193
mann ist zum Dirigenten der -Ostsoe-Vermessungen ernannt und hat‘ bereits
die Arbeiten bei Memel in Angriff genommen,
Da die einfachen Küstenverhältnisse an der Preussischen Küste den im
südwestlichen Theile der Ostsee angewendeten Maassstab von 1: 100,000 für
die Sectionskarten als zu gross erscheinen lassen, so ist für die Soctionon IV
bis. VII ein solcher von I: 150,000 und für die zu der Section gehörigen Spo-
cialkarten ein Maassstab von 1: 75,000 in Aussicht genommen. ;
Im Anschluss an diese Arbeiten, die voraussichtlich einen Zeitraum von
34 Jahren in Anspruch nehmen werden, soll alsdann eine neue Segellkarte
des mittleren Theiles der Ostsee, und zwar, da sich der Maassstab der Segel-
karte des Preussischen Seeatlasses von 1: 400,000 für den praktischen Gebrauch
an Bord als zu gross und bei dem hier einfachen Fahrwasser als nicht noth-
wendig herausgestellt hat, im Maassstabe von 1: 600,000, und eine Segelkarto
des südwestlichen Theiles der Ostsee im Maassstabe von 1:300,000, da die
engen Wasserstrassen hier einen grösseren Maassstab bedingen, herausgegeben
worden. Die ungefähren Grenzen dieser projectirten Karten sind ebenfalls aus
der beigegebenen Skizze ersichtlich.
Da die dänischen Gewässer die deutschen Meerestheile der Ost-
und Nordsee verbinden und Deutschland auf dieser so wichtigen Verbindungs-
strasse in keinerlei Weise vom Auslande abhängig sein darf, so erscheint
es dringend nothwendig, dass Deutschland nicht nur auf demjenigen See-
gebiet, das seine eigenen Küsten umspült, in Bezug auf das kartographische
Material sich selbstständig stellt, sondern dass auch deutsche Seckarten von
den dänischen Gewässern, vom Sund, den Belten, dem Kattegat, dem Skagerrak
und auch von den russischen Gowässern der Ostsee herausgegeben werden,
Das Bedürfniss der Uebertragung der russischen Karten wird durch die auf
denselben gebräuchlichen, für die , Allgemeinheit unverständlichen. russischen
Schriftzeichen bedingt. 8
Das Hydrographische Bureau der Kaiserlichen Admiralität wird diese
Arbeit in Angriff nehmen, sobald die oben entwickelten näher liegenden Auf-
gaben vollendet sein ‚werden. Seine Thätigkeit ist somit noch auf längere Zeit
in Anspruch genommen, und so wünschenswerth wie es nun auch sein würde,
sich deutscherseits den Bestrebungen der Engländer, Amerikaner und Franzosen
auf dem internationalen Gebiete der Seevermessungen anzuschliessen und der
Schifffahrt jene noch so zahlreichen und nur ungenau dargestellten Wasser-
strassen und Küstenstrecken durch eigene Aufnahmen zu eröffnen, so hat doch
bei den beschränkten Mitteln und bei den noch auszuführenden so bedeutenden,
Arbeiten hiervon im Allgemeinen vorläufig Abstand genommen werden müssen.
Die Forschungsreise S, M. S. „Gazelle“ wird zwar voraussichtlich auch auf die-
som Gebiete manches Erspriessliche leisten und stehen uns namentlich wichtige
Arbeiten. aus dem südlichen Indischen und Stillen Ocean in Aussicht. Ebenso
finden schon seit längerer Zeit gelegentliche Küsten-Aufnahmen und hydrogra-
phische Ermittelungen seitens aller im Auslande befindlichen deutschen Kriegs-
schiffe statt und zwar; hauptsächlich von solchen Plätzen und Häfen, in denen
die. deutsche ‚Schifffahrt beginnt, heimisch zu werden. I
_ Bereits liegen einige Resulate dieser gelegentlichen Arbeiten vor; SO or-
schienen: - )
1) 1873 der Hafen von Sabanilla, 1:50,000, nach Aufnahmen der Ofß-
ziere des Geschwaders unter dem Commando des Capitain z. S. Werner.
=", 2) 1874 eine Karte von Puerto Plata, Westindien, Domingo, 1: 10,000,
nach Aufnahmen S. M. Kbt. „Albatross“, Corv.-Capt. Stenzel, und
3) in diesem Jahre ein Plan von Santorna, Nordküste von Spanien, im
Maassstabe von 1:+%2%°, nach Revisionspeilungen S. M. Kbt. „Nautilus“, Corv.-
Capt. Zembsch. . a Sa .
Letztere Karte ist auch als Beilage dem Maiheft der „Annalen der Hy-
drographie otc.“, beigolegt. . ;
Was nun zum Schluss die Darstellungsweise der vom Hydrographischen
Bureau der Kaiserlichen Admiralität herausgegebenen Karten anbetrifft, so ist für
die deutschen Küsten neuerdings der Kupferstich in Anwendung gekommen,
und zwar hauptsächlich deshalb, weil, abgesehen von der besseren Herstellung