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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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+ Geht der Wind mit gleichzeitigem Regen plötzlich bis auf NNO, so kann 
man dies meist an der auffallend kalten Luft etwas vorher merken. 
Es ist also für Segelschiffe bei unbeständigem Wind und Wetter. be- 
quemer über Backbordbug zu liegen, weil man alsdann die Böen raum in die 
Sogel erhält. 
In dem letzten Winter sind vergleichsweise gegen andere Jahre wenig 
Südstürme aufgetreten. Dagegen war der Monat Dezember ausnahmsweise 
schlecht mit ungewöhnlich vielen und anhaltenden West- und NW-Winden. 
Seegang, Vom Atlantischen Ocean, aus der Region der Westwinde 
her, steht fast immer. eine mehr oder weniger starke westliche oder nord- 
westliche .Dünung in die Bai von Biscaya hinein. Ausserdem entsteht wie 
überall, je nach den herrschenden Winden neuer localer Seegang, der, wenn er 
mit der grade vorhandenen Dünung sich vereinigt, schnell sehr stark wird. Dicht 
an der Küste verliert sich die Dünung in dem vergleichsweise flacheren Wasser, 
so dass man zeitweise so ruhige und glatte See hier findet, wie man kaum er- 
warten sollte. 
Eine Eigenthümlichkeit in den hiesigen Häfen ist die sogenannte Resaca. 
Sie ist die im Hafen auftretende Wirkung des Einflusses schwerer Grundsee oder 
Dünung auf See, also der Bewegung grosser Wassermassen — und daraus hervor- 
gehender Niveau-Veränderungen. Diese Wirkung tritt um so stärker hervor, je 
geringer räumlich die Trennung des Hafens von der offenen See und je breiter und tie- 
fer die Hafeneinfahrt im Verhältniss zu dem Flächeninhalt und der Tiefe des Hafens 
selbst ist. Die Häfen an einer langgestreckten gradlinigen Küste, wie die spa- 
nische Nordküste, an welche die offene See fast unmittelbar herantritt, ohne 
davorliegende Inseln, Bänke und ohne Einbuchtungen sind der Resaca am 
meisten ausgesetzt. Häfen von grossem Flächeninhalt mit langgedehntem, ge- 
wundenem Eingang haben wenig davon zu leiden, hier bewirkt der Seegang mehr 
die Bildung einer Barre am Eingang, ; . 
Die Resaca besteht in einem Hin- und Herschieben der Wassermassen 
mit unbedeutender Niveau-Veränderung, Die Schiffe gieren und schwaien hin und 
her. Die Oberfläche des Wassers wird aber wenig davon beeinflusst. Bei starker 
Resaca brechen die hin- und hergeführten schweren Schiffe alle Trossen und 
Ketten, während sich gleichzeitig kleine Ruderboote ohne Gefahr auf dem Wasser 
bewegen können. In Santander und Santorna fühlt man die Resaca nicht, weil 
hier in beiden Fällen der Hafen bedeutenden Flächenraum hat, der Eingang 
vergleichsweise schmal ist und mit rechtwinkligen Biegungen hineinführt. Da- 
gegen tritt dieselbe in San Sebastian höchst gefährlich und zeitweise auch in 
Pasages sehr schlimm auf. ; 
Als Beispiel führe ich an, dass am 12. Dezember v. J. in Pasages die 
Schiffe‘: des dort liegenden spanischen Geschwaders fast sämmtlich Havarie er- 
litten. Das französische Kanonenboot „Oriflamme“ verdankte nur der vorzüg- 
lichen Aufmerksamkeit und Sorgfalt, mit. der die Ketten und Trossen steif- 
gehalten und bedient wurden, dass ihm nicht ein Gleiches widerfuhr. Das 
spanische Admiralschiff „Colon“ brach 19 Trossen und Ketten und seine Betings 
und musste ebenso wie zwei kleinere Dampfer weit hinein auf dem Schlick fest- 
Inufen. Hier hat der „Colon“ einen vollen Monat festgesessen. Die Dampf- 
Kanonenboote „Africa“ und „Caridad“ wurden theilweise losgerissen und be- 
schädigt, ebenso das grössere Kanonenboot „Consuelo.“ Dasselbe trieb. in dem 
engen Hafenkanal quer und stiess mit dem Achterende des Kiels auf Steinen 
auf, das Ruder wurde zertrümmert und da sich beim Anschlagen der Maschine 
eine Trosse um die Schraube gewickelt hatte, so lag das Fahrzeug eine Zeit 
lang hülflos da. Die sich hin- und herbewegenden Fahrzeuge beschädigten sich 
ausserdem gegenseitig vielfach an Reling, Booten und Takelage. 
Es befanden sich damals so viele Dampfer in dem engen Hafen von 
Pasages, dass immer mehrere derselben neben einander an das Ostufer des 
Hafenkanals gelegt werden mussten, um noch eine Passage für einkommende 
Schiffe frei zu lassen; dadurch wurde das sichere Verteien sehr erschwert. 
‚Um sich gegen die Resaca zu sichern, müssen die Schiffe nach vorn und 
hinten, nach Steuerbord und Backbord gegen seitliche Bewegung sicher fest- 
gemacht werden; die Trossen und Ketten müssen dagegen ein Heben und Senken 
(schon wegen -des Ebbe- und Fluth-Wasserstandes) gestatten. Sobald eine
	        
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