömungen geschieht. Dann tritt eine 
gleichmäßige Verteilung cler Temperatur ein; aber die Wärmemengen (Wärmevorräte) der 
beiden Gebiete sind nun voneinander verschieden. Das tiefe Becken enthält den größeren Wärme- 
vorrat. Tritt nun die winterliche Ausstrahlung ein, die wir wieder als überall gleichmäßig voraus 
setzen wollen, so wird cler Vorrat des flachen Gebietes in wesentlich kürzerer Zeit erschöpft sein 
als der des tiefen Beckens, folglich wird auch die Temperatur über cler flachen Schwelle geringer 
sein. Bei genügend starker Abkühlung, wie sie bei Frostwetterlagen vorkommt, wird sich über dem 
flachen Gebiet nun früher Fis bilden als über clem tieferen. Wir werden also, wenn wir von der 
Vereisung zunächst noch absehen, zwischen Oberflächentemperatur und Tiefe im Winter eine di 
rekte. im Sommer dagegen eine umgekehrte Proportionalität erwarten dürfen. Es kommt allerdings 
als störender Faktor hinzu, daß die oben besprochenen Strahlungs- und Mischungsvorgänge keines 
wegs örtlich und zeitlich gleichmäßig sind, so daß etwa auftretende Abweichungen der Beobachtun 
gen mit oben Gesagtem nicht unbedingt in Widerspruch zu stehen brauchen. 
Wir wollen nun untersuchen, ob diese Erscheinungen sich wirklich an den Temperaturverhältnis 
sen der Meeresoberfläche nachweisen lassen. 
Wir wählen daher aus den Terminbeobachtungen (1) cles Reichsforschungsdampfers „Poseidon“ 
eine Anzahl Werte aus, die in möglichst großer Nähe unserer Eisbeobachtungsstationen (2) gewonnen 
wurden und fassen sie zu zeitlich zusammenhängenden Perioden zusammen. Die Werte sind in Tab. 
35a zusammengestellt (s. a. Taf. 4. Fig. 6a). In der Tat erkennen wir ein gleichsinniges Schwanken 
zwischen Tiefen und Temperaturen. Untersuchen wir die sommerlichen Verhältnisse, die wir in Tab. 
53 b zusammengestellt finden, so erkennen wir nun, unserer Annahme gemäß, einen der Tiefe ent-' 
gegengesetzten Gang der Temperatur (Taf. 4. Fig. 6 b). In beiden f ällen tritt nur je ein einziges 
Mal eine Abweichung auf. 
Trotz der überraschenden Uebereinstimmung mit unserer Annahme trägt dieses Ergebnis doch 
noch sehr den Stempel des Zufalls, und wir müssen versuchen, wollen wir unsere Ansicht festigen, 
dasselbe Restiltat auch aus langjährigen Mittelwerten abzuleiten. Da uns solche aus dem Bereich 
der deutschen Küste nicht zur Verfügung stehen, verwenden wir Werte dänischer Beobachtungs- 
Stationen. Eine dieser ist die uns schon bekannte Insel Christiansö, die im Bereiche der Bornholm 
mulde in unmittelbarer Umgebung beträchtlicher Wassertiefe (ca. 80—100 m) liegt. Die anderen sind: 
Feuerschiff „Gedser-Rev", das auf der Darsser Schwelle liegt, deren mittlere Tiefe rund 20 m be 
trägt, und die Küstenstation Klintholm Havn auf Möen. Es zeigt sich nun, daß die Wintertempera 
turen des Meeres im Mittel von Klintholm Havn bis Christiansö ansteigen (Tab. 30a). Trotzdem 
Christiansö also bedeutend weiter östlich liegt als die beiden anderen Stationen, sind seine Wasser 
temperaturen doch merklich höher, eben infolge des durch die größere Tiefe bedingten hohen Wär 
mevorrats. Vergleichen wir damit die sommerlichen Temperaturverhältnisse (s. Tab. 30 b). so sehen 
wir nun auch den geforderten Temperaturabfall von dem flacheren Gebiet zum tieferen. 
1) Bull. Hydr. s. a. Tab. 55. 
2) Siehe Tab. 51.
	        
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