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Barometerstände mitgetheilt. Ausserdem enthalten die Tabellen spezielle Wetter
notizen, sind im Uebrigen eingerichtet, wie die gleichartigen Arbeiten verwandter
Institute.
Auf diesen beiden Grundlagen, den Thatsachen einerseits, und
der Benutzung der Thatsachen andererseits, sind nun
Segelan- III. Die Segelanweisungen durch den nordatlantischen Occan
Weisungen, ('jj,. ausgehende und zurüokkommcnde Schiffe in den denkbarsten Fahrten aufgebaut.
Es klingt gewiss sehr hübsch, wenn ein Schiffer bloss mit Hülfe einer Wind-
und Stromkarte sich seinen idealen Weg über den pfadlosen Ocean construirt.
aber noch besser ist es doch, wenn er gleichzeitig einen Blick auf seine Vorgänger
wirft, zumal er oft, falls Umstände ihn aus seiner vorgesteckten Bahn heraus
werfen, durch Vergleichung der Kurse seiner Collagen sich einen neuen Weg
leichter zusammenstellen kann. Umgekehrt aber erhellt auch, dass Tabellen von
Schnittpunkten doch nur das wiedcrspiegcln, was jeder Schiffsführer aus seinem
verhältnissmässig engen Gesichtskreise heraus, aus dem Wetter und den oceanischen
Umständen gemacht hat, nicht aber, was er bei weiterer Voraussicht, umfassenderem
Ueberblick daraus hätte machen können. Wenn man also nicht bloss die von
ihm allein, sondern auch die von seinen gesehenen oder nicht gesehenen Mit-
scgleru gemachten Beobachtungen und gesegelten Kurse und obendrein zugleich
die Temperaturen und die mit ihnen zusammenhängenden Strömungen des Oceans
in Betracht zieht, so gelangt man sicher zu einem tiefem Urtheil über das was
in Zukunft befolgt werden sollte, d. h. über die vorzuschreibende Segelanweisung.
Die bisher von der Seewarte ausgestellten Segelanweisungen waren die
provisorischen Vorläufer der neuerdings entworfenen: für den Nordatlantic
mögen sie jetzt den Neuen Platz machen. Gewiss war ihre Form discutirbar,
das stellen wir nicht in Frage; aber ohne Frage sind sie von Jahr zu Jahr
beliebter geworden, und mit mehr Verständnis befolgt. Dass das geschehen
wäre, wenn sic irrationelle Arbeiten darstellten, glauben wir deshalb nicht, weil
wir unsere Schiffsführer als rationelle Leute kennen. Ihr Vorzug war ihr
individueller Character und ihre pragmatische Kürze; was sie nicht oder nur
innerhalb gewisser Grenzen gewähren konnten, war die Berücksichtigung neuer
Voraussetzungen, falls die angenommenen durch einen der vielen unerwarteten
Zufälle auf Seereisen hinfällig geworden waren. Dafür können freilich nun unter
Vernachlässigung der bisher genommenen Rücksichten auf die Eigenthümlichkciten
von Schiff, Ladung und Führung nur allgemeine Segelanweisungen aufkommen, die
sich über das ganze Jahr und über alle Meere erstrecken: solche kann man aber
nicht 1, 2, 3, und mehr des Tages schreiben, sie sind auch nicht hinnen weniger
Jahre herzustellen, sondern man muss das Material ab warten, und dann die ge
wonnene Einsicht durchDruck zum Gemeingut Aller machen. Auf dem Wege befindet
sich die Seewarte jetzt, soweit sie ihr eigenes Material ausbeutet; die holländischen
Segelanweisungen des um 12 Jahre älteren Instituts zu Utrecht von Ostindien nach
Europa hat die deutsche Seewarte schon gleich nach ihrem Erscheinen durch kurzen
Auszug in der - Hansa« unsererSchifffahrt dienstbar gemacht, und giebt dieses Flug
blatt jedem Schiffe mit, welches möglicher Weise in die Bahn der heinikommenden
Ostindienfahrer einlenkt. Uebrigeus ist zum Schluss hier anzumerken, dass die
klimatischen Verhältnisse, welche auf den Verfolg einer Reiseroute von
Einfluss sind, sich nur selten, sowohl was Ort als was Zeit" anbetrifft, so rasch
ändern, als ängstliche Gemüther jetzt, nun sie einmal von Aussen her darauf
aufmerksam gemacht sind, glauben oder zu glauben Vorgehen möchten.