4.3 Organische Stoffe
System Nordsee
211
und auch nicht durch Adsorption an Schwebstoffe dem Wasser entzogen werden, ver
halten sich wie Meersalz: »hydrodynamisch konservativ^ Diese gleichartige Verhal
tensweise tritt in Streudiagrammen für Stoffkonzentration gegen Salzgehalt als lineare
Mischungslinie in Erscheinung, während davon abweichende Verlaufsformen auf zu
sätzliche Quellen und / oder Senken hinweisen.
Eine explorative Zusammenhangsanalyse in Form derartiger Streudiagramme, die für
10 wichtige polare Herbizide auf Basis der im Mai / Juni (Deutsche Bucht, Gauß #440)
und August/September (Nordsee, Gauß #446) gewonnenen Daten durchgeführt
wurde, lieferte deutliche Hinweise für das relativ konservative Verhalten dieser Stoff
gruppe. Diese Analysen lassen sich zwar formal zu mittleren Korrelationskoeffizienten
kondensieren, die für die Deutsche Bucht 0.91 und die Nordsee 0.65 betrugen; im
Rahmen der Erörterung der HCH-Konzentrationen des Meerwassers wurde jedoch
bereits gezeigt (Abschnitt b), 5. 183), dass lineare Zusammenhänge zum Salzgehalt
meist nur in engen räumlichen Grenzen gelten, nämlich dort, wo im Wesentlichen eine
Zweikomponentenmischung vorliegt. Solche Verhältnisse herrschen i. d. R. schon
nicht im Seegebiet der Deutschen Bucht und erst recht nicht in der Nordsee als Gan
zes, in der sich weitere unterscheidbare Quellen und Wassermassen mischen. Daher
sind die o. a. »globalen« Korrelationskoeffizienten lediglich als Hinweis für grundsätz
lich konservatives Stoffverhalten zu betrachten.
Anhand der Regressionsanalyse für ß-HCH im Seegebiet Deutsche Bucht war de
monstriert worden (vgl. Abb.4-21,S. 184), dass für sinnvolle Ergebnisse gewöhnlich
eine Aufteilung des Datensatz erforderlich ist, die den besonderen ozeanographischen
Gegebenheiten der Region Rechnung trägt. Eine entsprechende regionale Untertei
lung in Elbe- und Rheinregime war beispielsweise auch im Fall von Diuron und Atrazin
aufgrund unterschiedlicher Stoffquellstärken dieser Flüsse erfolgreich. Die gegenüber
der Mischungsgeraden für Stationsdaten im Elbfahnenbereich steilere Orientierung
der Mischungslinie für solche Daten aus der westlichen Deutschen Bucht zeigt dabei
nicht nur an, dass Rhein/Maas/Schelde stärkere Quellen für Atrazin und Diuron dar
stellen als die Elbe, sondern auch, dass das von Südwesten in die Deutsche Bucht
einströmende Nordseewasser erheblich vorbelastet ist. Diese Belastungssituation un
terscheidet sich deutlich von derjenigen für a- und ß-HCH, welche fast vollständig
durch Stoffquellen in der südöstlichen Deutschen Bucht (Elbe) bestimmt ist (Abb. 4-21,
S. 184).
Die Notwendigkeit regionaler Stratifizierung für sachgerechte Korrelations- und Re
gressionsergebnisse besteht auch für die Seegebiete des nördlichen (vgl. Abb. 4-38,
S. 209', Stationen >53<, >46<, >45<, >33<, >29<, >Ente3<) und südlichen atlantischen Ein
stroms (Stationen >904< bis >909<). Im August / September 2005 wurden hier bei ähn
lichen Salzgehalten (um 35) für Atrazin relativ homogene Grundbelastungen von
0.54 ng/L (NAE) und 0.85 ng/L (Kanal) festgestellt. Die individuellen Salzgehaltskor
relationen von - 0.79 (NAE) und - 0.59 (Kanal) verschwinden (+ 0.23), wenn eine re
gionale Stratifizierung der Daten unterbleibt.
Auch das Ostseewasser ist meist als eigenständige Eintragsquelle identifizierbar. So
ergibt sich etwa für die Diuronkonzentrationen zwischen Baltischem Ausstrom (Station
>40<, 2.5 ng/L, s=29.1) und nördlichem atlantischen Einstrom (Station >45<, s=35.2) ein
Gefälle von lediglich - 0.4 ng/L pro Einheitssalzgehalt (Abb. 4-39,5.210) und damit eine
signifikant flachere Mischungsgerade als im Elberegime.
Die vorstehende Diskussion macht deutlich, dass sich aufgrund der stoffspezifischen
Eintragscharakteristika (unterschiedliche Quellen und Quellstärken), die zudem zeitli