Walter Knoche: Der „Austrocknungswert“ als klimatischer Paktor.
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„normal“ finden sich nur an arktischen und subarktischen Stationen. Es ist auffallend, daß im Sommer
Berlin oder Valdivia bei Wind den gleichen geoklimatischen Wert zeigen wie Timbuktu oder Chartum
bei Windstille (Stufe V) (66). Umgekehrt werden bei Windstille die extremsten Stufen nicht erreicht;
im Winter finden sich in den Stufen IV und V nur Chuquicamata in der nord-chilenischen Wüste so
wie Chartum und Timbuktu in der Sahara resp. im Sudan. Selbst im Sommer kommt als höchste nur
Stufe VI in Betracht mit Assuan und der Oase Dachei (Sahara).
Auf der extremsten Stufe VIII stehen auch bei Wind nur wenige Orte, die größtenteils bekannten
Trockengebieten angehören, aber auch das in der Tropenregion gelegene insulare
Port Blair zeigt dank relativ großer Windstärken einen außerordentlich
hohen geoklimatischen Austrocknungswert (67).
Die niedrigsten bioklimatischen Austrocknungswerte finden sich für Wind
stille in Jaluit (Januar) und Buschir (Juli) (68), wobei Jaluit sich durch günstigere Temperaturbedingun
gen auszeichnet.
Die höchsten bjoklimatischen Aus trocknuingswerte für Windstille und Wind,
für Sommer und Winter haben Collahuasi und Chuquicamata (Stufe VII) und im Winter Werchojansk
und Russkoje Ustje (Stufe VIII) (69).
Dagegen besitzen die Stationen der Sahara resp. des Sudans wie Chartum, Timbuktu, Assuan,
Oase Dachei und Heluan auch bei windbewegter Luft nicht höhere bioklimatische Austrocknungswerte,
als sie in den Stufen V und VI enthalten sind. Chartum und Heluan haben bei Windstille und im Som
mer einen niedrigen Austrocknungswert (Stufe III), Timbutku einen noch geringeren (Stufe II) (70).
Zusammenfassung.
Weder die relative noch die absolute Feuchtigkeit oder das Sättigungs
defizit sind klimatische Werte, welche im allgemeinen in befriedigender
Weise die Verdunstung oder als physikalischer Ausdruck die Wasserab
gabe der organischen Welt bestimmen. Ungleich vorteilhafter ist in dieser
Hinsicht der Austrocknungswert zu benutzen, welcher die austrocknende
Kraft der Luft weit besser kennzeichnet, da in ihm die Oberflächentempera
tur, der atmosphärische Wasserdampfgehalt, die Luftbewegung und der Luft
druck enthalten sind, Elemente, die sämtlich auf die Wasserabgabe eines
Gegenstandes Einfluß haben.
Es ist unbedingt erforderlich, zwei Austrocknungswerte zu unterschei
den, nämlich einen geoklimatischen, der die wasserentziehende Kraft der
Luft in bezug auf die Bestandteile der Erdoberfläche darstellt, und einen
bioklimatischen, der das physikalische Maß für die Wasserabgabe im physio
logischen Sinne ist, und dem als (veränderlicher) O-Punkt die Hauttempe
ratur zugrunde liegt.
Die bioklimatischen Austrocknungswerte haben bei bekannter Abküh-
lungsgröße eine besondere physiologische und biologische Bedeutung.