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+ Geht der Wind mit gleichzeitigem Regen plötzlich bis auf NNO, so kann
man dies meist an der auffallend kalten Luft etwas vorher merken.
Es ist also für Segelschiffe bei unbeständigem Wind und Wetter. be-
quemer über Backbordbug zu liegen, weil man alsdann die Böen raum in die
Sogel erhält.
In dem letzten Winter sind vergleichsweise gegen andere Jahre wenig
Südstürme aufgetreten. Dagegen war der Monat Dezember ausnahmsweise
schlecht mit ungewöhnlich vielen und anhaltenden West- und NW-Winden.
Seegang, Vom Atlantischen Ocean, aus der Region der Westwinde
her, steht fast immer. eine mehr oder weniger starke westliche oder nord-
westliche .Dünung in die Bai von Biscaya hinein. Ausserdem entsteht wie
überall, je nach den herrschenden Winden neuer localer Seegang, der, wenn er
mit der grade vorhandenen Dünung sich vereinigt, schnell sehr stark wird. Dicht
an der Küste verliert sich die Dünung in dem vergleichsweise flacheren Wasser,
so dass man zeitweise so ruhige und glatte See hier findet, wie man kaum er-
warten sollte.
Eine Eigenthümlichkeit in den hiesigen Häfen ist die sogenannte Resaca.
Sie ist die im Hafen auftretende Wirkung des Einflusses schwerer Grundsee oder
Dünung auf See, also der Bewegung grosser Wassermassen — und daraus hervor-
gehender Niveau-Veränderungen. Diese Wirkung tritt um so stärker hervor, je
geringer räumlich die Trennung des Hafens von der offenen See und je breiter und tie-
fer die Hafeneinfahrt im Verhältniss zu dem Flächeninhalt und der Tiefe des Hafens
selbst ist. Die Häfen an einer langgestreckten gradlinigen Küste, wie die spa-
nische Nordküste, an welche die offene See fast unmittelbar herantritt, ohne
davorliegende Inseln, Bänke und ohne Einbuchtungen sind der Resaca am
meisten ausgesetzt. Häfen von grossem Flächeninhalt mit langgedehntem, ge-
wundenem Eingang haben wenig davon zu leiden, hier bewirkt der Seegang mehr
die Bildung einer Barre am Eingang, ; .
Die Resaca besteht in einem Hin- und Herschieben der Wassermassen
mit unbedeutender Niveau-Veränderung, Die Schiffe gieren und schwaien hin und
her. Die Oberfläche des Wassers wird aber wenig davon beeinflusst. Bei starker
Resaca brechen die hin- und hergeführten schweren Schiffe alle Trossen und
Ketten, während sich gleichzeitig kleine Ruderboote ohne Gefahr auf dem Wasser
bewegen können. In Santander und Santorna fühlt man die Resaca nicht, weil
hier in beiden Fällen der Hafen bedeutenden Flächenraum hat, der Eingang
vergleichsweise schmal ist und mit rechtwinkligen Biegungen hineinführt. Da-
gegen tritt dieselbe in San Sebastian höchst gefährlich und zeitweise auch in
Pasages sehr schlimm auf. ;
Als Beispiel führe ich an, dass am 12. Dezember v. J. in Pasages die
Schiffe‘: des dort liegenden spanischen Geschwaders fast sämmtlich Havarie er-
litten. Das französische Kanonenboot „Oriflamme“ verdankte nur der vorzüg-
lichen Aufmerksamkeit und Sorgfalt, mit. der die Ketten und Trossen steif-
gehalten und bedient wurden, dass ihm nicht ein Gleiches widerfuhr. Das
spanische Admiralschiff „Colon“ brach 19 Trossen und Ketten und seine Betings
und musste ebenso wie zwei kleinere Dampfer weit hinein auf dem Schlick fest-
Inufen. Hier hat der „Colon“ einen vollen Monat festgesessen. Die Dampf-
Kanonenboote „Africa“ und „Caridad“ wurden theilweise losgerissen und be-
schädigt, ebenso das grössere Kanonenboot „Consuelo.“ Dasselbe trieb. in dem
engen Hafenkanal quer und stiess mit dem Achterende des Kiels auf Steinen
auf, das Ruder wurde zertrümmert und da sich beim Anschlagen der Maschine
eine Trosse um die Schraube gewickelt hatte, so lag das Fahrzeug eine Zeit
lang hülflos da. Die sich hin- und herbewegenden Fahrzeuge beschädigten sich
ausserdem gegenseitig vielfach an Reling, Booten und Takelage.
Es befanden sich damals so viele Dampfer in dem engen Hafen von
Pasages, dass immer mehrere derselben neben einander an das Ostufer des
Hafenkanals gelegt werden mussten, um noch eine Passage für einkommende
Schiffe frei zu lassen; dadurch wurde das sichere Verteien sehr erschwert.
‚Um sich gegen die Resaca zu sichern, müssen die Schiffe nach vorn und
hinten, nach Steuerbord und Backbord gegen seitliche Bewegung sicher fest-
gemacht werden; die Trossen und Ketten müssen dagegen ein Heben und Senken
(schon wegen -des Ebbe- und Fluth-Wasserstandes) gestatten. Sobald eine