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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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man Ballast zu löschen, so muss man hinaussegeln bis in 18 Met. Wassertiefe 
und daselbst den Ballast über Bord werfen; erhält man dann Ordre zum Laden, so 
wird verlangt, dass das Schiff so nahe als möglich an den Strand kommt, aber es 
ist gefährlich, näher als in 8 Met. Tiefe zu gehen, da der Grund sehr felsig ist 
und viel Arbeit beim Ankerlichten verursacht. 
Die Schwefel-Magazine liegen östlich des Hafens längs dem Strande: bei 
westlichen Winden ist dieser Ladeplatz einigermassen durch die Hafenmole ge- 
schützt, aber der leichteste Ostwind . verhindert jede Arbeit, Unser Schiff 
brauchte 85 Tage zum Laden, von denen aber nur 36 zur wirklichen Arbeit 
verwendet werden konnten; da während der übrigen Zeit die Arbeit durch Wind 
oder durch einige, hier sehr häufig vorkommende hohe Festtage unterbrochen 
wurde. Wenn der Schwefel nach der alten Mole gebracht würde, so könnten 
die Boote fast bei jedem Wetter laden, aber das erlauben die Kaufleute nicht, 
weil sonst ihr Vorrath stets bald verbraucht ist, denn der Schwefel wird aus 
dem Lande in Karren gebracht, die nur ein Paar Zentner tragen können. 
Die Arbeitszeit beginnt bei guten Wetter Morgens 7 Uhr und ist 5 Uhr 
Nachm. zu Ende, davon gehen 2 Stunden für Mittag etc. ab, so dass nur 
8 Stunden übrig bleiben. 
Von den verschiedenen Frischwasser-Behältern in der Stadt ist einer für 
den Schiffsgebrauch bestimmt, derselbe befindet sich im Hafen, gegenüber dem 
Gefängniss der Galeerenselaven. Das Wasser fliesst aber nur spärlich und 
wird” von früh Morgens bis spät in die Nacht von den Küstenfahrern in Be- 
schlag genommen; . dadurch haben die Schiffe viel Mühe Wasser zu bekommen. 
Salzproviant kann man nicht erhalten, oder man muss denselben sich 
von Malta verschreiben, aber frisches Rindfleisch ä 1 Lire 80 Cents das Kilo, 
Schweinefleisch 1 Lire 40 Cents, Hammelfleisch 1 Lire 20 Cents das Kilo kann 
man bekommen; ferner auch Schiffsbrod von Neapel oder Malta zu 58 bis 64 
Lire für 100 Kilo. Butter ist nicht zu haben und Kartoffeln von Neapel oder 
Malta kosten 16 Lire ä 100 Kilo, Ein Kopf Kohl kostet 60 bis 80 Cents; 
Eier 10° Cents das Stück; Apfelsinen 3 für 10 Cents und frische Fische sind 
sehr theuer. Im Allgemeinen ist der Proviant mithin theuer und Gemüse ist 
dazu noch schlecht. Die Hafenabgaben sind dagegen nicht zu hoch.“ 
Kleinere hydrographische Notizen. 
I. Hafen von Smyrna. Nach der Augsburger Allgemeinen Zeitung 
No. 21 vom 21. Januar 1875 ist in neuester Zeit in Smyrna bei der Anwesen- 
heit des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Ethem Pascha’s, die Frage der 
so dringend nothwendigen Ausbaggerung der Einfahrt in den Golf zur Sprache 
gekommen. Bei dem KEinsegeln müssen sich jetzt die grösseren Schiffe ganz 
südlich an den Bergen halten, besonders in der Nähe des sogenannten „Schlosses“, 
da in einer Entfernung von ca. 400 Met.. die Wassertiefe kaum’ 7.s Met. be- 
trägt. Diese Versandung entsteht durch die Ablagerung des Schlammes und 
Sandes, welche der an der Nordküste des Golfes mündende Fluss Gedis- Tahaz 
(der Hermos der. Alten) mit sich führt. Die Versandung ist links so gross, 
das für die Zukunft sehr zu fürchten ist, wenn nicht bei Zeiten etwas dagegen 
gethan wird. Der ehemalige Statthalter der Provinz, Sadyk Pascha, hat schon 
früher Untersuchungen - anstellen lassen zu dem Zwecke, den Hermos nach 
Westen in die Aggria-Bucht zu führen, aber spätere Untersuchungen ergaben, 
dass eine Verlegung der Flussmündung nichts helfen würde, da der Fluss wegen 
Mangels an Gefäll bei. der betreffenden Mündung stets eine Sandbarre ablagern 
würde, 
Die Kaibauten sind bereits ziemlich weit vorgeschritten und wird nach 
Vollendung derselben die Rhede von Smyrna sehr gewinnen, denn bis jetzt war 
dieselbe nur gegen Nord- und Süd-Winde geschützt, wogegen sie gegen Westen 
ganz frei war; deshalb kam es auch oft vor, dass Schiffe im Winter bei west- 
lichen Stürmen das Laden unterbrechen mussten. Grössere Schiffe konnten ‚sich
	        
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