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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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sich die Engländer noch bis Ende der funfziger Jahre den Besitz von Aden er- 
kaufen mussten. Gegenwärtig leben sie mit den umliegenden Stämmen der 
Araber in Frieden; diese suchen sogar an den Engländern einen Rückhalt gegen 
die stetig fortschreitenden Eroberungen der Türken zu gewinnen. Die Warnung 
in den Segelhandbüchern gegen ein Betreten des Festlandes ist daher gegen- 
wärtig hinfällig. 
Dass Aden auch in der früheren Geschichte der Araber eine hervor- 
ragende Rolle gespielt haben muss, beweisen namentlich zwei grossartige Bau- 
werke, deren Ursprung man nicht mehr nachweisen kann. Das eine ist ein ge- 
räumiger Tunnel, von etwa 800 Schritt Länge, welcher durch einen der Felsen 
hindurchgearbeitet ist und ausser. einer stark befestigten Gebirgsschlucht die 
einzige Verbindung des vorher erwähnten Gebirgskessels, in welchem die Stadt 
Aden liegt, mit dem Festlande resp. Steamer Point bildet. Das andere Bau- 
werk ist ein System von grossartigen Cisternen, die in die Felsen hineingear- 
beitet sind, um das in einer der Stadt Aden zugekehrten tiefen Gebirgsschlucht 
zusammenströmende Regenwasser zu sammeln. Die englische Regierung hat 
diese Cisternen (von den Engländern Tanks genannt) mit einem Kostenaufwande 
von ca; 30,000 Pf. Sterl. reinigen und wiederherstellen lassen. Im Ganzen hat man 
bis jetzt 7-solcher untereinander in Verbindung stehender Tanks aufgefunden, von 
welchen der grösste über 4 Millionen Gallons, die anderen jeder mehrere 100,000 
Gallons hält. Obwohl das Klima Adens ein ausserordentlich trockenes ist, ja 
manche Jahre ‚ohne bedeutenden Regenfall vorübergehen, so finden doch wie- 
derum auch zu Zeiten vollständige Wolkenbrüche statt, so dass es schon vor- 
gekommen ist, dass sich die sämmtlichen Cisternen. in Zeit. von 5 Stunden ge- 
füllt haben*). Das hier gesammelte Wasser wird übrigens nur von den Ein- 
geborenen zum Trinken, ausserdem für das Vieh gebraucht, cbenso wie das 
Wasser, das der Halbinsel durch eine alte Wasserleitung vom Festlande herzu- 
geführt wird und das ziemlich brackig ist. ; ; 
Für die Europäer, wie für die Truppen, wird Trinkwasser condensirt, zu 
welchem Zwecke 8 grosse Condensations - Maschinen an verschiedenen Stellen 
aufgestellt sind. Dieses Wasser ist sehr gut und wird mit 8 s. (8 M.) für die 
Tonne (4 100 Gallons) bezahlt. 
Der Hafen von Aden ist leider‘ nur sehr eng, eigentlich nur eine 
schmale Rinne in der geräumigen, aber flachen Bucht. Vor der Rinne, welche 
etwa 1 Secem. lang und %4 Kblg. breit und bei Niedrigwasser durchschnittlich 
6 bis 6.5 Met. tiof ist, liegt eine Barre mit 5,s Met. Tiefe bei Niedrigwasser. 
Dieselbe wird durch ein Feuerschiff gekennzeichnet, das zugleich bei Tage den 
Wasserstand durch Signale des internationalen Signalbuches angiebt. Die Fluth- 
höhe beträgt bei Springzeit 2.1 Met. und bei Nippzeit 1.2 Met., so dass Schiffe 
von der Grösse der gedeckten Corvetten . noch in den Hafen laufen können, 
während grössere Schiffe ziemlich weit ausserhalb ankern müssen. In der Mitte 
der Rinne liegt eine Reihe Tonnen, . längs welcher die Schiffe nach Anweisung 
des Lootsen aufdampfen und dann entweder einen Anker fallen lassen und mit 
dem Heck an der Tonne fostmachen, oder gleich mit dem Heck an der Tonne 
festgemacht, schwaien, und dann nach aussen zu einen Anker fallen lassen. Bei 
längerem Aufenthalte ist das erstere vorzuziehen, wegen der starken Böen, die 
“) Nach den Bemerkungen des Freiherrn H. v. Maltzan über das Klima im: westlichen 
and südlichen Arabien (s. Petermann’s Mitth, 1872, pag. 330) zeigt der Streifen längs der ganzen 
Küste von West“ und Süd - Arabien bis zum 49° Ost-Lg. (bis wohin allerdings nur Maltzan’s 
Beobachtungen reichten) in einer Strecke von 5 bis 6 deutschen Meilen vom Meeresufer ab ein 
ausnahmsweises Klima, welches sich nicht nur von dem des inneren Landes wesentlich unter- 
scheidet, sondern auch von dem anderer tropischer und subtropischer Länder; dagegen zeigt es 
in seinem Regenmangel eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Klima von Mittel - Aegypten, 
and zwar besonders der Gegend zwischen Kairo und Siut, In den südlich vom 17. Breitengrade 
gelegenen Gegenden dieser Küstenzone herrscht ein ebensolcher Mangel an Sommerregen, wie 
in den nördlicheren; während aber in diesen das innere Arabien ebenfalls regenlos ist, fällt süd- 
lich vom 17: Breitengrade im Innern reichlicher Sommerregen. Für den südlicheren Küstenstrich 
von Aden ab ist fernew charakteristisch, dass die Winterregen insofern unregelmässig vorkom- 
men, -als sie nicht alle Jahre in auch nur annähernd gleicher Menge fallen; im Durchschnitt 
pflegt man nur alle drei Jahre auf ein reichliches Regenjahr zu rechnen. In Aden sind die Re- 
genmonate Januar und Februar, zuweilen auch noch März; hat es bis Mitte März nicht geregnet, 
so bleiben die Cisternen leer. Ueber die Temperatur- und Windverhältnisse des Golfes von 
Aden sind in dem „Golf of Aden Pilot“ pag. 7—12 nähere Angaben enthalten. A. d. R.
	        
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