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Full text: 44: System Nordsee - Zustand 2005 im Kontext langzeitlicher Entwicklungen

3 Meeresphysik 
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System Nordsee 
Zeitraum 1978 - 1987 festgestellte gehäufte Auftreten östlicher Winde im Winter (kalt) 
und westlicher Winde im Sommer (kalt) ist geeignet, die beobachtete Absenkung der 
Nordseetemperatur im Kaltregime zu erklären (Loewe et al. 2005, Abb. 3-19 a.a.O.). 
Umgekehrt bilden starke westliche Winde im Winter (warm) und das vermehrte Auf 
treten von Ostwinden im Sommer (warm) plausible Rahmenbedingungen für deutlich 
erhöhte Temperaturen im Warmregime. Die hybriden und metastabilen Windregimes 
und ihre Auswirkung auf die Temperatur sind als Mischmaschklima bezeichnet wor 
den. Eine schematische Illustration der Temperaturverhältnisse in solchen Klimata 
bietet Abb. 3-24. 
Die geschilderten Befunde wurden durch entsprechende Unterschiede in den saiso 
nalen Luftdruckverteilungen über der Nordsee weiter belegt (Loewe et al. 2006, Abb. 
3-23 a.a.O.). Auf dieser Zeitskala zeichnete sich das Warmregime (1991 - 2000) ge 
genüber dem Kaltregime (1978 - 1987) durch eine verstärkte (abgeschwächte) West 
zirkulation im Winter (Sommer) aus, die durch das gehäufte (Winter) bzw. reduzierte 
Auftreten (Sommer) westlicher Winde mitverursacht wurde (Loewe et al. 2005, Abb. 
3-19 a.a.O.). Die Windverhältnisse im Winter des Warm- bzw. Kaltregimes erwiesen 
sich als grundsätzlich konsistent mit persistent positiven bzw. negativen NAO-Zustän- 
den. Die wärmeren Sommer der 1990er Jahre standen mit häufigen, stabilen und blok- 
kierenden Hochdrucklagen über Fennoskandien und der Nordsee in Verbindung, die 
zu Brückenbildung mit dem Azorenhoch neigten. 
Wie aktuelle Ergebnisse zeigen (vgl. Abschnitt3.5.5, 5.126), haben die das Warmre 
gime betreffenden Verhältnisse seit dessen Intensivierung 2001/02 (vgl. Abb. 3-23, 
5.122) nicht fortbestanden. Der NAO-Zustand ist meist neutral, so dass starke mariti 
me Warmluftadvektion im Winter als Ursache für die extrem hohen Temperaturen nicht 
in Betracht kommt. Tatsächlich sind es die Zirkulations- und insbesondere die solaren 
Einstrahlungsbedingungen im Sommer, die jetzt Jahresgang und Jahresmittel der 
Nordseetemperatur dominieren. Dieser Umbruch in der relativen Bedeutung des Win 
ter- und Sommerantriebs hat offenbar bereits in der zweiten Hälfte der 1990er begon 
nen. Beleg hierfür sind die negativen oder quasi-neutralen NAO-Zustände zwischen 
1996 und 1998 (z. B. Abb. 2-14,5.65) und das verminderte Sturmaufkommen im Winter 
(Abb. 2-16,5.68). Die Verhältnisse im Sommer bedürfen eingehenderer Untersuchun 
gen. Dass die hinsichtlich der Globaltemperatur 10 wärmsten Jahre sämtlich auf den 
12-jährigen Zeitraum 1997 -2008 entfallen 1 , spricht jedoch für sich. 
3.5.4.3 Globaler Kontext 
Die Literatur zur Klimadynamik strotzt von einer schwer überschaubaren Fülle von 
Fernwirkungsmustern, Oszillationen, Moden und Indizes zur Beschreibung und Inter 
pretation der Variabilität der großräumigen Zirkulation von Atmosphäre und Ozean 
und daran gekoppelter Klimavariablen * 2 . Dass diese Variabilitätsmuster kein unabhän 
giges, isoliertes Eigenleben führen, sondern sich im Rahmen des globalen Klimasys 
tems wechselseitig beeinflussen ist intuitiv klar und zeigt sich u. a. in der Tatsache, 
dass sich viele dieser Muster aus Linearkombinationen weniger Hauptmuster ergeben 
(Quadrelli und Wallace 2004). Ferner haben Watanabe und Nitta (1999) abrupte 
und markante Verschiebungen in der winterlichen atmosphärischen Zirkulation der 
Nordhemisphäre aufgedeckt, die zeitgleich mit den Temperatursprüngen in der Nord 
see (1970/71, 1976/77, 1987/88) eingetreten sind. Es ist daher naheliegend und im 
7. vgl. www.ncdc.noaa.gov/oa/climate/research/2008/ann/global.html. 
2. s. a. www.cdc.noaa.gov/data/cllmatelndlces/llst.
	        
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