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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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„Hs ‚weht beständig Sturm*) zwischen Nord und West missweisend 
(oder rw. NWzN und SWzW) mit Schnee-, Hagel- und Regenböen, diesigem 
Horizont, aber oftmals klarem Himmel und kühlem Wetter. Ab und zu wird 
dieser Nord- bis West-Sturm durch leichtere Winde aus denselben Richtungen, 
oder noch seltener durch stürmischen NO-Wind unterbrochen; letzterer bringt 
dichten Regen und Nebel und wärmeres Wetter, Andere Winde treten nur 
ganz vorübergehend auf.“ 
Ohne Zweifel müssen die meteorologischen Verhältnisse auf der Kerguelen- 
Insel sehr einfacher Natur sein, wenn man sie so kurz charakterisiren kann, 
aber auch sehr geeignet, um die Ursachen der Luftbewegungen an der Hand der 
Beobachtungen zu ergründen. ; 
In dem bedeutenden Vorherrschen der Windrichtung zwischen NWzN 
und SWzS (von 1848 Beobachtungsstunden kommen 1445 auf diese Windrichtung) 
und in der grossen durchschnittlichen Stärke des Windes scheint neben dem Thermo- 
meter- und dem Barometerstande (sowohl in Bezug auf geringe Höhe beider, wie 
in Bezug auf die barische Windrose) der Hauptunterschied der meteorologischen 
Verhältnisse der südlichen Halbkugel von derjenigen der nördlichen zu bestehen. 
Das Dove’sche Drehungsgesetz prägt sich hier — wie üherhaupt auf der süd- 
lichen Halbkugel — viel schärfer aus, als auf der nördlichen Erdhälfte; man 
kann mit völliger Sicherheit auf das Umgehen eines Nordwindes in einen nord- 
westlichen und westlichen rechnen; auch ist das von Dove erklärte Flattern 
des Windes zwischen Nord und West auf Kerguelen eine gewöhnliche Erschei- 
nung, Die anderen Wechsel in den Windrichtunger sind in der Regel durch 
kurze Stillen bezeichnet... Die grosse und im Ganzen zwischen engen Grenzen 
schwankende Stärke der nordwestlichen Winde lässt sich vielleicht auf die 
bei ausgedehnteren Verdunstungsflächen — die Folge der grösseren Wasser- 
bedeckung der südlichen Hemisphäre — naturgemäss auch grössere Dampf- 
atmosphäre und auf die Beeinflussung ihres Gleichgewichtes durch selbst geringe 
Temperaturschwankungen zurückführen und erklären. 
Auffallend ist ferner, dass die Lufttemperatur auf Kerguelen, wenn der 
Wind aus NO über Nord nach West geht, ziemlich regelmässig sinkt und dass 
die Niederschläge in der Regel- schon bei NW-Winden nachlassen oder auf- 
hören, völlig aber, wenn der Wind noch weiter westlich geht. Die äquatorialen 
Stürme scheinen nicht weiter südlich, als bis WSW.zu gehen, wie aus den dor- 
tigen Beobachtungen hervorgeht.“ 
Im Gegensatze zu den von früheren Beobachtern erwähnten Angaben 
hat Herr v. Schleinitz die Bemerkung gemacht, dass die grösste Heftigkeit 
eines westwärts gegangenen Sturmes in der Regel nicht mit dem niedrigsten 
Barometerstande zusammenfällt, sondern bei dem Steigen des Barometers ein- 
zutreten pflegt, welches bei Nord- und NNW-Sturm stark heruntergegangen ist. 
Das Steigen des Barometers ist auch ein ziemlich zuverlässiges Anzeichen, dass 
der Wind westlicher geht und lange anhält. 
Gutes Wetter, d. h. schwache Winde sind fast nie mit hohem, sondern 
stets mit mittlerem oder niederem Barometerstande verbunden; der niedrigste 
Stand findet in der Regel bei Stille oder flauer Brise zwischen Nord und Ost 
mit starkem Regen statt; diesem folgt alsdann ein Nord- und NW-Sturm, Geht 
ein nordwestlicher und westnordwestlicher Sturm nach Nord und NNW, so 
das Barometer zuweilen sehr hoch nnd der nördliche Wind bleibt an- 
altend. 
*) Als einen sehr interessanten Belag für die stürmische Witterung, welche auf Kerguelen 
herrscht, kann man die Beobachtung des Dr. Studer anführen, dass die hier vorkommenden 
Insecten, insbesondere die Fliegen, mit der Zeit ihre Flügel, abgelegt haben, als nutzlose An- 
hängsel, weil die Stürme ihnen das Fliegen nicht gestatten, ;
	        
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