4 Meereschemie
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System Nordsee
4.2.4.1 Nährstoffe
Infolge des starken Sturmaufkommens im Januar 2005 (Tab. 2-1, S. 45) und des recht
stationären Einstroms über den NW-Rand der Nordsee in den Sommermonaten
(Abb. 3-3,5.85) konnte salzreiches Atlantikwasser bis in die südliche Nordsee Vordrin
gen. Dieser Umstand spiegelte sich in hohen Nährstoffgehalten des Bodenwassers.
Die ungewöhnlich starke Westausdehnung des salzarmen Norwegischen Küsten
stroms (Abb. 3-30,5.136) bedingte relativ hohe Nitrat- und Silikatkonzentrationen des
Oberflächenwassers der nordöstlichen Seegebiete. Die Nährstoffgehalte außerhalb
der kontinentalen Küste wurden durch hohe Frachten der Nordseezuflüsse geprägt.
Die Nährstoffe im Oberflächenwasser der zentralen Nordsee waren der Jahreszeit ent
sprechend vom Phytoplankton weitestgehend aufgebraucht. Der Nitratgehalt war in
nerhalb der Deckschicht meist unter 0.15 ¡imol/L gesunken; lediglich in der Deutschen
Bucht wurden in den Flussfahnen Konzentrationen von 1.0 ¡imol/L überschritten
(Abb. 4-8). In der nördlichen Nordsee wurden im Bodenwasser infolge des starken at
lantischen Einstroms ähnlich hohe Nitratgehalte angetroffen wie im Sommer 2004. Die
Nitratgehalte der Deckschicht fielen hier aufgrund der vergleichsweise schwach aus
geprägten Thermokline etwas höher aus als in der Vorjahressaison.
Abb. 4-8: Nitratkonzentration (jumoi/L) im Oberflächen- und Bodenwasser der Nordsee im
Sommer 2005; log 2 -Farbskala beachten.
Fig. 4-8: Nitrate concentration (/jmol/L) in near-surface and -bottom water of the North Sea in
summer2005 (note log 2 color scale).
Phosphat war im Oberflächenwasser der zentralen und nördlichen Nordsee bis unter
0.05 ¡imol/L abgebaut, erreichte aber in der flachen südlichen Nordsee bereits wieder
Gehalte über 0.1 ¡imol/L, denn remineralisiertes Phosphat aus dem Bodenwasser
wurde hier durch vertikale Vermischung nachgeliefert (Abb. 4-9).
Die Silikatkonzentrationen der zentralen Nordsee lagen in der Deckschicht meist unter
0.8 ¡imol/L, während die Gehalte des Bodenwassers im Norden zwischen 4 und
6 ¡imol/L variierten (Abb. 4-10, S. 167). Der Abbau- und Freisetzungsprozess von Silikat
aus sedimentierten Kieselalgen der Frühjahrsplanktonblüte war in diesem Jahr auf
grund der vergleichsweise niedrigen Wassertemperaturen noch in vollem Gang. Im