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Full text: 44: System Nordsee - Zustand 2005 im Kontext langzeitlicher Entwicklungen

System Nordsee 
153 
4.2 Nährstoffe 
<•> 5. Weigelt-Krenz, U. Brockmann, P Loewe&A. Schulz 
4.2.1 
Einführung ... 
153 
4.2.2 
Flussfrachten 
... 155 
4.2.3 
Winter 2005 .. 
.. 158 
4.2.4 
Sommer 2005 
... 165 
4.2.5 
Zusammenfassung ... 175 
4.2.1 Einführung 
Für die Biosynthese des Phytoplanktons sind Nährstoffe wie Phosphor-, Stickstoffver 
bindungen und Silikat neben praktisch unbegrenzt verfügbarem Kohlenstoff von 
grundlegender Bedeutung. Die Nährstoffzufuhr über Flusssysteme (und die Atmos 
phäre) ist zunächst ein natürlicher Prozess. Gegenüber offenen Seegebieten sind 
Küstengewässer daher biologisch wesentlich produktiver. Seit den 1950er Jahren sind 
die Nährstoffkonzentrationen hier jedoch als Folge der Intensivierung von Landwirt 
schaft, Industrie und Verkehr erheblich angestiegen. 
Veränderungen in der Meeresumwelt, wie das Auftreten von starkem Algenwachstum 
(Planktonblüten) und von Sauerstoffdefiziten, wurden mit erhöhten Nährstoffkonzent 
rationen in Verbindung gebracht. Überschüssige Nährstoffe begünstigen möglicher 
weise auch das Wachstum toxischer Phytoplanktonarten, die beispielsweise erhebli 
che Schäden in Fisch- und Muschelbeständen verursachen können. Starke Phyto 
planktonblüten der Art >Phaeocystis< führten u. a. in den 1980er Jahren zu ausge 
dehnten Schaumteppichen an den Stränden. 
Die übermäßige Produktion pflanzlicher Biomasse ist Folge der anthropogenen Über 
düngung der Meere mit anorganischen Nährstoffen. Zur Bekämpfung dieser »Eutro 
phierung^ hatten sich nationale und internationale Organisationen (OSPAR, HEL- 
COM, EU) darauf verständigt, den Nährstoffeintrag bis 1995 auf die Hälfte desjenigen 
von 1985 zu reduzieren. Dieses Ziel wurde jedoch lediglich für Phosphat erreicht. 
Die europäischen Vorschriften zur Behandlung von Abwässern und zur Verwendung 
von phosphatfreien Waschmitteln führten zu einer Reduktion des Eintrags von Phos 
phor in Flüsse und Seen. Die Nutzung Nitrat-basierter Dünger hat sich in Europa seit 
1980 zwar verringert, der Eintrag aus landwirtschaftlichen Quellen über Flüsse und At 
mosphäre ist jedoch immer noch hoch. Um die Entwicklung von Ausmaß und Wirkung 
des anthropogenen Nährstoffeintrags zu erfassen und die Wirksamkeit von Maßnah 
men zur Verringerung der Einträge zu kontrollieren, werden sowohl Nährstoff-, als 
auch Sauerstoffgehalte regelmäßig überwacht. 
7. von griechisch >eu< (gut) und >trophein< (ernähren, wachsen).
	        
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