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Full text: Jahresbericht 1871

1188 Reisen deutscher Dampfer zwischen dem Kanal und Newyork. 
Wollen wir es leugnen, dass uns das Herz pocht, indem wir dieses stolzeste 
Blatt der Geschichte neuerer deutscher Seeschifffahrt aufschlagen? So stolz, 
dass nur die Waffenthaten des alten Hansa-Bundes sich ebenbürtig der Friedens- 
thätigkeit ihrer Nachkommen gegenüber stellen lassen! Wo auf der weiten Erde 
sehen wir zwei Gesellschaften, wie die Hamburg- Amerikanische - Packetfahrt- 
Actiengesellschaft in Hamburg und den Norddeutschen Lloyd in Bremen, welche 
nur durch tiefste Geschäftskunde, reellste Geschäfsführung und weises Masshalten 
nach allen Richtungen es möglich gemacht haben, trotz ringsum allen übrigen 
transatlantischen Gesellschaften gewährter staatlicher Beihülfe auf jede staatliche 
Beihülfe zu verzichten, trotz aller fremden Concurrenz jede fremde Concurrenz 
zu schlagen, und der deutschen Flagge die erste Stelle im öffentlichen Vertrauen 
diesseits und jenseits des üceans zu erobern! Wohl hat cs harte Mannesarbeit 
gekostet, die deutschen Gesellschaften auf ihre jetzige Stufe zu erheben, wohl 
haben die ersten Hirectoren wie die letzten Ingenieure ihre besten Kräfte daran 
wenden und die Actionaire geduldig ausharren müssen, um trotz Missgunst und 
Neid, hüben wie drüben und unterwegs, endlich obzusiegen; aber dafür können 
wir es auch rühmend hervorheben, dass hier deutsche Einsicht, deutsche Zähigkeit 
und deutsche Humanität das bis jetzt errreichbar Höchste geleistet. Und gross 
empor gewachsen mitten aus der deutschen politischen Zerfahrenheit heraus, 
sind diese beiden Gesellschaften zugleich eine Mahnung an das deutsche 
Reich, was Alles den vereinten Kräften, der gemeinsamen Leitung und dem 
starken Schu tze der Nation kann zugemuthet werden. Denn dass noch viel zu 
thun übrig bleibt, haben wir am wenigsten Veranlassung zu verhehlen; gern 
können wir Andern den gebührenden Antheil gönnen. Jeder weiss, dass alle 
Schiffe und Maschinen aus England, von einer Firma, Caird & Co. in Grecnock, 
stammen. Aber dennoch glauben wir in den vereinzelten Versuchen der Schiffs 
baumeister und Maschinenbauer Klawitter und Devrient in Danzig, Möller & 
Holberg, Vulcan zu Stettin, Tischbein und der Actien-Gesellschaft zu Rostock, 
der Norddeutschen Schiffbaugesellschaft zu Kiel, der Reiherstieg-Schiffswerftc 
und Maschinenbauanstalt und der Janssen & Schmilinsky - Werfto zu Hamburg, 
Dreyer zu Harburg, Lange zu Vegesack und des Norddeutschen Lloyd zu Bremen, 
besonders aber auch der „vormals Egells’schen Maschinenfabrik“ in Berlin, welche 
jetzt mit dem „Vulcan“ alle grossen Maschinen für unsere Kriegsmarine schon 
zu liefern im Stande ist, die Aussaaten zu erkennen, aus denen binnen 10 Jahren 
die der deutschen Rhederei nicht allein würdigen, sondern absolut nothwendigen 
und entsprechenden Eisenschiff- und Masohinenbauanstalten hervor-
	        
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