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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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Die Expedition S. M. S, „Gazelle.“ 
IV. 
l. Vorläufiger Bericht über die Reise S. M. S. „Gazelle“ von der 
Capstadt bis zu den Kerguelen-Inseln. 
Am 26. September 1874 war S. M. S. „Gazelle“ unter dem Commando 
des Capitain z. See Frhrn. v. Schleinitz mit den nach Kerguelen bestimmten 
Gelehrten der Venus-Expedition an Bord in der Tafelbai bei der Capstadt 
angekommen (s. „Hydr. Mitth.‘“ 1874, pag. 295) und verliess am 3. October 
die Zafelbai, nachdem sie sich mit den nöthig gewordenen Ausrüstungsgegen- 
ständen für die Reise nach den Kerguelen und den längeren Aufenthalt daselbst 
genügend versorgt hatte. Die Besorgung und Herbeischaffung derselben hat 
aber bei der Capstadt grosse Schwierigkeiten, da wegen der geringen Sicher- 
heit der Rhede der Capstadt, die durch den noch nicht vollendeten Molenbau 
nicht viel gewonnen hat, nur wenige Schiffe diese Rhede besuchen und die 
Vorräthe und Ausrüstungsgegenstände von verschiedenen Stellen herbeigeschafft 
werden müssen. 
Die Reise nach den Kerguelen war von auffallend ungünstigen Winden 
begleitet; zuerst ging in der Nacht vom 3. zum 4, October bald nach dem 
Verlassen der Tafelbai der flaue westliche Wind nach Süd um und wuchs zu 
einem heftigen Sturm, der sich zwischen SSO und SSW hielt; erst am 8. Oc- 
tober wurde der Wind nördlich und westlich, aber schon am 11. October wie- 
der südlich und östlich; in der Nacht vom 12. zum 13. October brach ein 
starker Ost-Sturm (Stärke — 10 bis 11) aus; hierauf wechselten flaue westliche 
bis südliche Winde mit Stürmen, die über ÖSO und Süd nach SW gingen und 
von niedriger Temperatur (2° bıs 3° C.) und Hagel- und Schneeböen begleitet 
waren. Erst in 45° Ost-Lg., in der Nähe der Crozets-Inseln, trat der günstige 
Wind ein, welchen man nach allen Erfahrungen und den Windkarten in der 
Breite (44° bis 45°), in welcher „Gazelle“ sich schon seit mehreren Tagen be- 
fand (vom 12. bis 17. October) beständig zu erwarten berechtigt ist, nämlich 
frischer oder stürmischer Wind zwischen SW und NO über NW. Am 18. Oc- 
tober Vormittags näherte sich „Gazelle“ der westlichsten Insel der Crozet-Gruppe 
Hog-Island. Da es stark aus NNO wehte mit dichtem Regen, beabsichtigte 
Frhr. v. Schleinitz in Lee südlich vorbeizugehen, doch klarte es gegen 
Mittag auf, während der Wind westlich ging, weshalb er auf Hog-Island zu 
hielt, dasselbe sichtete und Obserrvationen zur besseren Feststellung seiner Lage 
anstellte. Sodann auf die Pinguin Inseln zuhaltend, war Herr v. Schleinitz 
erstaunt, statt ihrer zwei, wie sie noch in der neuesten vom „Challenger“ ver- 
besserten Admiralitätskarte angegeben sind, nur eine Insel zu finden, die be- 
hufs genauer Aufnahme umsegelt wurde. Im Süden der Insel wurde ein Riff 
entdeckt, welches gefährlich ist, weil es selbst in dem damals herrschenden 
Sturm nur schwach brandete. . 
Um am anderen Morgen, am 19. October, die amerikanische Station auf 
Possession-Insel aufsuchen zu können, drehete die „(azelle‘“ in der Nacht östlich 
von Pinguin-Insel bei. Mit Hellwerden wurde der Kurs auf die Mitte von 
Possession-Insel gesetzt, eine Vormittags-Observation ergab indess, dass während 
der Nacht nördlicher Strom gesetzt hatte, in Folge dessen „(7azelle“ westlich 
von Possession-Insel passirt haben musste. Obgleich der Himmel öfter klar 
und auch die Luft scheinbar nicht dick war, sind diese Inseln gewöhnlich doch 
so in Nebel gehüllt, dass man sie trotz ihrer Höhe von mehreren tausend Fuss 
auf 2 bis 3 Seem. passiren kann, ohne sie zu sehen. Nach Mittag wurde der 
Kurs direkt auf die Ostseite der Insel zu gesetzt, worauf hohes, in dichtem 
Nebel gehülltes Land in Sicht kam. Die „Gazelle“ steuerte hierauf die Küste 
an, und zwar ein Cap, welches aus einer Höhe von vielen hundert Fuss senkrecht 
in’s Meer abfiel und dessen Umrisse man erst auf 1 bis 2 Seem. etwas genauer 
zu erkennen vermochte. Der Verlauf der Küste, soweit er zu erkennen war, 
ergab, dass entweder die Insel in der Richtung ihrer Küsten falsch in der 
Karte niedergelegt; oder dass das gesichtete Land nicht Possession, sondern 
East-Insel war, auf dessen Küstenverlauf die Peilungen ungefähr stimmten, 
In diesem Falle aber kann die Insel in Länge nicht richtigx liegen. — Bei
	        
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