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Ausüben derselben die umfassendsten Hülfsmittel erforderlich sind, welche denn
auch durch eine reiche Auswahl von wissenschaftlichen Zeitschriften aller Na-
tionen, durch eine gewählte Fachbibliothek, durch Kartenwerke neuesten Datums
und erster Güte, sowie namentlich auch durch eine wohl organisirte Verbindung
mit ähnlichen Instituten in den verschiedensten Ländern der Erde geboten
werden.
Die physikalische Seetion hat in erster Linie die Aufgabe, für die
Beschaffung und Prüfung aller für die Navigation und die wissenschaftlichen
Beobachtungen der Schiffe der Marine erforderlichen Instrumente und Apparate
Sorge zu tragen; es werden nach dem jeweiligen Bedürfnisse die Bestellungen
durch dieselbe zur Ausführung gebracht, während die von den Fabrikanten ein-
gelieferten Instrumente, Compasse, Sextanten, Prismenkreise, Barometer u. 8. W.
einer gründlichen Prüfung unterworfen und deren Fehler bestimmt werden, ehe
sie in den Gebrauch übergehen. In den Räumen des Hydrographischen Bureaus
befinden sich die nöthigen Einrichtungen, um namentlich die Untersuchungen
der Instrumente in strengster Weise durchführen zu können. Auf dem Dache
des Hauses ist ein kleines Observatorium eingerichtet, in welchem die Reflexions-
instrumente auf Theilungs- und Excentricitätsfehler geprüft werden, während in
einem Kellerraume die Einrichtung getroffen ist, um mittelst eines Vacuometers
die in der Marine zur Verwendung kommenden Barometer und Aneroide unter-
suchen zu können. Zur Prüfung der Compasse, zur Feststellung der magneti-
schen Momente (und deren Aenderung) der für die Compensation verwendeten
Stahlmagnete sind gleichfalls Apparate aufgestellt; allein cs ist in allen diesen
Fällen nicht sowohl der theoretischen Untersuchung, als dem praktischen Be-
dürfnisse Rechnung getragen. Dass bei der Ausübung dieser Thätigkeit dem
Hydrographischen Bureau vielfach Gelegenheit gegeben ist, auf die Con-
struction der Apparate und Instrumente einen entscheidenden Einfluss auszuüben,
leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass der stete Verkehr und die eingehende
Besprechung des Vorstandes der Section mit Mechanikern, welche Arbeiten für
die Marine auszuführen haben, allcin zu dem gewünschten Ziele zu führen ver-
mögen: tüchtige, dem Zwecke und den Bedürfnissen vollkommen entsprechende
Instrumente zu erhalten,
Diesem Theile des Hydrographischen Bureaus liegt unter Anderem auch
die Bearbeitung der Deviation und des Verhaltens der Compasse an Bord der
eisernen und der Panzerschiffe der Marine ob. Von hier emaniren die Instructi-
onen für eine systematische Behandlung der Deviations - Beobachtungen und
nach hier fliessen auch die Resultate derselben zurück, um zunächst für die
Zwecke der Marine und dann aber auch im Interesse der Entwickelung der
Wissenschaft und der praktischen Navigation verwerthet werden zu können.
Für jedes der Schiffe der Kriegsmarine wird im Bureau ein Register über die
verschiedenen an Bord befindlichen Compasse und deren magnetisches Verhal-
ten geführt, aus dem auch Alles, was auf den magnetischen Charakter desselben
Einfluss oder Bezug hat, hervorgeht. Allein nicht nur den unmittelbaren Be-
dürfnissen mit Rücksicht auf diesen für Taktik, wie für Navigirung der Schiffe
gleich wichtigen Gegenstand wird innerhalb dieser Section Rechnung getragen,
sondern man ist auch in ihr unablässig bemüht, die Methode der Untersuchung
und die Construction der hierfür erforderlichen Instrumente weiter zu bilden
and zu vervollkommnen.
Die Kriegsmarine vermag Vieles und besonders Werthvolles zur Ent-
wickelung der meteorologischen Wissenschaft beizutragen, wenn nur dafür Sorge
getragen wird, dass die Beobachtungen nach strenger Methode und im Einklange
mit den bestehenden, grösstentheils internationalen Stipulationen ausgeführt wer-
den. Dass dies geschehe, ist nun die Aufgabe des Hydrographischen Bureaus,
indem demselben die Organisation der meteorologischen und hydrographischen
Arbeit innerhalb der Marine anvertraut ist. Die Verarbeitung des durch die-
selbe zusammengetragenen Materials geschieht, gemäss den Bestimmungen der
internationalen Conferenz, abgehalten im September v. J. in London, durch die
Deutsche Seewarte, was übrigens keineswegs die nachträgliche Verwerthung
desselben von Seiten des Hydrographischen Buroaus ausschliesst; vielmehr bilden
Ausarbeitungen und Veröffentlichungen aus dem Gebiete der maritimen Meteo-
rologie und der Physik des Meeres wesentliche Punkte des Arbeitsprogrammes