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fast alle Aerzte mit ihren Kräften zu Ende, nur 18 blieben von 130 noch ver
fügbar, die übrigen waren krank, todt oder hatten die Stadt verlassen.
Unter den Italienern hatte sieh von Anfang an eine Panik verbreitet und
viele von ihnen eilten nach Europa zurück. Die Genuesische Compagnie ver
kaufte in 15 Tagen 5200 Billette. Während der Ueberfahrt von hier nach Rio
de Janeiro sollen auf einem Schilfe 35, auf einem andern 70 dieser Passagiere
an der Krankheit gestorben sein. Die englischen Postschiffe, welche Passagiere
zweiter Klasse zurüekwiesen, entgingen der Infection. In diesem Monat starben
11,000 Personen. Die Osterwoche, welche auch während der Cholera 1867 am
schlimmsten gewesen war, brachte officiell täglich 400 Todte, die Todtengräber
taxiren aber die Zahl auf 1000. Nach Publication der Hülfscommission waren
nur 30,000 Einwohner zurückgeblieben, von denen 7000 krank lagen und 4—500
täglich starben. Am Ostermontag wurden mehr als 1000 begraben. Keiner der
360 Todtengräber starb am gelben Fieber. Um diese Zeit war der südliche
Kirchhof gefüllt und mit einer Lage Kalk bedeckt. In drei Monaten waren
22,000 Leichen auf demselben begraben worden.
Am 16. April nahmen die Sterbefälle ab und betrugen bald nur noch die
Hälfte von früher.
Gestorben waren:
im Januar 200,
„ Februar 1,000,
„ März 11,000,
„ April 14,000,
26,200.
Davon waren:
Italiener 11,000.
Argentiner 8,000,
Spanier 3,500,
Franzosen 2,200,
Engländer 600,
Deutsche 300,
verschiedene Nationalitäten 600,
26,200.
In Folge der von dem englischen in Buenos Ayres erscheinenden Blatte
Standard gegebenen statistischen Veröffentlichungen, welche mit den officiellen
nicht übereinstimmten, verordnete die argentinische Regierung:
Buenos Ayres, den 4. Mai 1871.
Da die Veröffentlichungen des Standard nicht dazu angethan sind, die Ein
wanderung zu begünstigen, so verordnet der Präsident der Republik;
1) Das Abonnement auf den Standard wird nicht fortgesetzt.
2) Diese Verordnung soll mitgetheilt, veröffentlicht und im National-Register
eingetragen werden. Sarmiento.
Luis V. Varela.
In Beziehung auf oben angegebene Todtenzahl sei noch erwähnt, dass nach
einer andern Berechnung wenigstens 23,000 starben.
Von 450 schottischen, irischen und englischen Geistlichen fielen 230 der
Epidemie zum Opfer.