I6
wären. Gleichzeitig sei an der SW-Seite der Insel eine Untiefe entstanden,
welche sich bis auf eine halbe Seem. Entfernung erstreckte, da, wo bisher
7.3 Meter Wassertiefe gewesen und der Kaufmann Philipeus sonst mit seinem
Dampfer geankert hätte. Als Herr Philipeus am 24. Juni 1873 die Nordseite
der Insel passirte, beobachtete er auch selbst den noch immer anhaltenden Aus-
bruch des Vulkans.
6. Strömung an der Südküste von Australien. Der mit Vermessungs-
arbeiten beauftragte Staff-Commander H. J. Stanley, R. N. berichtet über die
Strömung an der Südküste von Australien, nach der Hydrographie Notice
No 24 London 1874, zur Ergänzung des „Australia Directory‘ Vol. I pag. 499,
500 wie folgt:
In der offenen See zwischen dem Cap Leeuwin. und dem Cap Otway
scheint die Strömung hauptsächlich von den herrschenden Winden beeinflusst zu
werden; letztere wehen während 9 Monaten im Jahre recht frisch aus Westen,
Nur bei den von Mitte Januar bis Mitte April vorherrschenden östlichen Winden
finden die Schiffe, welche sich der westlichen Einfahrt der Bass-Strasse nähern,
eine nach SO setzende Strömung, die je nach der Stärke und der Dauer der
westlichen Winde !a bis 2!/2 Knoten Geschwindigkeit erreicht.
Es ist von erfahrenen Seefahrern behauptet worden, dass der südöstliche
Strom in der Nähe der Küste bei östlichen Winden aufgehalten wird, aber in
der offenen See setzt die Strömung stets nach SO, jedoch ist diese Behauptung
noch zu bestätigen.
Nähert man sich der Insel King von Westen, so muss besonders während
dicken oder nebligen Wetters Vorsicht gebraucht werden, da die Strömung
sehr verschieden an Stärke ist, auch muss fleissig gelothet werden. Viele
grössere Schiffsunfälle haben auf dieser Insel stattgefunden, die nur auf Fehler
in der Besteckrechnung zurückzuführen sind. (S. Hydrographische Mittheilungen
1874 pag. 232).
Lothungen von 110 oder 128 Met.. findet man 25 bis 30 Secm. westlich
der Insel King; ausserhalb dieser Grenze nimmt die Wassertiefe rasch zu, so
dass man mit 183 Met. Lothleine keinen Grund erhält. Innerhalb der 110 Met,.-
Linie ist die Wassertiefe unregelmässig, aber 4 Seem. NW vom Cap Wickham
findet man 55 Met. Tiefe. (S. Hydrographische Mittheilungen 1874 pag. 255).
7. Witterungs-und Strömungsverhältnisseim AtlantischenOcean
zwischen Funchal auf Madeira bis Rio de Janeiro vom 24. November bis 22. De-
zember 1874.
Während der Reise S. M. S. „Hertha‘* von Madeira bis Rio de Janeiro
vom 24. November bis 22. Dezember 1874 herrschte, wie der Commandant der
„Hertha,“ Corvetten-Capitain Knorr, berichtet, fortwährend gutes Wetter vor
und bis in die Nähe der Cap Verde’schen Inseln ein frischer Passat, aus Anfangs
östlicher, später südlicher ichtung, Von hier an (16.5° Nord-Br. und 26.5°
West-Lg.) wurde die Fahrt durch andauernd leichte und östliche Winde und
durch Stillen unterbrochen, welche in 10° Nord-Br. dem Wetter in Folge der
vielen gleichzeitig auftretenden Regen und des aus südlicher Richtung folgenden
Windes den Charakter dor äquatorialen Calmen geben. Den Calmengürtel selbst
traf S. M. S. „Hertha“ in Uebereinstimmung mit der Stromkarte erst in 6° Nord-
Br. und 26.5° West-Lg. Von 5° Nord-Br. an und in Länge von 26° West wurde
der Wind rw. O0SO und wuchs, anfangs leicht, bis zur Stärke von 5, sich nach
SO ziehend; als solcher oder Passat setzte er am 10. Dezember in 0°28‘ Nord-
Br. und 28°3‘ West-Lg. ein und dauerte so bis zum 16. Dezember in 15° Süd-
Br. und 34° West-Lg. Der Wind drehte durch Ost nach Nord und blieb so
mit der Stärke 1—7 bis zum 22. Dezember bei Rio de Janeiro.
Die „Hertha“ hat am 11. Dezember in 28° West den Aequator geschnitten,
also westwärts von 26° West, wie für die Monate vom October bis März
empfohlen ist (s. Hydr. Mitth. 1873 pag. 274) und die ganze Reise von Madeira
bis Rio de Janeiro in 28 Tagen zurückgelegt, mithin in einer verhältnissmässig
kurzen Zeit, da der NO-Passat schon bei den Cap Verde’schen Inseln sehr flau
and der SO-Passat leicht war. Aus der Kurskarte der „Hertha“ ist zu ent-
nehmen, dass sie bestrebt war, möglichst schnell in rw. südlicher Richtung