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der Deformation entsprechen. In den zyklonalen Wirbeln ist die
Dichteschichtung auf die obersten 300 m beschränkt und nur schwach
ausgeprägt. Wenn diese Wirbel in eine Region reduzierter vertikaler
Stabilität gelangen, wird durch Abkühlung der Oberflächenschicht
Vertikalkonvektion angeregt, die tiefer als 300 m und bis in den
Bereich des Tiefenwassers reichen kann. In einem kleinräumigen
Bereich mit ca. 10 - 20 km Durchmesser, was dem Rossby—Radius in
Breiten zwischen 70° - 80° N entspricht, kann es dann zu Tiefen—
wasserbildung kommen.
CLARKE und GASCARD (1983) und GASCARD und CLARKE (1983) haben
anhand von Daten aus der Labrador See eine neue Theorie über die
Bildung von Labrador See-Wasser entwickelt. In einem zyklonalen
Wirbel von ca. 200 km Durchmesser sowie an dessen Rand entstehen
Strukturen unterschiedlicher Längenskalen in den Verteilungen von
Temperatur, Salzgehalt und Dichte. Im mesoskallgen Bereich (ca. 50
km) scheint die beobachtete Verteilung durch topographische Rossby—
wellen, die im Labrador Strom entstanden sind, hervorgerufen zu
werden. Die Größe der nächstkleineren, wirbelähnlichen Struktur
beträgt ca. 20 km. Man nimmt an, daß die mesoskalige Struktur
baroklin instabil ist. Diese Instabilität fördert Vermischung durch
Bildung von Fronten ähnlichen Strukturen und Vertikalbewegungen in
ihrem Bereich. Innerhalb dieser in sich verschachtelten Strukturen
bilden sich Intensive Konvektionszellen aus, die eine Ausdehnung von
etwa 1 km In alle drei Dimensionen besitzen. Sie sind sehr kurzlebig
(wenige Stunden) und mit intensiven Luft-Wasser Wechselwirkungen
gekoppelt. Diese Theorie kann auch als Erklärung für die Tieferr-
wasserbildung in der Grönlandsee dienen, da hier ähnliche Verhält
nisse, wie sie in der Labrador See herrschen, gegeben sind.
Es ist bis heute nicht geklärt, welche dieser Möglichkeiten, oder
ob mehrere zusammen, oder auch bislang nicht bekannte Prozesse zur
Produktion von GSEW führen.
Die Bildung von NSDW ist sowohl durch Vermischung von GDSW und
1AIW als auch von GSDW und Barentssee-Bodenwasser möglich (SWIFT,
1986). Neuere Daten weisen auf eine weitere Bildungsmöglichkeit hin:
A0EW mit relativ hohem Salzgehalt strömt in 1300 — 1800 m Tiefe an
dem ostgrönländischen Schelfabhang entlang nach Süden in die zen
trale Grönlandsee. Auf dem Weg dorthin vermischt es sich Im
Boreas-Becken mit NSDW und weiter im Süden mit dem GSEW (KOLTERMANN,
1985). Die Vermischung von AODW und GSEW führt zur Produktion von
neuem NSDW im Bereich um den zentralen Wirbel der Grönlandsee
(SWIFT, 1986).