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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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auch in den von der Norddeutschen Seewarte seit 7 Jahren gesammelten Wetter- 
büchern, aus denen die Beobachtungen bis 10° Süd-Br. im Atlantischen Ocean 
bereits extrahirt sind, jetzt in hinreichender Menge vorhanden ist. 
Was zunächst die nachstehend discutirten Beobachtungen selbst betrifft, so 
ist zu beachten, dass jede derselben streng genommen nicht die wirkliche Strömung 
während der jedesmaligen letzten 24 Stunden giebt, sondern den Unterschied zwi- 
schen dem nach der Loggerechnung und dem nach astronomischen Beobachtungen 
bestimmten Schiffsorte. Dieser Unterschied ist im wesentlichen zusammengesetzt 
aus der wirklichen Strömung, den Fehlern der Loggerechnung, entstanden aus 
Irrthümern in Kurs und Distanz und den Fehlern in den astronomischen Orts- 
bestimmungen. Da tun diese Fehler in den meisten Fällen als zufällige ange- 
sehen werden können, d. h. als solche, die eben so wahrscheinlich nach der 
einen wie näch der anderen Richtung fallen können, so würden durch Mittel 
aus vielen Beobachtungen dieselben eliminirt werden und die wirkliche Strö- 
mung zum Vorschein kommen, wenn man dieselbe als constant annehmen könnte. 
Die Strömung ändert sich indess für irgend eine gegebene Gegend. des Oceans 
in den meisten Fällen sowohl nach Richtung als Stärke und nicht selten herr- 
schen, wie z. B. unter dem Aequator, zwei entgegengesetzte Strömungen zu ver- 
schiedenen Zeiten an demselben Orte, so dass die Resultanten aus allen Beob- 
achtungen, die für einen bestimmten Monat in einem 1° oder 2° Felde oder 
einer Zone gemacht sind, nicht immer ein getreues Bild der dort .vorherrschen- 
den Strömung geben würden, ausser wenn man die Beobachtungen, je nach dem 
ausgeprägten Character der Strömungen, in zwei oder mehrere Gruppen zu- 
sammenfasst, wie dieses auch in der oben angeführten Publication des meteo- 
rologischen Amtes, ;„Currents and Surface Temperatures“ etc. geschehen ist und 
welches Princip wir auch im Folgenden für die auf der deutschen Seewarte 
gesammelten Beobachtungen südlich des Aequators befolgt haben. - 
In den „Charts of Meteorological Data for Square 3“ sind die Beob- 
achtungen, da hier eine verhältnissmässig grosse Anzahl derselben vorlag, für 
jeden ganzen Strich des Compasses zusammengefasst, aber alle beobachteten 
Unterschiede der Rechnungen unter 5 Meilen als kein Strom gerechnet, von 
der gewiss richtigen Voraussetzung ausgehend, dass die Fehler der Loggerech- 
nung im Mittel diesen. Betrag erreichen, ; 
Wir gehen nun zur Betrachtung der Strömungen selbst über, wie sich 
dieselben aus den oben erwähnten Beobachtungen ergeben. 
Schon aus älteren Beobachtungen ist bekannt, dass in den Aequatorial- 
gegenden des atlantischen Oceans im Wesentlichen zwei einander enigegen- 
gesetzte Strömungen herrschen, eine vorwiegend westliche, die Aequat orial- 
Strömung, und eine unter dem Namen Guineaströmung bekannte ostwärts 
gerichtete Gegenströmung, welche letztere namentlich in den Doldrums am häu- 
Ggsten bemerkt und im Golf von Gwinea unter der Küste von Afrika östlich 
vom Cap Palmas in ihrer grössten Stärke beobachtet worden ist. Auf der 
„Chart of the world“ und der neuesten physikalischen Wandkarte der Erde von 
Herm. Berghaus, Gotha 1874, wird diese Guineaströmung zwischen 3° und 9° 
Nord-Br. über den ganzen atlantischen Ocean bis 50° West-Lg. gezeichnet, was 
indess nur für den Monat August als annähernd richtig angesehen werden kann, 
da in allen anderen Monaten die Ostströmung wesentlich nur östlich von 30° 
West-Lg. von irgend welchem Belang ist. Eine Einsicht in die Karten des 
meteorologischen Amtes wie auch in die Auszüge aus den Wetterbüchern der 
Seowarte zeigt uns auf den ersten Blick, dass die Strömungen nicht allein 
von Monat zu Monat in Richtung und Stärke sich periodisch verschieben, son- 
dern überhaupt in einem bestimmten Monate in verschiedenen Jahren verschie- 
den beobachtet worden, also nichts weniger als constant sind, obgleich die in 
den Karten dargestellten beiden Hauptrichtungen, wenn auch nicht in derselben 
Ausdehnung, überall unverkennbar hervortreten. Ohne auf alle Einzelnheiten 
einzugehen, zu deren Studium wir auf die englischen Publicationen und die 
seiner Zeit zur Veröffentlichung gelangenden Beobachtungen der deutschen 
Schiffsführer aus den Wetterbüchern der Seewarte verweisen müssen, wollen 
wir im Folgenden auf die wesentlichsten Momente dieser Veränderungen auf- 
merksam machen und versuchen ein übersichtliches Bild der Strömungen für 
jeden einzelnen Monat des Jahres zu geben. 
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