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vorher von Santander in See gegangen war. Er kam ebenfalls noch ‚mit Ende
der Fluth ein, konnte aber nicht vor der russischen Bark vorbei, hinter ihr war
kein Raum mehr, so dass er ausserhalb derselben ankern musste. Er hatte sehr
viel Segel geführt und konnte diese mit seiner Mannschaft wohl nicht schnell
genug bergen, lag: auch zu nahe dem Eingang, kurz das Fahrzeug trieb vor
seinen. Ankern. Die Mannschaft hatte grade nur Zeit sich in einem Boot auf
die naheliegende russische Bark, zu retten. Der Schooner trieb auf die Que-
brantas Bank dicht neben. die Stelle, wo die Trümmer der „La Pace“ lagen,
An diesem Tage brach die See auf weite Strecken schwer in den Einfahrton zu
beiden Seiten der Insel Muros.
Zu derselben Zeit suchten. drei Kauffahrteischiffe Schutz in Lee des
Berges bei Santona. Zwei derselben, „Ceferina“ und „Jozefa“, trieben vor ihren
Ankern und strandeten, nachdem die Besatzungen sich in Booten nach Santona
hineingeflüchtet, auf dem Strande bei Laredo. Diese Fahrzeuge konnten wegen
der ungünstigen Richtung des Windes (nordwestlich) nicht nach Santona hinein-
segeln. Ein Dampfer mit starker Maschine hätte dies thun können. Das dritte
Fahrzeug, dessen Namen nicht sicher anzugeben ist, trieb ebenfalls, slippte
Ketten und lief nach San Sebastian, wo es ihm gelang mit dem letzten schwächeren
Anker und nachdem es mit Hülfe von Booten aus San Sebastian an den dor-
tigen Mooringsbojen festgemacht hatte, den Sturm abzureiten. Dies wird aber
allgemein als ein besonders glücklicher Fall gorühmt, Im Winter vorher trieben
in der Bucht von San Sebastian zwei Schiffe und gingen mit Gut und Mann-
schaft verloren.
Endlich gingen bei Castro Urdiales und Guetaria, beide sind sehr wenig
geschützte Rheden, auf ersterer der Polaceaschooner „Dos Amigos“ und auf letzterer
die deutsche Brigg „Gustav“ verloren. .
Am 10. Dezember früh lief das spanische Dampfkanonenboot „Caridad“ mit
grossem Risico in den Hafen von Pasages ein. Nach dieser Zeit bis zum 13, De-
zember wäre es nach Aussage der dortigen Lootsen wegen der brechenden See
am Eingang unmöglich gewesen; es hätte eben nur noch von einem Schiffe ver-
sucht werden dürfen, welches sonst doch verloren gewesen wäre, Gelangt man
aber erst glücklich durch den Eingang von Pasages, so kann man ‚bis in den
innersten Theil des Hafens und dort wenn nöthig auf dem weichen Schlick-
grunde festlaufen, ohne sich Schaden zu thun.
Die Ankerplätze in der Sardınero Bai, östlich von Cabo menor bei San-
tander — östlich von Cap Machichaco — östlich von Guetaria — und östlich
von. Cap de la Higuera, sind im Winter bei westlichem Sturm unsicher... Die See
ist so mächtig, dass die Anker nicht halten oder die Ketten. brechen und bei
NW-Sturm wird sich an allen diesen Punkten auch nicht die Mannschaft retten
können, In letzterer Beziehung, wenn also kein Ausweg mehr vorhanden und
es nur noch gilt, den Versuch zu machen, die Mannschaft zu rotten, ist, wenn
Pasages nicht mehr erreichbar, noch der beste Punkt hinter Cap de la Higuera,
dort wird es auf der französischen Seite der Bidasoa Mündung voraussichtlich
gelingen, die Mannschaft oder wenigstens einen Theil derselben. zu retten.
Die Witterungsverhältnisse, Winde, Temperatur etc,
In Winter herrschen Winde aus den Richtungen Süd, Südwest, . West und
Nordwest vor, während im. Sommer nordöstliche und östliche Winde und wind-
stilles Wetter häufig ig ;
Die. gefährlichsten Stürme für die Küste sind die aus Nordwest, nament-
lich deswegen, weil fast immer eine schwere westliche oder nordwestliche Dü-
nung in die Bai von Biscaya hineinsteht und .diese dann schnell zu. einer furcht-
baren See anwächst. ; „
In den Häfen, die gegen Nordwest geschützt, sind die Südstürme am meisten
*) Dass im Sommer viel gutes und, stilles Wetter herrscht, ersieht man aus der Bauart der
Fischerbote „Lancha’s,“ die hier durchweg im Gebrauch sind. Sie sind scharfgebaute lange
»fene Ruderboote mit niedrigen, sehr schräg stehenden Masten zum Niederlegen und grossen
viereckig geschnittenen Raasegeln, die ähnlich wie Luggersegel bedient und mit sehr complizirten
Buliens kunstgerecht gesetzt werden. Die Boote führen eine. starke Besatzung 14, 16 .oder
18 Riemen, mit denen sie bei glattem Wasser bis 7 Seem. per Stunde rudern sollen,