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Full text: 44: System Nordsee - Zustand 2005 im Kontext langzeitlicher Entwicklungen

3.5 Temperatur 
System Nordsee 
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Thermometern an den Nansen-Flaschen keine ausreichende Datenbasis bieten. Die 
seit Sommer 1998 im Rahmen der jährlichen ozeanographischen Gesamtaufnahmen 
der Nordsee mit dem geschleppten Delphin-System gewonnenen Messdaten erlau 
ben inzwischen jedoch eine grobe Klassifizierung der Nordsee zu einer Jahreszeit, in 
der die stärksten vertikalen Temperaturgradienten auftreten. 
Im August 2005 entsprach nicht nur die mittlere Oberflächentemperatur (14.9 °C) son 
dern auch die geographische Verteilung der Oberflächentemperatur in weiten Teilen 
der Nordsee dem klimatologischen Mittel (vgl. Abb.3-17,S. 113). Die Deckschicht war 
ungewöhnlich gut durchmischt (Abb. 3-20) und erstreckte sich über die gesamte Breite 
der Nordsee von der britischen bis zur kontinentalen Küste. In dieser Richtung typi 
scherweise zunehmende Temperaturen wiesen entlang 58° N die größte Spannweite 
auf (13 - 16 °C). Die Thermokline lag mit 30 - 40 m in außergewöhnlich großer Tiefe, 
so dass die Temperaturen im unteren Teil der Deckschicht und mit der Tiefe zuneh 
mend um bis zu 4 K über den Mittelwerten des Zeitraums 1999 - 2008 lagen, während 
sie oberhalb 20 m zur Oberfläche hin um bis zu - 2 K kühler waren. Ursache für die 
tiefreichende, gut durchmischte Deckschicht und die resultierenden Temperaturano 
malien war die von Tiefdruckstörungen und kräftigen NW-Winden geprägte unbestän 
dige Witterung von Mitte Juli bis Mitte August (Tab. 2-1, S. 45; Abb. 2-11, S. 56] Tab. 2-3, 
S. 57; s. a. Diskussion der Temperaturschichtung in der Deutschen Bucht, S. 119). Die 
se meteorologischen Verhältnisse sorgten andererseits im Bereich der Norwegischen 
Rinne immer wieder für Auftriebsbedingungen, so dass die Deckschicht hier ausge 
sprochen flach war und in 20 - 40 m Tiefe bis zu - 7 K kältere Temperaturen angetrof 
fen wurden. Kräftige vertikale Gradienten (Thermokline) trennten das Deckschicht 
wasser vom winterlich kalten Bodenwasser, dessen Temperatur selten mehr als 0.5 K 
über denen des Vergleichszeitraums lag. 
Auf dem Schnitt entlang 55° N ist westlich der Doggerbank der >cold pool< erkennbar, 
der jedoch durch eine warme Deckschicht gedeckelt wurde, so dass dort die Wahr 
scheinlichkeit für das Auftreten von Nebel gering war. Über der flachen Doggerbank 
selbst bildete sich im Unterschied zum windschwachen Vorjahressommer keine 
Schichtung aus. 
Die während der großräumigen Nordsee-Aufnahmen im Zeitraum 2002-2008 auf 
den Breitenparallelen erfassten Vertikalschnitte (z. B. auf 56 °N) zeigen erhebliche Un 
terschiede sowohl in der Intensität der Schichtung (Gradienten), als auch in der Tie 
fenlage der Sprungschicht (Abb. 3-21). Insbesondere durch die gleichmäßig durch 
mischte, isotherme Deckschicht hebt sich die Temperaturschichtung im Berichtsjahr 
von denen aller anderen Jahre ab. Abgeleitete Wärmeinhalte und Temperaturen der 
Einheitswasserwand entlang 56° N sind in Tab. 3-8 wiedergegeben. Danach trat der 
bisher höchste Wärmeinhalt hier im Sommer 2004 auf, während der niedrigste im 
Sommer 1998 um knapp 20% geringer ausfiel. Unterschiede in den quasisynopti 
schen Wärmeinhalten zeigen dabei nicht zwingend zwischenjährliche Abweichungen 
auf, weil die mittleren Zeitpunkte der mehrwöchigen Vermessungsreisen stark streuen 
und der saisonale Anstieg des Wärmeinhalts gewöhnlich erst im September abge 
schlossen ist. Anhand von Modellrechnungen wurde die Differenz zwischen den im 
März und September eintretenden saisonalen Extrema des Wärmeinhalts der gesam 
ten Nordsee mit 0.8 x 10 21 J abgeschätzt (Loewe et al. 2005). Der halbjährliche An 
stieg im Wärmeinhalt entspricht demnach einer Leistung von 0.05 x 10 15 W oder 10 % 
der Transportleistung des Nordatlantischen Stroms (0.5 PW).
	        
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