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speciellen Arbeiten und Discussionen derselben von Wyville Thomson (s. Na-
ture Vol, XI, No. 276) und vom Staff - Commander Tizard (s. Hydr. Proceed).
Wir geben nebenstehend eine Tabelle der während länger als 4 Monate
dauernden Reise des „Challenger“ von Wellington auf Neuseeland bis Hongkong
(vom 6. Juli bis 16. November) gemachten '"Tiefseelothungen mit Angabe der
Zeit, des Ortes, der Beobachtungen der Temperaturen in den gelotheten Tiefen,
des specifischen Gewichtes des Seewassers an der Oberfläche und am Grunde
des Meeres, sowie der Beschaffenheit des Meeresbodens. Diese Tabelle wird
durch nachstehende Bemerkungen erläutert.
Der „Challenger“ verliess Wellington, wo er am 25, Juni 1874 angekom-
men war, am 6. Juli und lothete längs der Ostküste von Neuseeland. Die erste
Lothung in der Höhe von Cap Turnagain ergab eine Tiefe von 2012 Metern
(1100 Faden) mit der verhältnissmässig sehr nicdrigen Temperatur von 1.6° C.;
der Meeresgrund bestand aus graugrünem, weichem Schlamm und die mit dem
Schleppnetz heraufgeholten Thiere waren den aus entsprechenden Tiefen in an-
deren Theilen der südlichen Meere gewonnenen ähnlich. Am 14, Juli erreichte
der „Challenger“ die Kermadec-Gruppe; da wegen schlechten Wetters zwischen
Neuseeland und diesen Inseln nicht gelothet werden konnte, so ist es ungewiss,
ob in diesem Theile des Stillen Oceans tiefes oder flaches Wasser ist. 40 Seem.
östlich vom Ost-Cap auf Neuseeland wurden am 10. Juli allerdings nur 1280
Meter und am 14. und 15. Juli zwischen der Macaulay- und Raoul - Insel der
Kermadec-Gruppe und nördlich davon nur 950—1150 Met. gelothet (s. Tabelle).
Ueberraschend war aber hier die Achnlichkeit zwischen den emporgeholten
Thierformen mit den an den Küsten von Portugal und Nord-Afrika in denselben
Tiefen gefundenen. Eine Lothung zwischen den Kermadee- und Freundschafts-
Inseln am 17, Juli (s. Tabelle) ergab dagegen eine Tiefe von 5303 Met. (2900
Faden), die grösste auf der ganzen Reise zwischen Neuseeland und Hongkong
gelothete; sie zeigte eine von Süden her sich erstreckende tiefe Rinne an und
auch die Reihentemperaturmessungen erwiesen eine verticale Temperaturverthei-
lung, welche in ihren Hauptzügen denjenigen entsprach, welche man schon früher
in den frei mit dem Antarktischen Ocean communicirenden Meeren gefunden hat.
Vom 19. bis 22. Juli lag der „Challenger“ bei Tongatabu vor Anker und
brach alsdann nach den F%ji-Inseln auf; am 25. Juli langte er bei der Insel
Kandavu an, besuchte alsdann Levuka auf Ovalau, um Kohlen von dort zu holen,
kehrte am 1. August nach Kandavu zurück und blieb dort bis zum 10, August.
Capt. Nares bemerkt hierbei, dass sich Levuka besser als Hafenort für die
Dampferlinie von San Francisco bis Neuseeland eigne, als die Insel Kandavu
(über Levuka selbst s. „Hydr. Mitth.“ 1874, pag. 272). Zwischen den Fiji-Inseln
und den noch so wenig bekannten Neuen Hebriden wurde am 12, und 15, August
gelothet (s. Tabelle). Am 18. August ankerte der „Challenger“ bei der Insel
Apt in 45.7 Met., dicht bei der Kante des Riffes und gegenüber dem eigentlichen
Landungsplatze. Capt. Nares hatte 11 Api-Männer von den Fiji-Inseln, wohin
sie für die Zeit von drei Jahren sich vermiethet hatten, zurückgebracht, und
deshalb wurden auch die Officiere des „Challenger“, welche sie an das Land
brachten, voh den sonst sehr wild und drohend aussehenden Eingeborenen freund-
lich empfangen; doch wagte man sich nicht weit in das mit dichten Wäldern
bedeckte Innere der Insel.
Von der Api-Insel aus nahm der „Challenger“ seinen Kurs nordwestlich
nach: der Raine-Insel hin, einer Abzweigung des grossen Barriere - Riffes, nicht
weit von dem Eingange in die Torres - Strasse. Die 5 Lothungen vom 19. bis
27. August westlich von der Raine- Insel ergaben auf einer Strecke von mehr
als 1000 Seem. andauernd Tiefen über 4000 Met., aber mit einer Bodentem-
peratur von 1.7° C., statt 0.s°, wie sie diesen Tiefen zukämen, und ebenso
hoch, als die Temperatur in 1350 Faden oder 2469 Met. Tiefe, welche am 12.
August (s. Tabelle) 50 Seem. westlich von Kandavw gefunden wurden. Diese
Thatsache zeigt, dass zwischen den Neuen Hebriden und der Raine-Insel unter-
halb der Tiefen von 2470 Met.. oder 1350 Faden die tiefere See durch ein sie
umgebendes Riff von 13—1400 Faden (oder 2380 — 2560 Meter) Tiefe von der
Verbindung mit dem offenen Ocean abgeschnitten ist. Da dies die Tiefe zwi-
schen den 7%ji-Inseln und den Neuen Hebriden ist, so ist anzunehmen, dass sich
zwischen Sandy-Cap in Australien im Westen, einem kleinen Theile von Neu-