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Trosse lose kommt, muss sie steif gesetzt, sobald eine Trosse oder Kette bricht,
muss sie sofort erneuert werden. Kommt ein Schiff erst in das GHieren und
Schwaien, so geschieht das so stossweise, dass keine Trosse und Kette mehr
halten kann oder die Poller und Betings brechen müssen.
Bei Ankerplätzen, auf denen die Schiffe vor einem Anker und langer
Kette liegen können, wie auf der Rhede von Funchal auf Madeira, soll die un-
mittelbar am steilen Strande zurücklaufende Resaca (der Unterstrom in diesem
Falle) sogar den Schiffen dadurch nützlich sein, dass dieselbe bei auflandigem
Sturm die Ketten entlastet.
Die Südstürme bringen an der hiesigen Küste, wie erklärlich, keinen
starken Seegang hervor, dagegen fallen mit den Südstürmen hier meistens
atmosphärische Störungen im Atlantischen Ocean zusammen, so dass gleich-
zeitig von dort Dünung an die Küste kommt und die See deshalb bewegt und
unruhig ist.
Strömungen. Ueber die Strömungen habe ich eigene Beobachtungen
nicht anstellen können, weil, so oft wir bei schlechtem Wetter hier an der
Küste in See waren, sich keine Gelegenheit zu genauen Ortsbestimmungen und
genügend sicherer Besteckführung bot. Boi anhaltenden starken West- und
NW-Winden sollen Schiffe eine bedeutende Stromversetzung nach Osten beob-
achtet haben. Es ist dabei nur nicht recht erklärlich, wo das durch diesen
Strom auf die französische Küste zugeführte Wasser bleiben sollte. Es lässt
sich annehmen, dass an diesen angeblichen Strombeobachtungen das Treiben
vor dem Wind, die Abtrift und die Versetzung durch den Seegang einen be-
deutenden Antheil gehabt haben. ;
Dicht an der Küste setzt die durch die Gezeiten hervorgebrachte Strömung,
die aber bei dem tiefen Wasser und der gradlinigen Form der Küste eine
sehr unbedeutende sein kann, — bei Fluth östlich, also in die Bai von Biscaga
hinein und umgekehrt bei Ebbe westlich, also heraus.
Bemerkungen über den Hafen von Corcubion, die Arosa-Bucht und
über die Untiefe los Castros de Agoeiro und einige Klippen vor
der Bucht von Vigo.
Der Contre - Admiral Frederick Beauchamp Paget Seymour C. B,,
Chef des britischen Kanal-Geschwaders, 1874, hat über die nachstehenden Häfen
und Untiefen an das Hydrographische Amt zu London (s. Hydrographic Notice
No. 4) zur Ergänzung der „Sailing Direetions for the West - Coast of France,
Spain and Portugal“, pag. 221, 228 und 234, folgenden Bericht eingesendet:
Der Hafen von Corcubion (an der Westküste der spanischen Provinz
Galieien, östlich von Cap Finisterre) ist so geräumig, dass wenigstens 6 grosse
Panzerschiffe auf 23.8 bis 13.7 Met. Wasser vor einem Anker und mit 132 bis
154 Met. Kette liegen können. Der Ankergrund ist gut haltbar und die bei
güdlichen Stürmen einsetzende Dünung bricht sich so.vollständig an den Lobeira
Grande- und Corromeiro- Viejo-Felsen, welche einen natürlichen Wellenbrecher
bilden, dass man von ihr nichts auf dem Ankerplatze fühlt.
Die beste Richtungsmarke bosteht aus einem deutlich zu sehenden Was-
serfall, der in eine Bergschlucht hinabstürzt und den man in O’/2N über einem
Ausläufer zwischen den Bergen Ezaro und Pindo erblickt, sobald man sich
querab vom Cap Finisterre befindet. Bringt man diesen Wasserfall mit dem
nördlichsten der beiden weissen Häuser am Strande der Ezaro-Bucht in Linie,
so führt diese Richtung zwischen den Felsen Lobeira Grande und Corromeiro-
Chico hindurch. Sobald dann das Cap C@ in Nord peilt, muss man nach dem
Ankerplatze zu abhalten, der dann sichtbar ist. Von dem Corromeiro-Chico muss
man 2 Kblg. abbleiben und im Hafen so tief hinein ankern, als irgend möglich.
Auf dem Corromeiro-Chico ist augenblicklich keine Bake und bei gutem
Sa Ta auf derselben zur Zeit des Hochwassers nur eine leichte Kräuselung
emerkbar.