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teren Beziehungen. ergeben, nicht aufbewahrt und untersucht wird. Bei der
hier nothwendigen wissenschaftlichen Arbeitstheilung ist dies allerdings erklär-
lich, es sollte aber stets auch ein genaues Bild des Gesammtbestandes erstrebt
und gewonnen werden. Die praktischen Interessen des Seewesens weisen auf
Letzteres entschieden hin.
An den Küsten und auf dem Meeresgrunde giebt es Zerstörungs-, Umlage:
rungs- und Neubildungsprocesse mancher Art und durch die Natur derselben wird
die Zusammensetzung des Meeresbodens wesentlich bedingt. Man wird des-
halb die angegebenen naturgesetzlichen Vorgänge ins Auge fassen müssen, wenn
wir das rechte Verständniss für den Meeresgrund gewinnen wollen.
Wie auf dem Festlande treten an den Küsten und auf dem Meeresgrunde die
verschiedensten Gesteine und Ablagerungen zu Tage, resp. an das Wasser
heran, und sowie sie einerseits an vielen Stellen dem Wasser direct zur Ba-
sis dienen, so können andrerseits ihre Zerstörungs- und Zersetzungsproducte
auf die Zusammensetzung des Meeresbodens nicht ohne Einfluss sein und müssen
vielfach auch Merkmale zur Unterscheidung der betreffenden Districte abgeben
können. Solche Merkmale sind aber für die Schifffahrt an manchen Küsten,
in der Nähe von Inseln, Riffen u. s. w. von hohem Werth.
Von den alten geologischen Distrieten, welche durch die ihnen eigen-
thümlichen Bildungen charakterisirt werden und auf welchen Neubildung resp.
Ablagerung nicht stattfindet, müssen diejenigen Bezirke unterschieden werden,
in deren Ablagerungen sich die alluviale und neubildende Thätigkeit des jetzi-
gen Meeres documentirt, wenn auch die Abgrenzung von den vorhergenannten
nicht immer leicht ist. Für die praktischen Zwecke wird aber die Aufgabe
dadurch wesentlich erleichtert, dass es sich hier nur um eine möglichst genaue
naturwissenschaftliche und zweckmässig verwerthete sogen. petrographische
Charakteristik des Meeresgrundes handelt. ;
Sowie der Meeresgrund und die Küsten grossentheils selbst das Material
abgeben, welches zu neuen Ablagerungen an anderer Stelle benutzt wird, so
kommt andererseits durch die Flüsse beständig neues hinzu, gröberc wie
feinere Theile und sowie dies verbunden mit den vom Lande wie andererseits
vom Meere ausgehenden Wasserströmungen auf die Configuration des Meeres-
bodens an der Mündung den entschiedensten Einfluss hat, so werden viel-
fach auch die in dem Flusswasser suspendirten feineren Theile weiter in den
Ocean mitfortgeführt und um so weiter, je mehr sie durch Meeresströmungen
nach gewissen Richtungen hin verbreitet werden. Je nach dem Vorhanden-
sein derartiger Strömungen oder nach dem vorwiegenden Einflusse von Ebbe
und Fluth kommen die feinen suspendirten Thontheile mehr in weiteren Regio-
nen oder näher an der benachbarten Küste zur Ablagerung. Die durch Ebbe
und Fluth beeinflussten Flussmündungen der deutschen Nordseeküste geben
für das Eine, die Mündungen des Amazonenstroms und Orinocco in Südamerika,
deren Schlicktheile durch den Aequatorialstrom, resp. Guyanastrom weit nach
Nordwest hin fortgeführt werden, für das Andere ein charakteristisches Bei-
spiel ab. Der gelbe Schlamm des Wang-ho wird soweit in das Meer hinein-
geführt, dass davon das „gelbe Meer“ seinen Namen erhalten hat, und ähnlich lässt
sich sogar bei Flüssen, wie nach dem Zusammenfliessen von Rhein und Main,
die durch suspendirte Theile verursachte charakteristische Farbe beider noch
weit im gemeinschaftlichen Bette verfolgen. Es ist klar, dass dies auf die
Natur und Unterscheidung des Meeresgrundes nicht ohne Einfluss bleiben
kann und es muss dies um so mehr dort der Fall sein, wo einseitige Meeres-
strömungen das ganze Jahr hindurch vorherrschend sind.
In dem dichteren Wasser grosser Meerestiefen werden aber überhaupt
die feinerdigen Theile langsamer niedergeschlagen und so kommt es, dass die-
selben mit den Hauptmeeresströmungen auch in die grossen oceanischen Be-
zirke weit verbreitet werden können und zum Theil mit dem feinen Schlamm
der grossen Tiefseebecken zur Ablagernng gelangen — ein Verhältniss, wel-
ches für das Verständniss der Bodenbildung auf vielen Kalkgesteinen und für
ihren Werth im Interesse der Landescultur (Kreide, Jurakalk, Muschelkalk u. a.)
von entscheidender Bedeutung ist. Für den Sand giebt die Zerstörung von
Thonlagern zum Theil das Material her, welches mit jenem vermengt und für die
Bildung des mit feinerdigen Theilen gemengten Sandes sehr wichtig wird,