3.5 Temperatur
System Nordsee
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dex jedoch nicht ausreichend. Dazu muss man sich weiter klar machen, dass Meere
stemperaturanomalien meist durch ungewöhnliche, ereignishafte atmosphärische Be
dingungen - etwa durch stabile, stationäre Hochdrucklagen (Blockierungen) im Som
mer - ausgelöst werden und im weiteren jahreszeitlichen Verlauf trotz des Verschwin
dens der erzeugenden Ursache fortbestehen, solange keine der Anomalie entgegen
wirkenden Ereignisse eintreten.
Diese Besonderheit beruht auf der Trägheit bzw. dem Gedächtnis des Meeres, dass
seine Erinnerung an vergleichsweise kurzlebige atmosphärische Anomalien im Wär
mespeicher als Wärmeinhalt bewahrt. Beispiele hierfür sind die extreme Kaltanomalie
des Januar 1996, die erst im August in eine Warmanomalie umschlug, oder die extre
me Warmanomalie (1.7 K, 2.4 g) des Juli 2006, die bis in den Juni des Folgejahres in
wenig veränderter Stärke (1.7 ±0.4 K) fortbestand 1,2 , so dass der Jahresgang der
Nordseetemperatur zwischen diesen beiden Monaten von der Form her der Klimato
logie entsprach, sich aber auf erheblich zu hohem Niveau vollzog. Diese Langlebigkeit
von in den Sommermonaten erzeugten Anomalien war für die Dekade 1997 - 2006 ty
pisch, denn die Korrelation zwischen der Jahrestemperatur (Juli bis Juni) und der
Sommertemperatur (JAS) ist mit 0.92 (r * 2 = 85 %) extrem stark (und damit ähnlich
hoch wie die früher (1969- 1996) gültige Beziehung zwischen Jahres- und Winter
temperatur (0.88, 78 %)). Begünstigt wird dieser Zusammenhang vor allem dadurch,
dass anomalieinvertierende Impulse durch negative NAO-Moden im Winter ausgeblie
ben sind.
Winter NAO Index
Abb. 3-27: Wie Abb. 3-25, jedoch für die Differenz zwischen den Oberflächen temperaturen im
Winter (DJF) und vorausgehenden Herbst (November). Rechte Achse: standardisierte Ano
malie (1971 - 1993,-2.99 ± 0.63 K).
Fig. 3-27: Same as Fig. 3-25, except for the difference between SSTs in winter (DJF) and preced
ing fall (November). Right scale: standardized anomaly (1971 - 1993,-2.99 ± 0.63 K).
Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass die Wintertemperaturanomalien der letzten
Jahre weitgehend »Erblasten« aus Sommer und Herbst darstellen, die im Winter infol
ge eher neutraler NAO-Zustände nur wenig modifiziert wurden. Dass dies tatsächlich
7. Vgl. www.bsh.de/de/Meeresdaten/Beobachtungen/Meeresoberflaechentemperatur/anom.jsp
2. S. a. Bemerkungen zum Juni, S. 114.