accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

114 
eine Anhäufung von interessant geformten, hohen Bergspitzen beginnt, welche 
auf zwei, nur durch schmale niedrige Landzungen mit der Insel verbundenen 
Halbinseln aufgethürmt, den Sund nach Süden abschliessen. 
Diese Umgebung des Royal Sound gehört jedenfalls zu den schönsten 
Partien der Insel und bietet in den Bergformen mehr Abwechselung, als 
irgend ein anderer Theil der Küste. Leider gestatteten die Umstände nicht 
sine genauere Untersuchung der südlichen Bergzüge, in deren Form weit weni- 
yer der gewöhnliche basaltische terrassen - plateauförmige Charakter zum Vor- 
schein kommt, und die daher in geologischer Beziehung ein grösseres Interesse 
beanspruchen. _ 
Da hier zwei andere grosse Nationen ihre Beobachtungsstationen er- 
richtet und ihre Kriegsschiffe stationirt hatten, so werden von dieser Seite 
Untersuchungen angestellt sein, die vermuthlich auch auf die benachbarte 
Sprightly Bucht, in der warme Quellen vorkommen sollen, ausgedehnt sein 
werden. 
Die südwestliche und westliche Küste sind in Folge der beständig auf 
sie zustehenden Stürme schwer zugänglich, wenn schon das von Robbenschlägern, 
welche mit ihren kleinen Schonern in verschiedenen der dort vorhandenen 
Buchten vor dem Wetter Schutz finden, behauptete Vorkommen eines thätigen 
Vulkans und mineralischer Quellen die nähere Untersuchung erwünscht macht. 
Die Vegetation der Inselgruppe besteht, abgesehen von den Wasser- 
pflanzen, vorzugsweise aus Moosen, Gräsern und sehr kleinen Farn, von denen 
die meisten antarktischen Regionen, einzelne aber auch nur diesen Inseln eigen- 
thümlich sind. Wenn die Flora in Bezug auf Mannigfaltigkeit der Arten auch 
von einer, namentlich für die verhältnissmässig niedrige Breite, seltenen Ar- 
muth ist, so besitzt sie doch räumlich eine grosse Ausdehnung. Abgeschen 
von den höchsten Bergen und den senkrechten Felswänden, sowie von den 
grossen Steintrümmern, findet man nur wenige ganz vegetationslose Stellen und 
noch seltener längere Strecken ohne Pflanzenwuchs. 
Das kleinere Gestein. wird von dem am häufigsten und der Insel in dieser 
Species eigenthümlichen, polsterartigen Decken bildenden Moose (Azorella) 
überzogen und scheint unter diesen, die Feuchtigkeit in hohem Grade einsau- 
genden und dieselbe bewahrenden Pflanzen weit schneller zu verwittern als in der 
freien Luft. So wirkt diese Pflanze vorzugsweise Humus bildend, den man 
deshalb in ziemlich grosser Ausdehnung und Mächtigkeit in allen Bodensen- 
kungen findet. Mit diesem Moose trägt eine andere dunkelgrüne, zierliche 
antarktische Pflanze mit röthlicher, kugelförmiger Blüthe (Acaena), hauptsäch- 
lich an Abhängen in grossen Massen fusshoch wuchernd, dazu bei, den felsigen 
Landschaften Abwechselung und Leben zu verleihen. 
Abgesehen von einigen, gutes Viehfutter bildenden Gräsern kommt nur 
eine, und zwar ausschliesslich der Kerguelen - Insel eigenthümliche Nutzpflanze 
vor: der schon durch Cook bekannt gewordene Kerguelenkohl, welcher 
fm sehr werthvolles, aromatisches und antiskorbutisch wirkendes Gemüse 
i1efart. 
Die Flora der Kerguelen ist durch das schöne Werk von Dr. Hooker 
(des damaligen Assistenz-Arztes des „Erebus‘“ unter Capitän Ross) Flora ant- 
actica bekannt geworden. Auch hat Stabsarzt Dr. Naumann einige neue 
Pflanzen auf den Kerguelen entdeckt; über diese, sowie über die zoologischen 
Untersuchungen und Forschungen, welche Herr Dr. Studer und Herr Dr.Hüsker 
auf und bei den Kerguelen ausgeführt haben, wird ein späterer ausführlicher 
Bericht über die Expedition S. M. S. „Gazelle“ das Nähere mittheilen. Von 
besonderem Interesse sind die Notizen, die über den Robbenfang bei den 
Kerguelen und Crozet-Inseln gesammelt worden sind. 
Von den an Land bei dem Observationshause vom 15. November 1874 
bis zum 29. Januar 1875 angestellten meteorologischen Beobachtungen, sowie 
von den an Bord S. M. S. „Gazelle“ südlich vom 45. Parallel gemachten Beob- 
achtungen sind die Hauptresultate in dem dritten und vierten Artikel dieses 
IV. Abschnittes des Berichtes über die Expedition S. M. S. „Gazelle“ 
wiedergegeben worden (s. Seite 115 und 120).
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.