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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

AU 
Beiträge zur Klimatologie und Hydrographie des Gelben Meeres. 
Bei den bis jetzt nur sehr mangelhaft bekannten Witterungsverhältnissen 
des Gelben Meeres sind alle dieselben betreffenden und erläuternden Angaben 
von hohem Interesse nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die prak- 
tische Navigation. In dem „China Pilot“ 1864 pag. 259 finden sich nur einige 
vereinzelte und unvollständige Notizen in Bezug auf die Wind- und Wetterver- 
hältnisse des Gelben Meeres. Von dem „China Sea Directory“ ist bisher der 
dritte Band, welcher diesen Theil der Chinesischen Küste behandeln soll, noch 
nicht erschienen, weil es noch an den nöthigen Vermessungen - fehlt und auch 
in anderen Sögelhandbüchern und Abhandlungen, welche den Stillen Ocean be- 
treffen, ist über die speciellen Wind- und Wetterverhältnisse des Gelben Meeres 
nichts vorhanden. Deshalb dürften die nachstehenden meteorologischen Beob- 
achtungen, welche Capitain- Lieutenant Holzhauer während des Aufenthaltes 
S. M. S. „Arcona“ im Gelben Meere, zu Nagasaki und zu Tschifu (bei den 
7 Chronometerreisen zwischen diesen beiden Orten) in den Wintermonaten De- 
zember 1874, Januar und Februar 1875 angestellt hat, und die sich daran 
schliessende Discussion dieser Beobachtungen, welche Frhr. v. Reibnitz, Com- 
mandant S. M. S. „Arcona,“ nebst einigen hydrographischen Notizen über das 
Gelbe Meer dem Hydrographischen Bureau eingesendet hat, einen schätzenswer- 
then Beitrag zur genaueren Kuude der klimatischen und hydrographischen 
Eigenthümlichkeiten des: Gelben Meeres liefern. ; 
S. M. S. „Arcona“ hatte bekanntlich die zu Tschifu in China unter der 
Leitung des Dr. Valentiner stationirte Deutsche astronomische Expedition zur 
Beobachtung‘ des Venusüberganges am 9. Dezember durch Betheiligung der Offi- 
ciere der „Arcona“ an den Beobachtungen und durch andere Hülfsleistungen 
wesentlich unterstützt und .zu dem Gelingen und Verwerthen der glücklich aus- 
geführten Beobachtung erheblich beigetragen. Von grosser Bedeutung in letz- 
terer Hinsicht ‚waren namentlich die zwischen Techıfu und Nagasakt von der 
„Arcona“ in der Zeit vom 12. Dezember 1874 bis zum 9. Februar 1875 ausge- 
führten Chronometerreisen zur Bestimmung des Längenunterschiedes zwischen 
Tschifu und Nagasaki; die Distanz beider Orte, 64 Seem., musste zur Erzielung 
möglichst genauer Resultate sechsmal zurückgelegt werden; je eine Reise hin 
und zurück giebt eine .Chronometerreise, Es wurden. während drei solcher 
Chronometerreisen (im Ganzen also 6 Reisen zwischen Tschifu und Nagasaki 
und umgekehrt) 5 Chronometer der Expedition und 2 der Arcona ver- 
glichen und je ein Chronometer ward in 7schifu und Nagasaki zur Vergleichung 
beobachtet. Als vorläufiges Resultat (eine nähere Bestimmung werden die 
Astronomen der Expedition später selbst vornehmen) ergab sich ein Längen- 
unterschied zwischen Tschifu und Nagasakı von 0b 33min. 54,75%. oder 8° 28‘ 40.5“. 
Diese Reisen von Nagasaki nach Tschifu waren ‚durch das Kreuzen ge- 
gen die gerade zu dieser Zeit im Gelben Meere vorherrschenden Stürme aus 
Nord und NNW stets sehr beschwerlich gewesen, wogegen die Reisen von 
Tschifu nach Nagasaki in einer. zwei bis drei mal kürzeren Zeit zurückgelegt 
wurden, . 
In dem Hafen bei Tschifw befand sich die „Arcona“ vom 1. bis 12. De- 
zember 1874, vom 4. bis 7. und vom 21, bis 23. Januar und vom 9. bis 10. Fe- 
bruar 1875, 
Bei Nagasaki haben wir Beobachtungen der „Arcona“ vom 18. is 
25. Dezember 1874, vom 12. bis 14. und vom 27, bis 31. Januar und vom 14. 
bis 28. Februar (und noch später bis 23. März, an welchem Tage sie nach Yokohama 
abging, wo sie am 28. März eintraf). ‘Im Gelben Meere hielt sich die „Arcona“ 
während der Ueberfahrten von Techifu nach Nagasakt und in umgekehrter 
Richtung auf vom 12. bis 17. Dezember 1874 und vom 26. Dezember bis 
3. Januar 1875, vom 7. bis 11., vom 15. bis 20., vom 24. bis 26. Januar, vom 
1. bis 8. und vom 11. bis 13. Februar 1875, 
Die - hauptsächlichsten Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen 
während der Monate Dezember 1874, Januar und Februar 1875 sind folgender- 
massen vom Capitain-Lieutenant Holzhauer zusammengestellt worden.
	        
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