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her annahm, ausläuft, sondern eine grosse Gabel bildet, dessen südliche Zinke
in einen Insel-Archipel sich auflöst. Zwischen diesen Inseln und der Halbinsel,
welche die nördliche Zinke bildet, breitet sich eine ungefähr 45 Seem. lange
and 12—18 Seem. breite Wasserfläche aus, welche Moresby die „Sir Alexan-
der Milne-Bay“ nannte (Dawson giebt dagegen in.Hydr, Mitth. 1875 pag. 30
für sie nur 25 Seem. Länge und 8 Seem. Breite an). Der das SO-Ende von
Neu-Guinea bildende Insel-Archipel besteht aus ungefähr 60 grösseren oder
kleineren Inseln; unter ihnen ist die Moresby-Insel die grösste; sie hat 36 Seem.
im Umfange; nahezu eben so gross ist die Basılisk-Insel; etwas kleiner sind die
Inseln Hayter und Heath (s. Hydr. Mitth. 1875 pag. 28) und die kleinsten
haben 4 bis 12 Seem. im Umfange, Alle diese Inseln sind hoch, vulkanisch
und dicht bewaldet. Die Moresby- Insel erhebt sich steil aus dem Meere bis
zu 488 Met. Höhe, ist reich an Früchte tragenden und Bauholz liefernden
Bäumen, deren dunkles tropisches Grün gegen das hellere Grün der Yam- und
Taro-Gewächse und gegen den erdfarbigen Boden des ecultivirten Landes sich
malerisch abhebt. Nur mühsam konnte man sich durch den üppigen Pflanzen-
wuchs hindurcharbeiten, um eine Aussicht in das Innere der Insel zu erhalten,
Längs der Küste waren eigenthümlich dachförmig gestaltete Hügel zerstreut; der
Strand selbst wird von kleinen Buchten mit tiefem Wasser unterbrochen, von
denen einige gute Ankerplätze darbieten. Da, wo ruhiges Wasser ist, sind auch
Dörfer vorhanden und hie und da erhebt sich ein Korallenriff.
Zwischen dem Moresby- und dem Louisiaden- Archipel liegt die kleine
d’Entrecasteaux - Gruppe, deren genaue Lage und Küstenumrisse zuerst vom
Capt. Moresby festgelegt sind. Diese Insoln wurden allerdings schon vor
80 Jahren von d’Kntrecasteaux, aber auch nur von Ferne und an ihrer östlichen
Seite gesehen, als er i J. 1793 mit den beiden Schiffen „La Recherche“ und
“V’ Esperance“ nach dem Schicksale des unglücklichen La Perouse forschte.
Aber sie sind auch später nie besucht und in ihrer Beschaffenheit erforscht
worden, so dass wir von diesen Inseln bisher nur eine Kenntniss ihrer Existenz
besassen, weiter nichts. Nach Raper liegt die Südspitze der d’Entrecasteaux-
Gruppe, das Cap Ventenat, in 10° 12‘ Süd-Br. und 151° 6‘ Ost-Lg., das Ost-
Cap oder Cap Pierson in 9° 55‘ Süd-Br. und 151° 14‘ Ost-Lg. (nach d. Brit.
Admir. - Karte No. 2764 (Tit. XII. No. 261) aber in 151° 7‘ Ost-Länge, das
nördlichste Cap Lahaye in 9° 18’ Süd-Br. und 150° 15‘ Ost.-Lg.
Erst jetzt sind diese Inseln durch Moresby und seine Begleiter näher
untersucht worden. Sie bestehen hiernach aus drei grösseren Inseln, welche
von. einander und dem Festlande von Nex-Guinea durch enge Strassen getrennt
sind und aus mehreren kleineren dicht dabeiliegenden Inseln.
Capt. Moresby, als ihr erster Besucher und Vermesser, hat die drei
grossen Inseln Normanby, Fergusson und Goodenough genannt, und die vier
Strassen Ward Hunt-, Goschen-, Dawson- und Moresby-Strasse. Die drei Inseln
haben zusammen eine Ausdehnung von gegen 90 Seem. von Nordwest nach
Südost und gewähren gute Hafen- und Ankerplätze.. Capt. Moresby, Lieut.
Mo urilyan, ein Ingenieur und 7 Mann untersuchten am 7, März 1874 die
Küsten der Insel Fergusson und Goodenough, welche hohe vulkanische Berge
(der Mount Goodenough ist über 2400 Met. hoch) tragen und mit Dörfern auf
den Hügeln am Strande dicht besetzt sind; die Abhänge der Berge sind bis zu
600 Met. Höhe stellenweise angebaut oder mit Wäldern bedeckt; höher hinauf
nimmt der Baumwuchs allmälig ab und die Berggipfel ragen kahl und scharf-
kantig bis zum blauen Himmel empor. Bergströme stürzen sich an den Abhän-
gen hinab und sehen mitten unter der grünen Umgebung wie geschmolzenes
Silber aus. Auf der Insel Goodenough sowohl als auf der Insel Fergusson lan-
deten Moresby und seine Begleiter; die männlichen Bewohner der Insel versteck-
ten sich bei dem Anblick der Weissen und nur die Frauen.näherten sich ihnen
furchtlos; erst als die Frauen Geschenke erhielten und freundliche Begrüssungen
mit den Weissen austauschten, kamen die Männer heran und tauschten freudig
ihre Steinäxte gegen alte verrostete Eisenringe aus. Moresby besuchte ihre
Anpflanzungen, die aus grossen eingezäunten Feldern und Gärten bestehen, in
welchen Bambus, tropische Früchte, Sagopalmen, Yams, Zuckerrohr u. & W.
in üppiger Fülle wachsen. Hauptnahrungsmittel der Eingeborenen ist der Sago.
Mehrere den Reisenden unbekannte Vögel und Papageien belebten die Insel.