accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

131 
ebenso bedeutsam für den Ankergrund wie für manche wissenschaftliche Be- 
ziehungen. Ueberall ist es hier die gemeinschaftliche Ablagerung verschiedener 
Gemengtheile miteinander, was für viele praktische Fragen von grosser Bedeu- 
tung ist. Die mechanisch-chemische Analyse der Absätze wird hier noch Vie- 
les zu grösserer Klarheit bringen. 
Der Hafen von Valparaiso zeigt, wie auch ohne den Einfluss der Flüsse 
je nach der Windrichtung verschiedene Ablagerungen aufdem Meeresgrund erfolgen 
können. Während zur Zeit der fast das ganze Jahr herrschenden Südwinde 
der Hafen durch das Cap Coronillera geschützt wird und in dem klaren Wasser 
nur feiner Schlamm zur Ablagerung gelangt, so wird durch den einige Zeit 
wehenden Westwind das Wasser bewegter und es wird Sand mit zahlreichen 
Muscheln abgesetzt. Und so ist auch an anderen Stellen der Wechsel der 
Wasserbewegung, resp. Winde und Jahreszeiten auf die Ablagerungen von 
einigem. Einflusse, während andererseits sich meist und in grossen Districten 
eine gewisse Constanz herausgestellt hat und entsprechend auf den Seekarten 
zur Darstellung gelangt ist. Diese Constanz oder Veränderlichkeit des See- 
bodens muss aber vielfach selbst erst noch festgestellt werden. Wo in wich- 
tigen Küstendistrieten der Meeresboden nach Configuration, Tiefe und Bestand 
manchen Veränderungen unterworfen sein sollte, da ist eine öfter wiederholte 
Aufnahme überhaupt nicht zu entbehren. Geologische Thatsachen machen 
wahrscheinlich, dass die Ablagerungsverhältnisse im Meere über grössere 
Flächen und in langen Perioden ziemlich gleichartig sind. Die Modificationen 
derselben stehen zu den verschiedenen dynamisch-physikalischen Factoren und 
organischen Einflüssen in Verhältniss. Sind aber die Beziehungen der ge- 
nannten naturgesetzlichen Einflüsse zur Bildung des Meeresbodens’ bei ein- 
zelnen charakteristischen Meeresprofilen erst genau bekannt, so wird man aus 
der Zusammensetzung des Meeresbodens (Verhältniss von feineren zu gröberen 
Gemengtheilen, Körnung des Sandes, organische Beimengungen u. dergl.), auf 
die dynamisch-physikalischen und biologischen Einflüsse selbst wieder Schlüsse 
machen können und es zeigt sich bei so grossartigen Aufgaben, wie die mög- 
lichst eingehende Untersuchung einzelner Distriete nach allen den verschiedenen 
naturgesetzlichen Einflüssen, wie sie in einem vollen Meeresprofil zur Erschei- 
nung gelangen, hier als das zunächst Zweckmässigste angesehen werden muss, 
Von besonderer Bedeutung für die Zusammensetzung des Meeresbodens 
ist die bildende Thätigkeit von Organismen, indem manche im Wasser gelöste 
Stoffe dadurch in feste Form übergeführt, direct oder in wieder zersetizter oder 
mechanisch. veränderter Form abgelagert werden. Von grossartigem Einflusse 
ist hier namentlich die Thätigkeit kalkschaliger oder kieselschaliger Orga- 
nismen und der Kalkgehalt des Meeresbodens ist darauf direct oder indirect 
wesentlich zurückzuführen. - 
Die ‚Residua pflanzlicher oder thierischer organischer Substanzen 
werden mit. dem feinen Schlick an manchen Stellen vermengt und namentlich 
in ruhigen Buchten mehr abgeschlossener Meeresbecken entsteht dadurch 
ein weicher lockerer Schlamm, welcher als Ankergrund nicht den geringsten 
Halt bietet und deshalb ungünstig ist. Die Zersetzungs- und Reductions- 
processe, ‚welche. darin vor sich gehen und durch die Entstehung von Schwefel- 
eisen, durch Humusbildung und dergl.‘ auf die dunkle Färbung von Einfluss sind, 
befördern durch Gasentwicklung die Lockerheit dieser Bildungen.. Die Frage 
der Festigkeit des Meeresbodens ist für die praktischen Schiff fahrtsverhältnisse 
von besonderem Interesse und auf die Feinheit der Theile,. die Grösse von 
Sandkörnern, Kies und Steinen, die Zersetzungsprocesse, die Frage, ob Neu- 
bildung oder alte geologische Ablagerung, ist hier besonderer Werth zu legen, 
Namentlich die gegenseitige Vermengung verschiedener Theile. ist für die Natur 
des Ankergrundes von grossem Einfluss und ist hier wieder die ganze Zusammen- 
setzung in’s Auge zu fassen. | . 
Sowie. kalkschalige, Organismen in ihren Schalen und Resten das 
Material für den Kalkgehalt des Seegrundes, ein Merkmal, was auch praktisch 
wahrscheinlich verwerthet werden kann, abgeben, so werden ihre Reste in vielen 
Tiefseebezirken so einseitig abgelagert, dass der Kalkschlamm daselbst vor- 
herrscht. Doch hat der praktische Seemann wegen der grossen Tiefe damit 
meist. weniger zu thun. Wichtiger sind in dieser Hinsicht die kalkreichen Ab-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.