4.3 Organische Stoffe
System Nordsee
193
sten Konzentrationen wurden auf allen Stationen für HCB gefunden. CB153 lag in glei
chen oder geringfügig höheren Konzentrationen als DDD vor, außer auf der nordwest
lichsten Station >WB5<.
Die unterschiedlichen Konzentrationsmuster von DDD und HCB sind z. Z. schwierig
zu interpretieren. Die Tatsache, dass DDD in der Elbe selbst die höchsten Konzentra
tionen aufweist, erscheint zunächst im Einklang mit den gegenüber den HCB-Gehal-
ten deutlich höheren Konzentrationen im Einflussbereich der Elbfahne. Andererseits
liegt HCB im Elbewasser in zweithöchster Konzentration vor, in den schwebstoffbürti-
gen Sedimenten der Elbe sogar mit den höchsten Konzentrationen. In den Sedimen
ten der Deutschen Bucht hingegen weist HCB die niedrigsten Konzentrationen auf. Al
lerdings ist HCB auch die Komponente mit der größten Wasserlöslichkeit, so dass eine
leichtere Remobilisierung durch Auswaschen denkbar ist. Die Sedimentgehalte in der
inneren Deutschen Bucht sind daher kaum als direkte Ablagerung von Elbesedimen
ten oder -Schwebstoffen interpretierbar.
Zeitliche Tendenzen sind bisher für keinen der Stoffe auf keiner Station erkennbar.
Gründe hierfür sind wiederum der kurze Beobachtungszeitraums von nur 10 Jahren
und die hohe Variabilität der Konzentrationen. Auch die Normierung der Konzentratio
nen auf den TOC-Gehalt führte zu keiner spürbaren Reduktion der hohen Schwankun
gen.
4.3.4 Kohlenwasserstoffe
Tafel 4-4: Kohlenwasserstoffe
Erdöl wird weltweit In großen Mengen gefördert, transportiert und verarbeitet, so dass eine besondere Um
weltbeobachtung vor allem aufgrund der großen Mengen angezeigt Ist. Die Hauptbestandteile des Erdöls,
das aus einem Gemisch tausender verschiedener Stoffe besteht, sind Erdölkohlenwasserstoffe (EKW).
Mengenmäßig Ist die Untergruppe der Aliphaten (n-Alkane) am bedeutendsten, während aus toxikologi
scher Sicht die Aromaten am relevantesten sind. EKW sind wenig wasserlöslich und werden an Schwebstof
fen und In Sedimenten stark angereichert. EKW sind sehr stabil, jedoch werden n-Alkane relativ leicht
biochemisch abgebaut. Kohlenwasserstoffe werden aus der Luft, durch die Flüsse, von Schiffen und Off-
shore-Förderanlagen Ins Meer eingetragen.
Die früher zur Untersuchung der Umweltbelastung durch EKW verwendete summarische Größe >Gesamt-
kohlenwasserstoff< wurde seit 2001 nicht mehr bestimmt. Stattdessen wurden ausgewählte Elnzelkompo-
nenten, wie n-Alkane und Aromaten, erfasst. Einige der Im Erdöl vorkommenden Kohlenwasserstoffe (z. B.
n-Alkane) können auch durch pflanzliche oder tierische Organismen gebildet werden. Eine Unterscheidung
zwischen biogenem und petrogenem Ursprung Ist durch Betrachtung der relativen Konzentrationen der
einzelnen Kohlenwasserstoffe zueinander möglich. Bel den Alkanen weist eine Verteilung mit Bevorzugung
ungeradzahllger Kettenlängen auf Landpflanzen als Ursprung hin. Als Maß für den Anteil an biogenen Alka
nen wird der >Carbon Preference lndex< (CPI: Summe der ungeradzahllgen n-Alkane dividiert durch die
Summe der geradzahligen Im Bereich von n-C 2 o bis n-C 30 ) verwendet, der für petrogene Muster etwa 1 und
für biogene Muster > 4 Ist. Auch Algen sind Produzenten bestimmter n-Alkane; von diesen werden vor allem
n-C 17 n-C 19 und n-C 15 gebildet.
Bei der Stoffgruppe der Kohlenwasserstoffe (KW) haben zwei Untergruppen eine be
sondere ökologische Bedeutung: Gesättigte KW (Alkane, Aliphaten) und aromatische
KW. Die Alkane (Abschnitt43.4.2, 5. 195) stellen mengenmäßig den Hauptbestandteil
von Erdöl (und daraus gewonnener Produktöle), sind jedoch relativ gering toxisch. Hin
gegen kommen aromatische KW nur in geringeren Konzentrationen im Erdöl vor, wei