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fahr bringenden Untiefen, sowie wissenschaftlich zum Verständniss der ver-
schiedenen dynamischen und biologischen Verhältnisse das weitgehendste Inter-
esse in Anspruch nimmt, und es ist deshalb nothwendig, dass bei der Bestim-
mung eines vollständigen Meeresprofils diese Angaben nicht fehlen, dass sie
sogar bei den verschiedenen bestimmt charakterisirten Wasserschichten über-
einander, wenn irgend möglich, hinzugefügt werden. Die hierauf bezügliche ge-
enaue Feststellung, besonders die der Stärke und Richtung der Strömung, der
Temperatur, des Salz- und Gasgehalts, hängt allerdings von der Anwendung
der vorzüglichsten Instrumente, z. Th. von der Vervollkommnung der gegen-
wärtig gebräuchlichen ab. |
Bei dem häufig wechselnden Auftreten der Untiefen in der Nähe der
Küsten und Stromläufe und bei ihrer grossen Bedeutung für die Schifffahrt
wird die öfter und regelmässig wiederholte Aufnahme einzelner wichtiger
Districte kaum entbehrt werden können. Bezüglich der kartographischen Dar-
stellung der Tiefenverhältnisse scheint auch der Vorschlag von Littrow, die
Districte gleicher Seetiefe an oft gefahrvollen flachen Küsten für das Auge
schärfer zu markiren, als es auf den meisten Seekarten üblich ist, Beachtung
zu verdienen. ;
Eine grosse wissenschaftliche wie praktische Bedeutung hat die ge-
naue Kenntniss des Bestandes des Meeresgrundes — als des untersten zum
Meeresprofil gehörigen Gliedes — für die Wissenschaft deshalb, weil die
neubildenden und verändernden geologischen Processe der Gegenwart sich‘ auf
dem Meeresgrunde ständig fortsetzen und viele wichtige geologische und
biologische Fragen der älteren Vergangenheit dadurch allein erklärt werden
können und weil auch eine bedeutende Vervollständigung ‘unseres botani-
schen und zoologischen Wissens dadurch gewonnen wird; — für die prak-
tischen Schifffahrtsinteressen aber deshalb, weil der Boden des Meeres
als Ankergrund von sehr verschiedenem Werthe ist, weil ferner die Kenntniss
desselben zur geographischen Orientirung in lange anhaltenden Nebel- oder
Regenperioden, wenn Beobachtungen am Himmel nicht gemacht-werden können,
bei der Annäherung an Küsten, beim Einlaufen in Häfen, sowie an gefahrvollen
Stellen überhaupt nicht entbehrt werden kann. Neben den Tiefenangaben
sind deshalb schon seit längerer Zeit auf den Seekarten gewisse Merkmale über den
Bestand des Meeresgrundes mit eingetragen und der praktische Seemann legt
mit Recht auf diese Angaben einen hohen Werth. Es wird sich fragen, ob
dieselben durch genauere Untersuchungen und eine sich anschliessende bessere
praktische. Eintheilung und die. Hinzufügung noch einiger einfacher Unter-
scheidungsmerkmale nicht noch vervollständigt werden können, Der Hydro-
graph der Kaiserl. Admiralität Prof. Dr. Neumayer spricht sich in der „An-
leitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen“ über die gebräuchliche
Bezeichnung der verschiedenen Gattungen von Bodenarten in folgender Weise
aus: „Es lässt sich über diese Eintheilung nur soviel sagen, dass sie einer
strengen Grundlage entbehrt und dass, würde eine solche geschaffen, der Navi-
gation und auch der Wissenschaft ein wesentlicher Dienst geleistet werden
würde.“ Es liegt in der Natur der Sache, dass dies nur durch genaue Kennt-
niss der vorkommenden Grundproben und eine sich anschliessende praktische
Eintheilung und Benennung möglich ist. Die zur Zeit üblichen Bezeichnungen
der Bodenarten sind aber in der That sogar auf dem Lande nicht selten so
ungenügend, dass damit wenig anzufangen ist, wie viel mehr wird dies bei den
Meeresgrundproben stattfinden müssen, aber man darf für die praktische Ver-
werthung in Schifffahrtskreisen die Anforderungen auch nicht zu hoch stellen.
Es ist unzweifelhaft, dass eine möglichst eingehende Kenntniss und prak-
tische Charakteristik des Meeresgrundes zu den wichtigen Aufgaben der mari-
timen Wissenschaften gehört und es stimmt damit überein, dass dadurch auch
für wissenschaftliche Vergleichungen ausserordentlich viel gewonnen wird. Es
ist hierbei nur immer‘ der gesammte Beständ des Bodens mit seinen verschie-
denen unorganischen, sowie seinen lebenden und todten organischen Beimen-
gungen im Auge zu behalten; derselbe kann zur vollständigen Darstellung des
Gesammtprofils nicht entbehrt werden. Nur zu oft. wird in dieser Hinsicht
gefehlt, indem die Botaniker und Zoologen sich je das Ihrige aus den Meeres-
proben herausfischen und das Ganze, durch dessen Untersuchung sich die wei-